Krieg in Kongo

02. Dezember 2012 13:28; Akt: 02.12.2012 13:49 Print

M23-Miliz rückt aus Goma ab

Nach zwölf Tagen Besatzung haben sich die Rebellen der M23-Miliz aus der Provinzhauptstadt Goma zurückgezogen. Kurz zuvor plünderten sie die Stadt, klauten Autos und Munition.

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Am 8. Januar 2013 lässt die M23 die Waffen ruhen. Die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen im rohstoffreichen Osten des riesigen afrikanischen Landes dauerten zuvor Monate an. Am 27. November kündigten die M23-Rebellen an, . Die kongolesische Armee hatte mit einem «Gegenangriff» gedroht, sollten sie es nicht tun. Am 24. November 2012 drohen die regionalen Truppen im Ostkongo mit einem Angriff, sollten sich die Rebellen nicht zurückziehen. Zwei Schweizer Offiziere der UNO-Mission MONUSCO sind im Osten des zentralafrikanischen Kongo von Bewaffneten überfallen worden. Die Rebellengruppe M23 ist im Kongo auf dem Vormarsch: Nach der Einnahme der Stadt Goma will sie das ganze Land unter ihre Kontrolle bringen. Das verkündete der Sprecher Vianney Kazarama an einer Veranstaltung in Goma. «Der Weg zur Befreiung Kongos hat begonnen», rief Vianney Kazarama in einem Stadion den versammelten Menschen in Goma zu. Mehr als 2100 Soldaten und 700 Polizisten desertierten am Mittwoch und liefen nach Angaben der Gruppe zu der M23 über. Diese Polizisten geben den Rebellen gerade ihre Waffen ab. Der Eroberung von Goma waren mehrtägige Kämpfe zwischen den Rebellen und von UNO-Truppen unterstützten kongolesischen Soldaten vorausgegangen. Dabei wurden laut lokalen Medienberichten mehrere Soldaten getötet und etwa 80 Soldaten verwundet. Die kongolesische Armee wurde zurückgeschlagen. Hier sieht man ein von den Soldaten verlassener Panzer in Goma, das sich jetzt in Rebellenhand befindet. Dieser Truck der kongolesischen Armee ist bei Kämpfen mit den Rebellen komplett ausgebrannt. Jetzt dient er Kindern als Spielplatz. Am 19. November eskalierten die Kämpfe zwischen der Armee und den Rebellen in Goma - diese Zivilisten flüchten vor den Feuergefechten in der Nähe des Flughafens.

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Die Rebellen der M23-Miliz haben im Zuge eines Abkommens mit der Regierung die Provinzhauptstadt Goma im Osten von Kongo-Kinshasa nach zwölf Tagen wieder verlassen. In einem Konvoi mit rund 50 Fahrzeugen passierten etwa 300 Rebellen den Flughafen der Stadt.

Singend und waffenschwingend zogen die Kämpfer am Samstag zu Fuss und auf Lastwagen aus der Stadt ab. Auf den Fahrzeugen transportierten sie erbeutete Munition und militärisches Gerät. Kolumbianische Blauhelm-Soldaten in weiss angemalten gepanzerten Fahrzeugen beobachteten den Abzug der Rebellen.

«Wir gehen um des Friedens willen», sagte der Militärchef der nach dem Datum einer Friedensvereinbarung vom 23. März 2009 benannten Bewegung. Vor dem Abzug nahm der M23-Oberkommandant Sultani Makenga eine Parade von etwa 40 Kämpfern ab.

Anwohner bejubelten den Abzug der Miliz und beklagten Plünderungen durch ihre Kämpfer. «Ich bin froh, dass sie verschwinden», sagte die 25-jährige Parfait, die den Abzug vom Strassenrand beobachtete. «Sie haben so viel gestohlen, Autos, Munition, alles.»

Material aus Regierungsbeständen

Vom Konvoi aus rief M23-Sprecher Amani Kabasha spottend, die Regierung in Kinshasa sei der «beste Lieferant» für die Rebellen. Er zeigte dabei auf einen neuen Jeep, den die M23 aus den Regierungsbeständen erobert habe.

Teil der abrückenden Kolonne waren drei Lastwagen samt Baumaterial, die die EU dem Strassenverkehrsamt der Regierung geschenkt hatte. Zudem wurden nach Angaben des EU-Vertreters in Kinshasa, Jean-Michel Dumont, mehrere EU-finanzierte Projekte geplündert, darunter die neue Ausstattung der Regionalversammlung.

Grenzposten an Polizisten übergeben

Vor ihrem Abzug übergab die Miliz den Grenzposten zum benachbarten Ruanda an sechs kongolesische Polizisten. Mehr als 270 Polizisten waren am Freitag aus der südlichen Stadt Bukavu angereist, um beim Rückzug der Rebellen für Ordnung zu sorgen. Am Sonntag trafen weitere 160 Polizisten ein.

Kongolesische Regierungstruppen, die Goma am 20. November kampflos geräumt hatten, würden binnen 36 Stunden zurückkehren, teilten die UNO-Friedenstruppen (MONUSCO) mit. Die Weltorganisation war in die Kritik geraten, weil ihre Blauhelm-Soldaten dem Einmarsch der M23 tatenlos zugesehen hatten.

Die Miliz hatte Goma, die Hauptstadt der rohstoffreichen Provinz Nord-Kivu, am 20. November ohne grosse Gegenwehr der Regierungsarmee oder der MONUSCO erobert.

In einem von Nachbarstaaten vermittelten Abkommen willigten die Rebellen ein, sich auf mindestens 20 Kilometer Entfernung zu Goma in den Norden der Provinz zurückzuziehen. Im Gegenzug sagte Präsident Joseph Kabila zu, die Forderungen der Miliz zu überdenken.

Ehemalige Armeemitglieder

In der Bewegung M23 sind etwa 1500 ehemalige Tutsi-Rebellen zusammengeschlossen, die infolge eines Friedensabkommens in die Armee eingegliedert worden waren. Aus Protest gegen ihre schlechten Lebensbedingungen verliessen sie vor rund acht Monaten das Militär jedoch wieder und erhoben die Waffen gegen die Regierung.

Unter anderem fordern sie die Entlassung des vor einem Jahr unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Etienne Tshisekedi aus dem Hausarrest. Die Vereinten Nationen werfen Ruanda und Uganda vor, die M23 zu unterstützen. Beide Länder bestreiten dies.

(sda)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bongo am 02.12.2012 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Zu Reich

    Der Kongo ist zu reich (Bodenschätze), als dass dort Frieden herrschen könnte.

  • Ngulu Olo am 02.12.2012 14:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht

    Dort könnten die Amerikaner ausnahmsweise mal Erfolg haben mit einer Besetzung des Landes. Das wäre mal ein ehrwürdiger Krieg den sie führen würden. Man muss diese Menschen kontrollieren damit sie aufhören andauernd gegeneinander Krieg zu führen. So stark und solange bis dort Strukturen vorherschen, die ein Umsturz des Systems nicht mehr interessant machen, weil es alles bietet was Mensch braucht um sich zu verwirklichen. Alle anderen Methoden und Projekte nützen nur solange bis sie wieder zerstört werden und das ist wissentlich zu kurz deshalb bleiben sie nichts als sinnlose Geldverschwendung