Giftanschlag in Grossbritannien

13. März 2018 00:42; Akt: 13.03.2018 17:25 Print

Moskau und London auf Konfrontationskurs

Der russische Ex-Spion Sergej Skripal ist durch eine Substanz aus der ehemaligen Sowjetunion vergiftet worden. Theresa May stellt Russland ein Ultimatum.

Beschuldigt Moskau: Die britische Premierministerin Theresa May. (Video: Tamedia/AFP)
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Für das Attentat auf den russischen Ex-Doppelagenten ist nach Angaben der britischen Premierministerin Theresa May «höchstwahrscheinlich» Russland verantwortlich. Das habe eine Analyse des verwendeten Gifts ergeben, berichtete die Regierungschefin am Montag im Parlament in London.

Es handelt sich den Angaben zufolge um den Nervenkampfstoff aus der Nowitschok-Serie: Die früher in der Sowjetunion produzierte Substanz, die in etwa 100 Varianten vorkommt, zählt zu den gefährlichsten Nervengiften überhaupt.

Neue Spur bei Giftanschlag auf russischen Ex-Spion

Es gebe nur zwei mögliche Erklärungen für das Attentat: Entweder habe Moskau den Anschlag direkt ausgeführt oder die russische Regierung habe die Kontrolle über das Nervengift verloren und es sei in andere Hände gelangt, sagte May.

Frist bis Dienstagabend

London gab Moskau eine Frist bis Dienstagabend. Bis dahin müsse sich Russland gegenüber der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) erklären. Russland müsse umgehend zur Aufklärung beitragen. Der russische Botschafter in London sei bereits in das Aussenministerium einbestellt worden, sagte May.

Beobachter hielten es für möglich, dass Grossbritannien nach Ablauf des Ultimatums Strafmassnahmen gegen Russland verhängt. Nach Informationen der «Times» bereitet die britische Regierung Sanktionen gegen Russland vor. Sie habe unter anderem die Ausweisung von Diplomaten und die Annullierung von Visa von Russen mit Verbindungen zum Kreml geprüft.

Wenige Stunden vor ihrem Auftritt im Parlament hatte May eine Krisensitzung des Nationalen Sicherheitsrats einberufen. Daran nahmen Vertreter aus Politik, der Geheimdienste und Streitkräfte teil.

Eine «Zirkusnummer»

Das Verhältnis zwischen London und Moskau dürfte sich damit weiter verschlechtern. Moskau hat jegliche Beteiligung an dem Attentat abgestritten und London antirussische Propaganda vorgeworfen.

Das russische Aussenministerium sprach von einer «Zirkusnummer» im britischen Parlament. «Der Schluss ist klar – es ist eine reguläre informationspolitische Kampagne, basierend auf Provokationen», wurde Aussenamtssprecherin Maria Sacharowa von der Agentur Tass zitiert.

«Unbewiesen und provokant» nannte Leonid Sluzki, Vorsitzender des Duma-Komitees für internationale Angelegenheiten, die Vorwürfe aus Grossbritannien. «Die Position Londons bei der Ermittlung nach der Vergiftung Skripals spiegelt die jüngsten westlichen Trends: keine Beweise, aber für alles ist Russland schuldig.» Als Grund für das Verhalten Londons wollte Sluzki nach russischen Medienberichten eine mögliche Beeinflussung der Präsidentenwahl nicht ausschliessen.

Bewusstlos auf Parkbank

Der frühere Spion Skripal und seine Tochter Yulia waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie befinden sich weiterhin in einem kritischen Zustand. Insgesamt mussten 21 Menschen im Spital behandelt werden, darunter auch ein Polizist. Er ist bei Bewusstsein und ansprechbar.

May zeigte sich besonders empört darüber, dass der Einsatz von Nervengas das Leben vieler Menschen in ihrem Land gefährdet habe. Es habe sich «nicht nur um einen Anschlag auf die Skripals gehandelt», sagte sie im Parlament. «Es war ein willkürlicher und schamloser Angriff auf das Vereinigte Königreich».

