Kein Umtausch möglich

09. Januar 2018 12:19; Akt: 09.01.2018 12:19 Print

Macron bringt Xi ein besonderes Geschenk mit

Von der Panda-Diplomatie Chinas zur Ross-Diplomatie Frankreichs: Wenn Politiker sich gegenseitig Mitbringsel überreichen, kommt es hin und wieder zu überraschten Blicken.

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An diesem Staatsgeschenk hatte Indonesiens Präsident Joko Widodo besonders Freude: Im November 2017 bekam Widodo im Rahmen des Staatsbesuches von Dänemarks Ministerpräsident Lars Lokke Rasmussen geschenkt. Behalten konnte er sie nicht - also kaufte er sie am 21. Februar 2018 dem indonesischen Staat ab. Wenn Politiker sich gegenseitig Mitbringsel überreichen, kommt es hin und wieder zu überraschten Blicken. Am 8. Januar 2018 schenkte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron dem chinesischen Staatschef Xi Jinping ein . Der Gaul heisst Vésuve de Brekka. Er gehörte bis zum Herbst der Republikanischen Garde Frankreichs, von der sich Xi bei einem Paris-Besuch im Jahr 2014 «fasziniert» zeigte. Offenbar ist die Geste des Franzosen eine Antwort auf Chinas : Die Volksrepublik bekundet ihre Freundschaft mit anderen Ländern regelmässig durch kostspielige Leihgaben von Pandabären. Den ersten Panda-Bär erhielt US-Präsident Richard Nixon im Jahr 1972. Nicht immer sind die Tiere so herzig wie ein Panda oder so nobel wie ein Pferd: 1986 schenkte Indonesiens Präsident Haji Mohammad Suharta dem damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan . Vier Jahre später erhielt auch Reagans Nachfolger George H. W. Bush zwei solche Tiere. Der Komodowaran gilt als eines der gefährlichsten Raubtiere der Welt. Auch kein Glück hatte Frankreichs Präsident François Hollande im Jahr 2013, als er nach einem Besuch in Mali ein Kamel geschenkt bekam: Das Tier, das er einer malischen Familie anvertraute, deren Feld von einem französischen Bombenangriff zerstört worden war, . Zwischen 1983 und 1984 reiste der damalige Verteidigungsminister der USA, Donald Rumsfeld, regelmässig nach Bagdad, um Saddam Hussein zu treffen. Auf einer der Reisen erhielt er von irakischen Präsidenten aus Syrien, mit dem er die USA von der Grausamkeit der Syrer überzeugen wollte: Auf den Aufnahmen sind unter anderem syrische Soldatinnen zu sehen, die lebenden Schlangen den Kopf abbeissen. 2009 erhielt der britische Premierminister Gordon Brown von Barack Obama eine DVD-Kollektion mit , darunter der Hitchcock-Thriller «Psycho», «Citizen Kane» und «The Godfather». Gross muss wohl die Enttäuschung gewesen sein, als er feststellte, dass er sich die DVDs auf seinem DVD-Player aufgrund des Regionalcodes (1 für USA, 2 für PAL/Europa) nicht ansehen konnte. Bei seinem Besuch 2011 im Outback Australiens erhielt Barack Obama vom damaligen Regierungschef des Verwaltungsgebiets Northern Territory, Paul Henderson, eine Versicherungspolice über 50'000 australische Dollar gegen Attacken durch Krokodile. Obama reagierte mit Humor: «Ich muss zugeben, dass wir eine bei der Reform der amerikanischen Krankenversicherung komplett vergessen haben.» Ein Geschenk mit hohem symbolischen Wert: Bei der ersten Begegnung mit dem russischen Aussenminister Sergej Lawrow überreichte seine Amtskollegin Hillary Clinton . Die versöhnliche Geste ging daneben: Das Wort «Reset» wurde mit dem russischen Wort «Peregruzka», was aber nicht «Neustart», sondern «überladen» bedeutet. Angela Merkel kann ihre Enttäuschung nicht verheimlichen: Zu ihrem 60. bekam sie ein Deutschland-Trikot vom Rat der Europäischen Union geschenkt. Dumm nur, dass das T-Shirt zeigte - zu diesem Zeitpunkt war Deutschland aber bereits vierfacher Weltmeister. 2013 schenkte der Iran dem russischen Oberbefehlshaber Wiktor Bondarew eine . Der geschenkte Flugapparat war eine Kopie einer Scan-Eagle-Drohne der USA, die von iranischen Militärs angeblich im Dezember 2012 abgefangen worden war. Das wohl erhielt 2003 der damalige US-Präsident George W. Bush aus Marokko: Eine Büchse Fischköder im Wert von drei Dollar. Das Gute daran: Staatsangestellte dürfen Geschenke über 390 Dollar nicht behalten, also ist davon auszugehen, dass Bush immerhin etwas Freude an diesem Geschenk hatte. Auf der Südseeinsel Tanna wird Prinz Philip, der Gemahl von Queen Elizabeth II., als Gottheit verehrt. 2010 erhielt er als Geschenk . Bis heute hat das britische Königshaus nicht bestätigt, ob der Prinzgemahl das Kleidungsstück je getragen hat.

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Emmanuel Macron hat eine ganz eigene Antwort auf Chinas Panda-Diplomatie gefunden: Bei seinem Staatsbesuch in China schenkte er Staatschef Xi Jinping ein Pferd. Damit wolle der französische Präsident die «freundschaftlichen Verbindungen» zu China unterstreichen, hiess es am Montag am Rande des Treffens der beiden Politiker in Peking aus der Entourage Macrons.

