Nervengift-Anschlag

14. März 2018 02:04; Akt: 14.03.2018 02:38 Print

Russland antwortet nicht auf Mays Ultimatum

Nach dem Giftanschlag auf einen Ex-Spion in Grossbritannien ist die Frist für eine Stellungnahme Moskaus abgelaufen.

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Rufen den EU-Botschafter aus Moskau zurück: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, die britische Premierministerin Theresa May und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. (23. März 2018) «Russland muss unverzüglich alle Fragen beantworten», fordern die EU-Aussenminister. (19. März 2018) «Die Massnahmen sind hart, aber die Briten haben sie verdient», sagte der Vize-Chef des Auswärtigen Ausschusses im russischen Senat. Damit meinte er die Ausweisung 23 britischer Diplomaten, die Schliessung der britischen Kultur- und Bildungsorganisation und des britischen Konsulats in St. Petersburg (Bild). (17. März 2018) Russland hat den britischen Botschafter Laurie Bristow einbestellt. Bristow verlässt das Aussenministerium in Moskau. (17. März 2018) Die Polizei eskortiert einen Transporter mit dem Auto von Sergei Skripal. (16. März 2018) Die Polizei in Grossbritannien hat nach dem Mord an Nikolai Gluschkow eine Reihe von Exil-Russen kontaktiert. Die Beamten rieten ihnen laut Medienberichten zur Vorsicht. (17. März 2018) (Archivbild) Für den britischen Aussenminister Boris Johnson ist es «äusserst wahrscheinlich», dass Wladimir Putin persönlich den Giftgas-Einsatz in Salisbury angeordnet hat. «Natürlich» werde man mit der Ausweisung britischer Diplomaten reagieren: Der russische Aussenminister Lawrow in einem Meeting in Moskau. (13. März 2018) Moskau liess ihr Ultimatum verstreichen: Die britische Premierministerin Theresa May. (7. März 2018) Spuren von Nervengift: Ein Polizist bewacht ein Pub in Salisbury. Spezialkräfte der britischen Armee verhüllen nach dem Giftanschlag einen Krankenwagen. Dazu tragen sie spezielle Schutzbekleidung. Die Polizei untersucht über 200 Beweisstücke. Hier werden die beiden Vergifteten behandelt: Spital von Salisbury. (Archivbild) Der britische Aussenminister Boris Johnson sprach von einem «beunruhigenden» Vorfall. Ein mutmassliches Bild der ebenfalls im Koma liegenden Julia Skripal. (6. März 2018) Ermittler in Schutzanzügen bei der Spurensicherung am Tatort in Salisbury. (6. März 2018) Augenmerk legten die Ermittler auch auf das Zizzi Restaurant, das neben dem Tatort liegt. Wurde geschlossen und untersucht: Die Pizzeria Zizzi in der Nähe, die mit dem Fall zu tun haben könnte. Überwachungskameras haben eine Frau und einen Mann festgehalten, die vor dem Vorfall in Richtung der Parkbank unterwegs waren. Der Ex-Spion Sergei Skripal wurde kurz vor dem Anschlag von einer Überwachungskamera gefilmt. Abgesperrter Tatort: Skripal wurde auf einer Parkbank vor einem Einkaufszentrum gefunden. Vorsichtsmassnahme: Die Polizei sperrte das Gebiet um den Tatort für die Öffentlichkeit ab. 2006 vor einem russischen Militärgericht: Sergei Skripal bespricht sich mit seiner Anwältin. Liudmila Skripal, die Frau des Ex-Spions, ist im London-Road-Friedhof in Salisbury begraben. (7. März 2018) Daneben befindet sich auch die Ruhestätte von Alexander Skripal, dem Sohn des angegriffenen Ex-Spions. Der russische Oligarch und Putin-Kritiker Boris Beresowski wurde im März 2013 tot auf dem Boden des Badezimmers seines Hauses in Südengland aufgefunden. (London, 31. August 2012) Der russische Atomphysiker Igor Sutjagin wurde wegen Spionage zu 15 Jahren Lagerhaft verurteilt, das Urteil wird von Menschenrechtlern kritisiert. Sutjagin war neben Skripal einer der vier Häftlinge des Gefangenenaustauschs von 2010. (Moskau, 7. April 2004) Ähnlicher Fall: Der ehemalige KGB- und MI6-Spion Alexander Litwinenko starb im November 2006, drei Wochen nachdem er in einem Hotel in London einen Eistee getrunken hatte, der mit grossen Mengen des radioaktiven Polonium-Isotops versetzt war. (London, 10. Mai 2002) Der bulgarische Schriftsteller und Dissident Georgi Markow starb im September 1978, vier Tage nachdem ihm mit einem mit Gift präparierten Schirm in die rechte Wade gestochen wurde. Der als «Regenschirmattentat» bekannt gewordene Anschlag geschah, als Markow auf der Waterloo Bridge in London auf den Bus wartete. (Undatiertes Archivbild)

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Russland hat die von der britischen Premierministerin Theresa May gesetzte Frist für eine Stellungnahme im Fall des Nervengift-Anschlags auf einen Ex-Spion in England verstreichen lassen. Aus Moskau blieb eine Antwort aus.