Russische Agenten an Briten verraten

Skripal hatte Dutzende russische Agenten an den britischen Geheimdienst verraten, bevor er 2004 im Moskau inhaftiert wurde. 2006 wurde er zu 13 Jahren Haft verurteilt. 2010 fand er dann in Grossbritannien Zuflucht, nachdem er im Austausch gegen russische Spione auf freien Fuss kam. Aus US-Geheimdienstkreisen hiess es zuletzt, die Hauptannahme der Ermittler sei, dass das Nervengift von russischer Seite eingesetzt worden sei, um Skripal für seinen Verrat als russisch-britischer Doppelagent zu bestrafen.

Im staatlichen russischen Fernsehen hiess es am Sonntag indes, die Briten könnten Skripal selbst vergiftet haben, um die Fussball-Weltmeisterschaft in diesem Sommer zu stören, deren Gastgeber Russland ist.

(oli/chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Logisch oder? am 12.03.2018 23:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wohl kaum vom FSB angeortnet

    Warum sollte Russland so blöd sein und ein Gift verwenden das angeblich aus Russland kommt? Wenn man einer Person so ein "exotisches" Gift geben kann, kann man die Person auch mit einem "normalen" Gift töten, Arsen, Blausäure etc. Wobei Russland... es ist ein Gift das in der Sowietunion hergestellt wurde, daher kann das zeugs ja genausogut aus der Ukraine, Georgien Littauen, Lettland, Estland,.. kommen.

    einklappen einklappen
  • Misicka am 13.03.2018 05:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Russland, Russland und wieder mal Russland

    Ganz klare Antirussische Propaganda... Als Doppelagent würde er schon früher aus der Erde verschwinden. Scheinbar hat jemand eine grosse Interesse an einem internationalen Konflikt.

  • Mich_ael am 12.03.2018 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich?

    Wo liegt der Sinn, einen Agenten umzubringen, welcher seit Jahrzehnten nicht mehr in Russland spionieren kann? Und falls Russland dies wirklich müsste, wiedo nehmen sie genau ein Nervengift, welches mit der Sovjetunion in Verbindung gebracht werden könnte? Ich gehe einmal davon aus, dass dies reiner Zufall ist...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Simu am 13.03.2018 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich

    RU sollte eher mal was unternehmen, damit ihre Wirtschaft global konkurrenzfähiger wird und das Land auf diese Weise weltweit respektiert und geschätzt wird. Mit Waffen und Vodka ist man da noch weit davon entfernt. Ständig gekränktes Selbstwertgefühl und Nationalstolz und diese ewige Opferrolle, das ist nur noch peinlich. Und jetzt Daumen runter ...

  • Annebäbi Jowäger am 13.03.2018 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Russland ist an allem schuld

    Der Doppelagent wurde 6km von einem der wichtigsten Bio-Chemiewaffenlabore der Briten gefunden!

  • :) am 13.03.2018 12:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wäre ja ganz was neues

    Stellt euch mal vor ein Polizist ermittelt in einem Mordfall... Die Waffe des Täters war eine russische AK47. Demzufolge kann der Täter ja nur ein Russe sein.... Macht Sinn...

  • Maler50 am 13.03.2018 10:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Objektivität

    Es ist meinerseits schon erstaunlich y bedenklich wie auch einige Kommentare per se Russland als Opfer der Westlichen Welt darstellen! Klar,die Engländer y die Amis sollten mehr vorlegen an Beweisen als bis anhin.Klar sollte auch sein dass alle 3Länder keine Unschuldslämmer sind oder je waren! Mehr Objektivität Ware von allen angebracht!

  • Propagandaminister am 13.03.2018 10:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Goebbels

    Goebbels hätte Freude:" eine Lüge kann noch so abwägig sein, wird sie nur oft genug wiederholt, werden die Menschen sie glauben"