Der geschenkte Gaul heisst Vésuve de Brekka. Er gehörte bis zum Herbst zur Republikanischen Garde Frankreichs, von der sich Xi bei einem Paris-Besuch im Jahr 2014 «fasziniert» zeigte. Zunächst erhält Xi aber nur ein Foto des acht Jahre alten Tiers. Denn das Pferd ist noch in Quarantäne, bevor es in den Stall des chinesischen Präsidenten übersiedeln kann.

Nicht immer sind die Geschenke lässig

Auf Mandarin wird Macron «Makelong» genannt – das heisst übersetzt «Das Pferd, das den Drachen besiegt». Mit seiner Ross-Diplomatie spielt er nun auf die chinesische Panda-Diplomatie an – die Volksrepublik bekundet ihre Freundschaft mit anderen Ländern regelmässig durch kostspielige Leihgaben von Pandabären.

Im französischen Zoo von Beauval lebt die Leih-Bärin Huan Huan. Sie gebar vor rund fünf Monaten das Junge Yuang Meng, dessen «Patentante» Macrons Frau Brigitte ist. Vor Macron haben viele Präsidenten einen Panda bekommen. Andere Staatsoberhäupter haben dagegen weitaus schrägere Geschenke erhalten, wie in der Bildstrecke zu sehen ist.



(kle/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paloma am 09.01.2018 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Der arme (De) Gaul

    Armes Pferd - schon die Sprache muss für den Gaul ja ein Qual sein, neben dem melodiösen Französisch!! Es ist ein Unding, lebende Kreaturen, auch unter Ländern, zu verschenken oder, wie die Pandas, zu Geld zu machen. Die Millionen für die Pandas sind ein Hohn.

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  • Duc le Grand am 09.01.2018 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Der Schein trügt nicht

    Hoffentlich ist es kein Trojanische Pferd. Ein Modell der Concorde hätte auch genügt. Oder die ausgetragenen Schuhe mit verstecktem Absatz von Sarkozy. Beides Symbole einer Grande Nation deren beste Zeiten für lange vorbei sind und bei der Schein wichtiger ist als sein.

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  • Freddie Mercury am 09.01.2018 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    the Queen was not amused

    Eins habt ihr noch vergessen... das wunderschöne Bild von Queen Elizabeth, welches Sie bei dem Deutschlandbesuch erhielt und sichtlich Freude hatte.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Carlos S. am 10.01.2018 22:05 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch peinlich

    Wenn wir da die meisten der Kommentare lesen, ist es bereits eine Bestätigung, wie Rückständig wir im Westen geworden sind. Vorallem im Allgemein-Wissen können wir echt nicht stolz sein und wir geben immer gerne als China-Experten an. Wenn die Chinesen Deutsch lesen können, würden sie uns ja buchstäblich auslachen.

  • Gruss aus Bern am 10.01.2018 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Der "Napoleon-Verschnitt" Macron

    hat bisher noch keine grossen Stricke zerrissen, also macht er weiter auf Show-Man und hofft, damit von der bisher miesen Bilanz abzulenken.

  • de Zäpfi am 10.01.2018 07:05 Report Diesen Beitrag melden

    Symbolpolitiker

    Der "Makelong" (priceless....) mausert sich immer mehr zum vorbildhaften Symbolpolitiker, wenn das mal nicht schiefgehen wird....

  • N. L am 10.01.2018 01:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ich nehme es gerne...

    Wunderschönes Pferd. Also wenn es China nicht gefällt, nehme ich es sehr gerne. Tut mir aber auch leid, dass das Tier nun plötzlich den Besitzer wechseln muss und aus seiner gewohnten Umgebung entrissen wird.

  • Peter/Neureich am 09.01.2018 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Weltmacht neue Position

    Als ob die Chinesische Elite an einen fairen Handel mit dem Westen interessiert wären. Die Chinesische Wirtschaft ist dabei, Amerika abzulösen. Die Franzosen glauben ernsthaft, mit einem Pferd zu punkten. Jeder nur für sich alleine, so geht von 0 - 2018. So ist jede Nation.

    • Egon am 09.01.2018 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      darum die EU! Kein Land in Europa ist mächtig genug um mit den Chinesen auf Augenhöhe zu verhandeln. Die EU mit ihren 500 Mio Einwohnern (zweitstärkster Wirtschaftsraum der Erde) ist hingegen ein ganz anderes Kaliber - da sind dann die Chinesen nicht mehr am längeren Hebel. Aber eben, es gibt ja immer noch Leute die glauben wir könnten mit 8 Mio Einwohnern mit den Chinesen Deals auf Augenhöhe machen :-) für diese Leute ein kleiner Vergleich: Wenn man 150 Mal die Schweiz nehmen würde (8 Mio. mal 150) hätten wir immer noch weniger Einwohner als China.

    • Marc am 09.01.2018 22:18 Report Diesen Beitrag melden

      Wissen hat mehr Wert als Ware

      Mir ist es schleiherhaft, wie Sie auf die Zahl 150 kommen aber nun gut. Als ob es den Chinesen darum geht mit uns Wirtschaftsdeals abzuschliessen, die sind mehr daran interessiert unser Know-How zu erwerben. Schön zu erkennen, wie viele Firmen in chinesische Hand gehen, und da in diesem Bereich noch riesiger Nachholbedarf seitens China besteht, ist man sehr wohl in einer relativ guten Verhandlungsposition.

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