Armuts-Experiment

17. November 2016 13:17; Akt: 17.11.2016 13:17 Print

Kanadier erhalten 1320 Dollar Grundeinkommen

In der kanadischen Provinz Ontario startet 2017 ein Experiment, um den Einfluss eines Grundeinkommens auf Armut und Arbeit zu messen.

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Welche Auswirkungen hätte ein Grundeinkommen auf die Gesellschaft? Würden mehr Menschen faul und nicht mehr arbeiten, weil sie ja Geld geschenkt bekommen? Würden mehr Menschen den Schritt in die Selbständigkeit wagen, weil man gewisse Sicherheiten hätte? Würden weniger Frauen nach einer Geburt wieder arbeiten? Gäbe es mehr oder weniger Arme?

Um solche Fragen anhand von realen Daten beantworten zu können, startet Kanada 2017 in der Provinz Ontario ein Pilotprojekt. Während drei Jahren sollen Menschen zwischen 18 und 65, die unterhalb der Armutsgrenze leben, ein monatliches Grundeinkommen von 1320 kanadischen Dollar (umgerechnet rund 975 Franken) erhalten. Menschen mit Behinderungen sollen 1820 Dollar bekommen.

Kosten von Armut verringern

Der Kopf hinter dem Versuch ist Hugh Segal, ein konservativer ehemaliger Senator, der laut der Plattform Bigthink.com herausfinden will, ob ein Grundeinkommen einen echten Weg zur Minderung von Armut eröffnen kann. «Dieser Test ist ein menschlicher und sinnvoller Weg, um zu messen, wie die Kosten von Armut – im Hinblick auf Produktivität, Gesundheit, Polizeieinsätze und weitere Ausgaben für die Allgemeinheit – verringert werden können und gleichzeitig die Armut selbst bekämpft und Arbeit gefördert werden kann.»

In konservativen Kreisen ist das Interesse gross, weil man damit womöglich den Sozialstaat abbauen könnte, Linke sehen eine Chance, das Sozialwesen umzugestalten. Allerdings dämpft Segal in seiner Auslegeordnung für das Projekt die Erwartungen: «Es gibt keinerlei Garantien, welche Resultate dieser Versuch hervorbringen wird. Das Ziel ist letztlich, dass künftige Politik auf konkrete, nachgewiesene Daten zurückgreifen kann, ohne vorgefasste Schlussfolgerungen.»

Zweiter Versuch

In den 1970er wurde in Kanada bereits einmal ein ähnliches Experiment durchgeführt. Die Wirtschaftsprofessorin Evelyn Forget von der Universität Manitoba hat die Resultate jener Studie analysiert und festgestellt, dass damals tatsächlich ein leichter Beschäftigungsrückgang gemessen wurde. Allerdings betraf dieser primär zwei Bevölkerungsgruppen: Mütter, die nach der Geburt länger zu Hause blieben, und Teenager, die länger die Schule besuchten.

(ofi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • m.ensch am 17.11.2016 13:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeiten wollen und Arbeit haben ...

    früher oder später wird uns nichts Anderes übrig bleiben, denn die Arbeit wird zunehmends von Maschinen erledigt, und dies billiger als durch den Menschen. Es bleiben wohl noch einige Nischen übrig, doch diese reichen nicht aus, das wachsende Heer unverschuldet Arbeitsloser zu ernähren. Also???

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  • Lorenz Fellmann am 17.11.2016 13:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitszwang

    Wer verlangt, dass alle arbeiten sollen und das möglichst bis siebzig, soll dafür sorgen, dass es Arbeit gibt. Alles andere ist nur billige Sprücheklopferei.

  • Käser am 17.11.2016 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    hängt alles zusammen - wau!

    In Zukunft werden die Besitzer von Robotern immer reicher und gemäss Schweizer Volksmeinung müssen diese Leute pauschal Steuern bekommen und von Erbschaftssteuer befreit werden. Dies ist für unseren Wohlstand angeblich wichtig damit die oberen 2% immer reiche werden und die unteren 98% immer schneller Rennen müssen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • arwed am 17.11.2016 23:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wartets nur ab

    Spätestens wenn wirtschaft 5.0 kommt, wärt ihr froh, wir hätten ein grundeinkommen. Das sozialamt wird euch nämlich erst helfen, nachdem (!) ihr euer vermögen aufgebraucht habt, da ihr wegen den robotern keinen job mehr finden konntet...

    • Tim am 17.11.2016 23:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @arwed

      Wegen den Robotern. Ok. Etwas weniger Absynth, dann sind die Roboter auch nicht mehr so schlimm.

    • Ein Robikenner am 18.11.2016 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tim

      Tim...da liegst du sehr falsch! Meine Roboter nehmen sehr viel Arbeitern den Job weg! Egal ob Messen, Werkstückbeladung/Entladung. Reinigung und Verpackung. Sie arbeiten auch jedes Wochenende haben keinen Hunger. Werden nicht müde und ersetzten viele Jobs! Brauchen keinen Lohn und sind immer zufrieden! Verschlafen nicht und hängen nicht auf Facebook rum....Du wirst es in ein paar Jahren auch sehen!

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  • Engels am 17.11.2016 23:23 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wärs

    mit ein wenig Kommunismus? Super Gleichheit, allen gehts gleich schlecht.

  • Sensenmaa am 17.11.2016 23:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Warum sinds immer die anderen Länder die sowas testen und die Schweiz, eines der reichsten Länder der Welt bildet über das schlusslicht.

  • Jonni Murxirer am 17.11.2016 22:35 Report Diesen Beitrag melden

    Interressantes Experiment

    Na zum Glück haben die keine PFZ mit den USA, oder der EU, sonnst würde es auf jeden Fall schief gehen. Mal abwarten wies ausgeht, kommt in Kanada nur auf die eigene Bevölkerung an.

  • Hildi am 17.11.2016 22:30 Report Diesen Beitrag melden

    Die machen wenigstens was

    ...und versuchens mal, anstatt nur zu labern und theoretisieren. Gehe aber auch einig, dass wenn schon, nicht nur die unter der Armutsgrenze das BGE bekommen sollen. Für viele hier bei uns wird es zu späht sein, bis gehandelt wird. Unser Vermögen wird bis dahin aufgebraucht sein und wir werden wegen diesem Sch... und wegen den fehlenden Arbeitsjahren bis ans Lebensende Armutsrentner und auf Ergänzungsleistungen angewiesen sein. Warum? Wenn man mit 55 ausgesteuert ist, keine Anstellung mehr findet, fehlen einem ZEHN Jahre Beitragszahlungen an 1. und 2. Säule und das Ersparte ist ebenfalls weg!