Messerattacke mit 2 Toten

19. August 2017 19:16; Akt: 19.08.2017 22:11 Print

Angreifer von Turku ging gezielt auf Frauen los

Die Polizei stuft Terror als Motiv für die Messerattacke in der finnischen Stadt Turku ein. Der 18-jährige Angreifer habe seine Opfer nicht wahllos ausgesucht.

«Terroristischer Vorsatz»: Messerangriff in Finnland (Video: Tamedia/AFP)
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Nach dem Messerangriff eines Marokkaners im finnischen Turku hat die Polizei weitere vier Verdächtige aus dem nordafrikanischen Land festgenommen. Sie stehen laut den Behörden vom Samstag möglicherweise in Verbindung mit der Attacke auf Passanten, bei der zwei Menschen getötet und acht verletzt wurden. Der Vorfall wurde offiziell als terroristischer Anschlag eingestuft.

Messerattacke in Turku

Die Rolle der Festgenommenen werde noch untersucht, sagte Kommissar Markus Laine. Sie hätten zwar Verbindungen zu dem Hauptverdächtigen. Es stehe aber nicht fest, dass sie mit der Messerattacke in Verbindung stünden.

Es werde wegen Mordes und versuchten Mordes «mit terroristischer Absicht» ermittelt, erklärte die Polizei. Auch mögliche Verbindungen zur Dschihadistenmiliz IS würden untersucht. Ministerpräsident Juha Sipilä erklärte, sollte sich der Terrorverdacht bestätigen, wäre es das erste Mal in Finnland. «Wir hatten es schon befürchtet: Wir sind keine Insel mehr.» Finnland sei aber immer noch «eines der sichersten Länder der Erde».

Seit rund einem Jahr im Land

Der Attentäter hatte am Freitag im Stadtzentrum Turkus Menschen niedergestochen. Laut Polizei hatte der 18-Jährige offenbar gezielt Frauen angegriffen. Die beiden Getöteten und sechs Verletzten seien Frauen.

Die Polizei schoss ihm während des Angriffs ins Bein und nahm ihn fest. Zwei Personen starben, vier der Verletzten waren am Samstag in Spitälern in stationärer Behandlung, drei von ihnen lagen auf der Intensivstation. Der Attentäter sei 2016 nach Finnland gekommen, so die Polizei. Der finnische Sender MTV berichtete, der Asylantrag des 18-Jährigen sei abgelehnt worden.

Landesweit wurden als Reaktion auf den Angriff die Sicherheitsmassnahmen hochgefahren, darunter am Flughafen der Hauptstadt Helsinki und an Bahnhöfen. Der Geheimdienst SIS hob die Sicherheitsstufe von «niedrig» auf «erhöht» an. Im ganzen Land wurden die Flaggen vor staatlichen Gebäuden auf halbmast gesetzt. Für Sonntagvormittag war eine Schweigeminute geplant.

Turku liegt etwa 170 Kilometer westlich von Helsinki an der Südwestküste Finnlands. Knapp 200'000 Menschen leben in der Stadt. Erst am Donnerstag hatten mutmassliche, teils aus Marokko stammende Islamisten in Spanien 14 Menschen getötet.

Islamische Gemeinden solidarisch

Nach Medienberichten gab es eine Razzia in einer Wohnung im Turkuer Viertel Varissuo, wo viele Immigranten wohnen. Die Vorsitzenden der irakischen und syrischen Gemeinden in Turku riefen zu Solidaritätskundgebungen mit den Opfern auf. Allerdings gaben sie wegen Sicherheitsbedenken diese Pläne später auf. In Helsinki wollten Gegner der Immigration demonstrieren.

«Terroristen wollen die Menschen aufeinander hetzen. Wir werden das nicht zulassen. Die finnische Gesellschaft wird nicht durch Furcht oder Hass besiegt», twitterte Innenministerin Paula Risikko.

Zusammenhang mit Barcelona?

An den Ermittlungen beteiligt waren auch der finnische Geheimdienst und Europol. Die Polizeibehörde der Europäischen Union prüfe, ob es möglicherweise einen Zusammenhang mit den Anschlägen in Spanien gebe, erklärte die Polizei. Auch dort stammten mehrere Verdächtige aus Marokko.

Drei der Verletzten wurden noch auf der Intensivstation behandelt, vier weitere waren ebenfalls noch im Krankenhaus. Die Opfer waren zwischen 15 und 67 Jahre alt.

Turku liegt im Südwesten Finnlands, etwa 170 Kilometer von der Hauptstadt Helsinki entfernt. Die Flaggen in der Stadt wehten am Samstag auf halbmast, am Tatort wurden Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet. «Wir müssen jetzt zusammenstehen, Hass darf nicht mit Hass beantwortet werden» erklärte Ministerpräsident Juha Sipilä.

«Ein Typ mit einem riesigen Messer»

Ein Augenzeuge sagte dem schwedischen Rundfunksender SVT, er habe am Freitag gerade sein Büro verlassen, als er plötzlich Schreie hörte und Menschen auf sich zurennen sah. «Ich sah einen Typen mit einem riesigen Messer auf eine Frau und einen Mann einstechen.» Die Universitätsklinik teilte mit, eines der Opfer sei im Spital gestorben.

Ein Schweizer Feriengast erklärte gegenüber 20 Minuten am Freitag, dass es in der Innenstadt hektisch zu und her gehe. Die Polizei würde mit Maschinenpistolen bewaffnet patrouillieren und Kontrollen durchführen, drei Einkaufszentren seien vorübergehend geschlossen worden. Die Beamten würden auch noch nach weiteren Tätern suchen. Augenzeugen berichteten gegenüber der AFP, sie hätten Menschen am Boden liegen gesehen.

(mch/chi/fal/sda/dapd/afp)