Israel

05. Juni 2018 21:17; Akt: 05.06.2018 21:45 Print

Minister fordert Tötung von Drachen-Angreifern

Palästinenser lassen seit Wochen Drachen mit Brandsätzen aus Gaza nach Israel fliegen. Ein israelischer Minister fordert ein hartes Vorgehen.

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Ein israelischer Minister hat gezielte Tötungen jener Palästinenser gefordert, die seit Wochen Drachen mit brennenden Stofffetzen vom Gazastreifen nach Israel lenken. «Ich erwarte von der israelischen Armee, auf die Drachenlenker genauso zu reagieren wie auf jeden anderen Terroristen».

Das sagte der Minister für öffentliche Sicherheit, Gilad Erdan, am Dienstag. «Die gezielten Tötungen durch die israelische Armee müssen für Drachenlenker passieren.»
In den vergangenen Wochen hatten Palästinenser als Teil von Massenprotesten rund 600 Drachen mit brennenden Materialien von Gaza nach Israel gelenkt. 400 davon habe Israel abfangen können, teilte das israelische Verteidigungsministerium mit.


Die anderen hätten rund 200 Feuer ausgelöst, durch die neun Quadratkilometer landwirtschaftliche Fläche und Wald verbrannt seien. Nach Medienberichten beträgt der Schaden mittlerweile umgerechnet rund 1,2 Millionen Euro.

Fahrzeugkonvoi zur Gaza-Grenze

Dutzende Palästinenser auf Motorrädern und mit Autos erinnerten indes mit einem Protestzug im Gazastreifen an den 51. Jahrestag der israelischen Eroberung der Palästinensergebiete und Ost-Jerusalems. Der Zug startete gegen Mittag in Gaza und fuhr zur Nordgrenze des Küstengebietes.

Am 5. Juni 1967 hatte der Sechstagekrieg begonnen, in dem Israel unter anderem den Ostteil Jerusalems, das Westjordanland und den Gazastreifen eroberte.
Die radikalislamische Hamas hatte ursprünglich für Dienstag erneut einen «Tag des Zorns» mit Massenprotesten angekündigt. Stattdessen solle es am Freitag den «Eine-Million-Marsch-für-Al-Kuds» (Jerusalem) geben, teilte das Nationale Komitee des «Marsches der Rückkehr» mit.

Rettungsassistentin erschossen

Nach der Tötung einer 21-jährigen palästinensischen Rettungsassistentin bei Protesten am Freitag an der Gaza-Grenze veröffentlichte das Militär das Ergebnis einer ersten Untersuchung. Es sei nicht gezielt auf die junge Frau geschossen worden, hiess es in einer Stellungnahme. Der Vorfall werde weiter untersucht.

Auch Organisationen der Vereinten Nationen hatten die Erschiessung der Palästinenserin scharf kritisiert. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministerium wurde sie durch scharfe Munition der israelischen Armee getötet.

Seit 30. März hatten Zehntausende Palästinenser an der Grenze zu Israel protestiert. Sie fordern ein Recht auf Rückkehr in das heutige Staatsgebiet Israels.
Dabei hatten sie auch der Vertreibung und Flucht Hunderttausender im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948 gedacht, vor 70 Jahren. Bei massiven Zusammenstössen mit der israelischen Armee töteten Soldaten mehr als 120 Palästinenser.

(hvw/sda)