«Russland wird auf Londons Ultimatum nicht antworten, bis es Proben der chemischen Substanz erhält», sagte ein Sprecher der russischen Botschaft in London der Nachrichtenagentur Reuters in der Nacht zum Mittwoch. Russland sei in das Attentat nicht verwickelt. Sollte es Strafmassnahmen gegen Russland geben, werde darauf reagiert.

Die britische Premierministerin Theresa May will am Mittwochmorgen mit dem Nationalen Sicherheitsrat über das weitere Vorgehen beraten. Das berichtete die Nachrichtenagentur PA. Ein Sprecher des britischen Aussenministeriums lehnte eine Stellungnahme ab.

Nach dem Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal war das britische Ultimatum an Russland in der Nacht zu Mittwoch um 1 Uhr (MEZ) abgelaufen. Die britische Premierministerin Theresa May hatte Moskau am Montagabend aufgefordert, sich gegenüber der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) zu erklären. Ansonsten drohten Konsequenzen, die May aber nicht näher ausführte.

Cyberattacke als Vergeltung?

So bleibt unklar, welche Sanktionen Grossbritannien plant. May hatte bereits damit gedroht, keine Regierungsvertreter zur Fussball-Weltmeisterschaft nach Russland zu schicken. Britische Medien wie die «Times» halten eine Cyberattacke auf den Kreml für möglich. Eine andere Massnahme könnte die Ausweisung von Diplomaten sein. Auch finanzielle Massnahmen gegen Oligarchen, die Immobilien in London besitzen, seien denkbar.

Skripal und seine Tochter Yulia waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie befinden sich nach einer Vergiftung in einem kritischen Zustand im Spital.

Bei dem Attentat war das in der früheren Sowjetunion produzierte, extrem gefährliche Nervengift Nowitschok verwendet worden. May hatte am Montagabend erklärt, dass aller Wahrscheinlichkeit nach Russland hinter dem Anschlag stecke. Rückendeckung erhielt Grossbritannien aus Deutschland, Frankreich, den USA und von der Nato.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Karl am 14.03.2018 06:58 Report Diesen Beitrag melden

    Schande

    Ich zweifle ernsthaft an dem so viel gerühmten "Westen". Man muss kein Russlandfreund sein um zu erkennen, dass GB (und die unterstützenden Staaten) hier sich völlig fehl verhält/verhalten. Sanktionen gegen Russland anzudrohen oder gar durchzusetzen, obschon es keinen einzigen Beweis dessen Schuld gibt, ist wahrlich unter der Würde, des Westens. Ach warte mal, die Würde wurde in den letzten Jahrzehnten Stück für Stück kleiner, dank entsprechender Politiker... Und haben nicht selbst die Amis mal wo Raketen vermutet, Krieg angezettelt und dann doch nichts gefunden...???

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  • spieldeinspielkanake am 14.03.2018 03:09 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist daran unverständlich?

    «Russland wird auf Londons Ultimatum nicht antworten, bis es Proben der chemischen Substanz erhält»

  • Tony Blair am 14.03.2018 07:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Marionetten

    Sie haben doch geantwortet: "Wir haben nichts damit zu tun". Ist halt nicht die Antwort, die man jetzt wollte. ... ach und Beweise hatte der Blair für Atomwaffen im Irak auch..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Luiss Rodriqez am 14.03.2018 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brieten sind versteckte kriegtreibet

    90% der Kriege die auf diesem Planeten hergeht Briten haben Finger im Spiel

  • M. Luther am 14.03.2018 18:06 Report Diesen Beitrag melden

    England

    das Schosshündchen der USA. Es sind die gleichen Familien der Hochfinanz, die in beiden Ländern das Sagen haben. Und genau die sind das Problem.

  • Junker am 14.03.2018 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    Telford Skandal

    Madame May will doch vom Telford-Skandal ablenken. Nachlesen was da passiert ist Leute. Wir haben überall Kriminelle in den Regierungen sitzen. Der Mi6 hat den Doppelagenten vergiftet, damit der Telford-Skandal nicht in die Medien kommt.

  • Gibt's denn sowas am 14.03.2018 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Zufall jagt den anderen

    Verbindung zu Richard Steele und dem Trump Dossier, 10km entfernt ein Bio-Waffenlabor der Briten. Dort gibt's von CS-Gas bis VX alles im Selbstbedienungsladen des MI6.

  • Motiv = Mörder am 14.03.2018 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Und schon wieder Zufall

    Der ermordete Doppelagent hatte enge Verbindungen zu Richard Steel und dem Trump-Dossier, welches sich gerade pulverisiert.