25. Oktober 2006 07:38; Akt: 25.10.2006 07:53 Print

Keine Warn-Etiketten auf Alkohol

Die EU-Kommission will die EU-Staaten beim Kampf gegen Alkoholsucht stärker unterstützen. Die Alkoholbranche lief Sturm und kippte den Vorschlag, Warnhinweise anzubringen. Dies, obwohl es immer mehr Kampftrinker gibt.

Fehler gesehen?

Bereits im Vorfeld der Präsentation der Strategie hatte die Alkoholbranche Alarm geschlagen. Vor allem in Deutschland wurde vor Werbeverboten, vor einer Ächtung des Alkoholgenusses durch Warnhinweise und vor Steuererhöhungen gewarnt.

Die Kommission ziele nicht auf den moderaten Alkoholkonsum ab, erklärte EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou, der explizit die «Aggressivität» der Branche während der Erarbeitung des Strategiepapieres kritisierte.

Doch auch die Industrie könne mehr tun, um die schädlichen Folgen des Alkohols zu reduzieren, verantwortungsvolles Trinken zu fördern und die Konsumenteninformation zu verbessern, betonte er.

Um gegen die Schäden des Alkohols anzukämpfen will die EU- Kommission mit den EU-Staaten und weiteren Akteuren zusammenarbeiten. Als Prioritäten setzt sie auf den Schutz von Jugendlichen und Kindern, auf die Senkung der Zahl alkoholbedingten Strassenverkehrsunfälle und auf Sensibilisierung der Bevölkerung.

Exzessives Trinken angestiegen

Das Strategiepapier empfiehlt ein Verkaufsverbot von Alkohol an Jugendliche unter 18 Jahren und eine Null-Promille- Grenze für Fahranfänger. Ausserdem solle in der EU weniger für Bier, Wein und Schnaps geworben werden und Alkohol- Genuss nicht so oft in den Medien zu sehen sein.

Auch wenn eine Pflicht zu Warnhinweisen auf Bier- oder Schnapsflaschen nicht geplant ist, will die EU-Kommission eine EU- weite Debatte über solche Vorschläge in Gang bringen. Dies wurde bislang nur in einzelnen EU-Staaten diskutiert.

In der Schweiz zeigten sich Experten nicht überzeugt von der Wirksamkeit solcher Warn-Etiketten. «Warnhinweise bringen nichts», sagte die Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme gegenüber Radio DRS.

Insgesamt sei der Alkoholkonsum zwar gesunken, doch das exzessive Trinken sei vor allem bei Jungen angestiegen, warnte Kyprianou. In der EU seien 23 Millionen Menschen alkoholabhängig, begründete die EU-Kommission ihren Aktionsplan. Alkohol sei in der EU für schätzungsweise 195 000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich.

(sda)