Polizistenmord

23. Oktober 2017 16:59; Akt: 23.10.2017 18:16 Print

Lebenslänglich für «Reichsbürger»

Ein 50-jähriger Mann erschoss in Deutschland einen Beamten, als ein Sonderkommando in seiner Wohnung eine Waffenrazzia durchführte.

Reichsbürger-Prozess: Lebenslang für den Angeklagten. (Video: AFP)
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Das Landgericht Nürnberg-Fürth hat einen zur «Reichsbürger»-Szene zählenden 50-jährigen Mann wegen Mordes an einem Polizisten zu lebenslanger Haft verurteilt.

Ausserdem verurteilte ihn das Gericht heute wegen der vor einem Jahr im fränkischen Georgensgmünd von ihm abgegebenen Schüsse wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung. Der «Reichsbürger» hatte bei einer Waffenrazzia in seinem Haus unvermittelt geschossen, einen 32-jährigen Polizisten getötet und zwei weitere Polizisten verletzt.

Die Staatsanwaltschaft hatte ausser einer lebenslangen Haftstrafe auch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert, womit eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen gewesen wäre.

Die Vorsitzende Richterin sagte, das Gericht habe diese besondere Schwere der Schuld aber trotz allem nicht gesehen. Unter anderem begründete sie dies damit, dass der Angeklagte bisher nicht vorbestraft war.

Während die Staatsanwaltschaft sich zunächst noch nicht zu einer möglichen Revision äussern wollte, kündigte die Verteidigung umgehend Rechtsmittel gegen das Urteil an.

Haus gestürmt

SEK-Beamte hatten am 19. Oktober vergangenen Jahres das Haus des «Reichsbürgers» gestürmt, um ihm seine über 30 Waffen abzunehmen. Zuvor hatte der Mann mehrere Aufforderungen zur freiwilligen Abgabe der von ihm rechtmässig erworbenen Waffen missachtet. Ihm war seine Waffenbesitzerlaubnis entzogen worden, weil er als unzuverlässig eingestuft wurde.

Der Mann bestritt eine Tötungsabsicht und sagte aus, er habe den Polizeieinsatz für einen Überfall gehalten. Wie die Richterin sagte, handelte er nach Überzeugung des Gerichts aber mit voller Absicht und geplant.

Als zentral wertete das Gericht dabei eine Zeugenaussage. Vier Tage vor den Schüssen habe der Mann beim Pokern in einem FKK-Club einem Zeugen gesagt, er rechne mit einem Einsatz von Polizei und SEK. Dazu habe er dem Zeugen mit ausgestrecktem Zeigefinger gesagt: «Ein paar von denen nehme ich mit.» Die Aussage des Zeugen sei absolut glaubwürdig.

Anders als von den Verteidigern behauptet habe der Mann auch erkannt, dass vor seiner Tür Polizisten standen. Er habe nicht blindwütig drauf los geschossen, sondern ganz gezielt elf Schüsse abgegeben. Von den elf Schüssen sei nach der Beweisaufnahme höchstens einer kein Treffer gewesen.

Kein schuldmindernder Wahn

Wie die Richterin sagte, gibt es trotz seiner «sehr ungewöhnlichen, abnormen Gedanken» bei dem Mann keine Hinweise auf einen schuldmindernden Wahn. Er hatte auch Kontakt zu einem anderen «Reichsbürger», der derzeit wegen versuchten Mordes an einem Polizisten vor dem Landgericht Halle angeklagt ist.

Die eskalierte Zwangsräumung beim nun Verurteilten im August vergangenen Jahres und die Schüsse des anderen gelten als Wendepunkt im Umgang mit den sogenannten «Reichsbürgern».

Seither gab es bundesweit zahlreiche Razzien gegen Anhänger der Szene. Die in etliche Kleingruppen zersplitterten «Reichsbürger» erkennen die Bundesrepublik und ihre Institutionen nicht an, für sie besteht das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 fort.

(sep/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus am 23.10.2017 17:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reichsbürger Recht anwenden!

    Wenn sie Ihn nach den Strafgesetzen der Reichsbürger verurteilen würden, würde er den Steuerzahler nicht mehr zur Last fallen! Da gilt bei Mord nämlich die Todesstrafe. Ich finde schon, dass man sich nicht nur die guten Sachen rauspicken kann bei so einer Bewegung. Aber mal ehrlich! So einer dürfte nie mehr auf freien Fuss gelassen werden.

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  • Dirk am 23.10.2017 17:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Vorsatz, Heimtücke und niedere Beweggründe, kurzum: es war Mord. Punkt.

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  • Sportschütze am 23.10.2017 17:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abscheulicher Mord eines Kriminellen

    Dieser Mord ist sehr abscheulich und von einem Kriminellen verübt worden. Der Täter hat sich über sämtliche Gesetze hinweggesetzt, auch das Waffengesetz hat ihn nicht interessiert. Es wäre jetzt sicher falsch wiederum auf die gesetzestreuen Waffenbesitzer, Sportschützen und Jäger loszugehen und schärfere Waffengesetze zu fordern, welche von Kriminellen ohnehin ignoriert werden. Leider lassen sich dadurch solche Taten nicht verhindern, deshalb bitte ich auf solche Forderungen zu verzichten und sachlich zu bleiben und sich darauf konzentrieren das wahre Problem zu lösen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Michél am 24.10.2017 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist mit dem Einsatzleiter

    Da macht man es sich aber sehr einfach, wenn die Polizei so miserabel plant, obwohl die Anzahl an Waffen bekannt ist, dieser die Waffen nicht freiwillig abgibt. Da sollte der Einsatzleiter gleich mitinhaftiert werden, wegen fahrlässiger Tötung. Gleiches Recht für alle.

