Erfolgreiche Petition

30. Dezember 2017 12:10; Akt: 30.12.2017 12:10 Print

Katalanen wollen sich von Katalonien trennen

Es begann als Witz und wurde schnell zum Social-Media-Hype: Aktivisten fordern die Abspaltung der fiktiven Region «Tabarnia» von Katalonien.

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Eine satirische Online-Petition zur Abspaltung einer schmalen katalanischen Küstenregion macht im Internet Furore: Binnen weniger Tagen wurde sie bereits von rund 180'000 Menschen unterzeichnet. Die Petition fordert die Abspaltung der fiktiven Region Tabarnia vom Rest Kataloniens. Das Wort setzt sich aus den Namen der katalanischen Provinzen Tarragona und Barcelona zusammen.

Die Verfechter eines autonomen Tabarnia machen sich die Argumente der katalanischen Unabhängigkeitsbefürworter zu eigen: Tabarnia sei «eine Region, die sich in vielen Aspekten vom Rest der Region unterscheidet, zu der sie gehört».

«Barcelona und Tarragona sind multikuturelle und dynamische Gegenden, die nicht so recht zum übrigen Katalonien passen», heisst es in der Petition. Ausserdem würden die Bewohner von Tabarnia mehr in den gemeinsamen Haushalt einzahlen, als sie zurückerhalten. Die Bürger hätten das Recht, demokratisch über ihre Zukunft zu entscheiden. Die Korruption der katalanischen Politiker habe zudem Tabarnia ins Elend gestürzt. Ein Zeitpunkt für das Referendum ist auch schon fix: Im Oktober 2019 soll abgestimmt werden.

In Tabarnia sind katalanische Unabhängigkeitsbefürworter Minderheit

Die Aktivisten hatten bereits im September 2015 im Internet eine Kampagne lanciert, die «Barcelona ist nicht Katalonien» hiess. Damals schon forderten sie «Freiheit für Tabarnia», ein anderer Slogan lautete «Katalonien raubt Tabarnia aus».

Barcelona und das nahegelegene Tarragona sind die Regionen Kataloniens, in denen es die geringste Zustimmung zur katalanischen Unabhängigkeit gibt. Bei der Parlamentswahl in der vergangenen Woche hatten die prospanischen Parteien rund 52 Prozent der Stimmen erhalten, knapp 48 Prozent gingen an die Unabhängigkeitsbefürworter.

Stimmen aus ländlichen Gegenden zählen mehr

Wegen einer Besonderheit des Wahlrechts werden jedoch die Stimmen aus ländlichen Regionen – wo die Unabhängigkeitsgegner ihre Hochburg haben – stärker berücksichtigt als in den grossen Städten, wo die prospanischen Parteien siegten. Daher stellen die Unabhängigkeitsbefürworter die Mehrheit der Abgeordneten im neuen katalanischen Parlament.

«Unsere Stimmen zählen drei- bis viermal weniger als die aus den ländlichen Provinzen Girona und Lleida», klagten die Initiatoren der Petition. Sie beanspruchen darum nun für sich «das Recht zu entscheiden, ob wir eine neue spanische Region bilden wollen, die uns von der separatistischen Bedrohung trennt».

Auch Politiker sind auf die Bewegung aufmerksam geworden. So twitterte Albert Rivera, der Chef der Ciudadanos-Partei: «Wenn die Nationalisten das nicht existierende Recht auf Teilung beanspruchen, dann kann es jeder tun. Aber ich bevorzuge die Einheit.»



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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • John Doe am 30.12.2017 13:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe gehört...

    ...dass auch die Bäckerei Berger in Hinterfultigen sich unabhängig erklären möchte...

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  • Pablo am 30.12.2017 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    !Die Argumente!

    1. Es soll ein Ende der Steuerausbeutung durch Katalonien geben. Schließlich werde rund um Barcelona mehr Geld erwirtschaftet (selbst pro Kopf) als im katalanischen Hinterland. 2. Die Renten seien sicher, schließlich hätte man dann ja mehr Geld. 3. Katalonien raubt uns aus", wegen der vergleichsweisen hohen Wirtschaftskraft rund um Barcelona. 4. "Die Bürger von 'Tabarnia' wollen nur abstimmen." Sie seien nicht für die Unabhängigkeit, sondern nur für die Demokratie. All diese Argumente sind gängige Slogans der katalanischen Separatisten.

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  • Quack am 30.12.2017 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach, Menschen

    Wann wird endlich eine Generation von friedliebenden Menschen in diese streitsüchtige Welt geboren?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Elturcos Deportivo La Coruna am 31.12.2017 14:48 Report Diesen Beitrag melden

    Kanton Jura

    Würde Bern ein Referendum in Jura akzeptieren? 1978 hatte Bern nicht akzeptiert.

  • mario kesselring am 31.12.2017 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und?

    wäre in Katalonien weiter so, genau wie in der Schweiz mit ihren Bergkantonen

  • pippo am 31.12.2017 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tabarnia

    84% von die geld einnahnen der Generalitat von Katalonien kommen aus Tabarnien, unsere stimmen in Barcelona sind viel weniger wert als in Land. Wir wollen nicht mehr für diese Separatisten Parasiten aufkommen, 2020 Referendum.

    • Oriol am 31.12.2017 15:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @pippo

      In Tabarnia, leben 6 Millionen menschen von 8,5 Millionen in Katalonien, wenn sich Tabarnia abspaltet, kann sich Katalonien nicht mehr tragen, dann wären sie auf augenhöhe mit Rumänien, wenn überhaupt.

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  • Bruce21 am 31.12.2017 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freie Republik

    in meiner Wohngemeinde hat ein Landbesitzer eine freie Republik ausgerufen und die Abspaltung wurde von den dort ansässigen Einwohnern angenommen. Wenn sich nun weitere Landbesitzer der angrenzenden Parzellen das gleich tun und sich der Republik anschliessen?

  • Beibachter am 31.12.2017 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Habe etwas falsch gelesen?

    Etwas verstehe ich nicht. In ländlichen Regionen haben Unabhängigkeitsgegner Hochburg, ihre Stimmen zählen doppelt und in Barcelona gewinnen prospanische Parteien? Also wer will noch sich von Spanien abspalten?;-)

    • Inseider am 31.12.2017 09:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beibachter

      In ländlicher gegend haben die separatisten Hochburg, und die stimmen zählen 3 bis 4 mal mehr, je nach ortschaft, es ist ein ausgleichfaktor der längst veraltet ist.

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