«Kein Anführer ist von Ewigkeit»

08. Juni 2018 02:41; Akt: 08.06.2018 10:35 Print

Macron legt sich vor G7-Gipfel mit Trump an

Bereits vor dem Treffen der grossen Industrienationen in Kanada ist der Streit der G-7-Partner mit dem US-Präsidenten offen ausgebrochen.

G7-Gipfel in Kanada: Der Streit um die von US-Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle dürfte die Beratungen dominieren. Video: Tamedia/AFP
Zum Thema
Fehler gesehen?

Nach Gesprächen mit dem kanadischen Gastgeber Justin Trudeau rief Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit scharfen Worten dazu auf, sich geschlossen der amerikanischen «Vormachtpolitik» zu widersetzen. Mehr als 40 Jahre nach der Gründung steckt die Wertegemeinschaft vor dem Treffen an diesem Freitag und Samstag im kanadischen La Malbaie bei Québec in einer tiefen Krise, so dass eine Spaltung nicht mehr ausgeschlossen wird.

Die Streitigkeiten drehen sich um Alleingänge des US-Präsidenten wie Sonderzölle auf Importe aus Europa, Kanada, Mexiko und Japan sowie seinen Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzvertrag und aus dem Atom-Abkommen mit dem Iran. Auf die Kritik reagierte Trump abweisend auf Twitter: «Bitte sagt Premierminister Trudeau und Präsident Macron, dass sie die Vereinigten Staaten mit massiven Zöllen und anderen (...) Handelshemmnissen belegen.» Ironisch fügte er hinzu, er freue sich darauf, sie heute in La Malbaie zu sehen.

Europäer strecken Köpfe zusammen

Kurz vor Beginn des Gipfels in einem Luxushotel am Sankt-Lorenz-Strom wollen sich die europäischen Teilnehmer bei einem separaten Treffen über ihre Strategie abstimmen. Macron kündigte ein Gespräch mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, der britischen Premierministerin Theresa May und dem neuen Regierungschef Italiens, Giuseppe Conte, an. Ausserdem werden EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und EU-Ratschef Donald Tusk erwartet. «Wir müssen uns organisieren und zusammenarbeiten», sagte Macron. «Ich glaube an multilaterale Zusammenarbeit und das erlaubt es uns, gegen Hegemonie zu kämpfen.»

Eine solche Vormachtpolitik will der französische Präsident nicht hinnehmen. «Hegemonie ist das Recht des Stärkeren», sagte Macron. «Hegemonie ist das Ende der Herrschaft des Rechts.» Die Differenzen stellen auch die übliche gemeinsame Erklärung zum Abschluss in Frage. Das wäre eine Abkehr von dem Ziel, als mächtige Gruppe mit gemeinsamen Werten globale Lösungen finden zu wollen.

«Dem amerikanischen Präsidenten mag es egal sein, wenn er isoliert ist - genauso wenig aber macht es uns etwas aus, eine Vereinbarung von sechs Ländern zu unterzeichnen, wenn die Notwendigkeit dazu besteht», schrieb Macron auf Twitter. «Diese sechs Länder repräsentieren Werte und einen Markt mit dem Gewicht der Geschichte hinter sich, der nun eine wahre internationale Kraft ist.» In einem anderen Tweet schrieb Macron: «Kein Anführer ist von Ewigkeit.»

Abschlusserklärung offen

Ob es am Ende des Gipfels eine Einigung auf eine gemeinsame Abschlusserklärung gibt oder es nur zu einer Zusammenfassung der Ergebnisse durch den G-7-Vorsitzenden Kanada kommt, mochte niemand sagen. Dass nur der Gastgeber eine Erklärung abgibt, ist höchst selten. Schon im Vorjahr in Taormina auf Sizilien, dem ersten Gipfel mit Trump, wäre das Kommuniqué beinahe geplatzt. So wurden die Differenzen festgeschrieben, was ungewöhnlich ist, da solche Abschlussdokumente eigentlich den Konsens festhalten sollen.

Angesichts der Differenzen zwischen der EU und den USA hält fast jeder zweite Deutsche die G-7-Gipfel in ihrer jetzigen Form nicht mehr für sinnvoll. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sprachen sich 26 Prozent dafür aus, Trump zumindest vorübergehend auszuschliessen. 19 Prozent meinten, die exklusive Staatengruppe führender Wirtschaftsmächte sollte ganz abgeschafft werden. Nur jeder Dritte (33 Prozent) ist für eine Beibehaltung der seit mehr als 40 Jahren stattfindenden Treffen.

G-7-Gipfel in Kanda

Trump reist gleich weiter

Vom G-7-Gipfel wird Trump am Samstag direkt nach Singapur zu seinem historischen Treffen am Dienstag mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un fliegen. Nach einem Treffen mit Japans Ministerpräsidenten Shinzo Abe in Washington weckte Trump hohe Erwartungen und schloss sogar eine Einladung an Kim in die USA nicht aus. «Wir haben das Potenzial, etwas Unglaubliches für die Welt zu schaffen. Und es ist mir eine Ehre, daran beteiligt zu sein», sagte Trump vor der Presse.

Bei dem Treffen in dem asiatischen Stadtstaat will der US-Präsident den Machthaber dazu bewegen, vollständig atomar abzurüsten. Das Ziel sei möglicherweise nicht bei einem einzigen Gipfeltreffen zu erreichen. Er halte es aber für möglich, dass es zu einem Friedensabkommen kommen könnte. Nach dem 1953 militärisch beendeten Koreakrieg hat es nie einen Friedensvertrag gegeben.

(scl/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • gloria derungs am 08.06.2018 07:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trump vs EU

    grosse worte von einen kleinen mann. davon lässt sich donald trump nicht beeidrucken und was er von angela merkel hält, wissen wir. wird spannend dieser G6 + 1 gipfel.

  • Ch-er am 08.06.2018 07:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rahmenvertrag

    Aber das Powerplay der EU mit uns geht voll in Ordnung, gäll!

    einklappen einklappen
  • Andi am 08.06.2018 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macron

    Er sollte erstmal im eigenen Land aufräumen und schauen dass es nicht zum Bürgerkrieg kommt bevor er andere kritisiert. Als ob die EU einen Stich hat gegen die USA, jetzt grosse Worte, passieren wird eh nichts.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • rn am 08.06.2018 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kritik

    Auf einmal ist Kritik an einem amerikanischen Präsidenten ganz ok - ein Schuft, wer dabei Böses denkt ...

  • Markus am 08.06.2018 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Minderwertigkeitskomlex

    Und der Gottkaiser von Frankreich glaubt er regiere ewig. Einer der mit 20% gewählt wurde, und auch nur um Le Pen zu verhindern.

  • Der Beste Mann der Welt am 08.06.2018 20:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hat er

    auch seine weisse fahne dabei?

  • Lokmo am 08.06.2018 20:57 Report Diesen Beitrag melden

    Dem ehemaligen

    Investmentbanker traue ich nicht über den Weg. Macron tauchte plötzlich aus der Versenkung auf. Wurde von der EU eingefädelt.

  • ENU am 08.06.2018 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bodigen

    Wenn die sechs Grossen den einen Grossen nicht bodigen mögen wäre das eine Schande für die Welt.