  • Manometer am 24.10.2017 10:30 Report Diesen Beitrag melden

    Beängstigend..

    wie hier über Nacht Kommentare und deren Antworten einfach so verschwinden. Passte wohl nicht zu der allgemein gültigen Ansicht über diesen "Vorfall". Falls ihr die Zensur nicht glaubt, wie bitte sehr kommt Verfasser G. Indich auf Ketzerei? In einem Kommentar war zu lesen, dass ein Galieleo Galilei der Ketzerei beschuldigt wurde. Was sich nachträglich als ziemlich falsch erwies. Im Kontext soll das bedeuten, dass auch heute Menschen zu unrecht diffamiert oder inhaftiert werden, sobald diese Meinungen äussern und verbreiten, die den Machthabenden nicht gefällt.

    • Norman am 24.10.2017 13:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Manometer

      Ich finde es eher beängstigend wenn hier ein Mord mit fadenscheinigen und teilweise abstrusen Begründungen in eine Notwehrsituation gerückt wird.

    • Nemo am 24.10.2017 13:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Manometer

      Sorry, aber es sind nur Kommentare verschwunden, die den Mord am Polizisten relativiert, verteidigt oder beschönigt haben, obwohl die Grundlagen für die Razzia ziemlich klar da lagen und rein rechtlich eigentlich legitim waren. Hätte dieser Typ wirklich so eine reine Weste, hätte er sich problemlos juristisch wehren können und die Staatsanwaltschaft wäre mit abgesägten Hosen dagestanden. wie in Zürich bei den Ermittlungen gegen die Hell's Angels. Aber da war wohl mehr im Busch.

    • der unangenehme am 24.10.2017 15:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Manometer

      schliesse mich Norman und Nemo an. Lieber mal das eigene Verhalten kritisch betrachten anstatt über andere zu jammern würde dir scheinbar gut tun.

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  • Eidgenosse84 am 24.10.2017 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einseitige Justiz

    Mich würde es Wunder nehmen ob ein linksradikaler bei einem Polizistenmord auch lebenslänglich kriegen würde?

    • der unangenehme am 24.10.2017 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Eidgenosse84

      Vollkommen überflüssige Frage, auf welche die Antwort JA ist.

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  • Dr. Unwichtig am 24.10.2017 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man staunt immer wieder....

    Über 100 Kommentare zu einem glasklaren Fall, der sich zudem nicht in der Schweiz abgespielt hat? Was man als gesundes Interesse an internationalen Vorkommnissen interpretieren könnte ist in Wirklichkeit einmal mehr ein Potpourri aus kruder Weltsicht und gefährlichem Halbwissen. Nun, ja - es beweist zumindest eindrücklich, dass auch die hanebüchensten Behauptungen (DE ist keine eigenständige Nation, der Kriegszustand mit den Alliierten wurde nie beendet, Gesetze werden von den USA abgesegnet usw) in Zeiten des Internets eine extrem lange Halbwertszeit haben...

  • coco am 24.10.2017 06:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gelbe schein Abstammungs nachweis?

    Die Eliten versuchen das Römische Recht "matre sempre certa est " die mutter ist immer sicher abzuschaffen. Das bedeudet die Nationalität und Volkszugehörigkeit ist nur durch die Abstammung der Mutter zu bestimmen ausser der Vater kann mit der Ehe lückenlos nachweoae das Er der Vater ist. In Europa bestehen die Nationen aus jeweio 1 Volk gennant staatavolk und das ist nur nach der Abstammung zu defiinieren. Aus dies Grund haben die Europär in Amerika ein neues Recht geschaffen, das ihnen mit der Geburt in Amerika das Recht gibt dort zu leben und nicht wie in Europa nach der Abstammung. Aus diesem Grund gibt es 2 pässe in der Schweiz und in der EU sind die Aulsänder z B mit deutschem Pass nur EU Büger und keine Deutschen Staatsbürger. Aus diesem Grund gibt es den Gelben schein ind Deutschlan aber auch der Schweiz Österreich usw. hier heisst er nur anders, in der Schweiz heisst es Heimatschein

    • coco 2 ergänzung am 24.10.2017 07:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @coco

      Die Euopär waren in Amerika auslander, weil den " Indianern" ja das Land gehörte und , deshlab galt für die Europäer in Amerika immer noch das Römische Recht von Europa dass die Nationalität durch Abstammung bestimmt, ein Kind von einem deutschtes Paar war automatisch deutscher. Aus diesem grund hat man in den USA das Recht geschaffen das man nur mit Geburt nicht durch Abstammung Amerikaner wird. Die Unabhängigkeit war die Unabhangigkeit des Römischen Rechts darum ging es, aber mit dem gleichen Recht das die Europaer für ihre Kinder einführten wurden die wirklichen Ureinwohner zu staatenlosen und freiwild, weilndas Recht durch Abstammung abfeschafft wurde und die Ureinwohner waren in ihren Augen der letzte lebende beweis, während die wenige überlebenden von heute in Reservaten lebt

    • Sven am 24.10.2017 08:46 Report Diesen Beitrag melden

      @coco

      Und wohin führt das ganze? Ich hab mir das in kleinerem Ausmasse auch schon angesehen, sehe aber nicht ein wozu wir solche "Aufklärung" noch brauchen. Es geht weiter coco.

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