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Er bleibt stur
26. November 2012 21:11; Akt: 26.11.2012 21:40 Print
Mursi lenkt im Streit um Dekrete nicht ein
Ägyptens Präsident Mohammed Mursi spürt den Zorn seines Volkes. Trotzdem ist er nicht bereit, eine «Änderung» der erlassenen Verfassungserklärung vorzunehmen.
Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi hält ungeachtet der Proteste an seinen umstrittenen Dekreten fest, mit denen er sich vergangene Woche effektiv der Kontrolle durch die Justiz entzog. Er habe mit dem Erlass der Dekrete seine Befugnisse nicht überschritten, bekräftigte der Staatschef nach Angaben seines Sprechers am Montag bei einem Treffen mit dem Obersten Richterrat des Landes. Mursi habe den Richtern versichert, dass die Verfügungen die Justiz in keiner Weise «beeinträchtigen», sagte der Sprecher Jasser Ali.
Bildstrecken Neue Krawalle in den Strassen von KairoZuvor wollte der Oberste Richterrat Mursi davon überzeugen, zumindest bei folgenschweren Entscheidungen wie Kriegserklärungen, dem Abbruch diplomatischer Beziehung mit einem anderen Land und der Verhängung des Kriegsrechts seine nahezu uneingeschränkte Macht zu begrenzen.
Mursis Justizminister Mekki schlug eine «Änderung» der am Donnerstag erlassenen Verfassungserklärung in dem Sinne vor, dass nur die Fragen, welche die «souveränen Rechte des Präsidenten» betreffen, nicht aber seine Entscheidungen in Verwaltungsfragen von der Überprüfung und der Aufhebung durch die Justiz ausgenommen sind.
Mursi hatte am Donnerstag per Dekret verfügt, dass seine Anordnungen rechtlich nicht mehr anfechtbar sind. Kritiker sehen darin eine totale Entmachtung des Justizsystems. Die ägyptische Justiz hatte Mursis Dekrete als «beispiellosen Angriff» auf die Unabhängigkeit der Gerichte verurteilt.
Politisches Chaos droht
Das Land droht nach der Ausweitung der Machtbefugnisse von Mursi ins politische Chaos zu stürzen. Strassenschlachten zwischen den Gegnern und Anhängern des islamistischen Staatschefs setzten sich fort, nachdem am Sonntag ein Jugendlicher ums Leben gekommen war.
Der 15-Jährige wurde getötet, als Demonstranten in der Stadt Damanhur ein Gebäude der islamischen Muslimbruderschaft angriffen und sich Strassenschlachten mit der Polizei lieferten.
Am Kairoer Tahrir-Platz kam es zu Zusammenstössen zwischen Gegnern Mursis und der Polizei. Hunderte Demonstranten harrten dort bei einem Sitzstreik aus und weigerten sich zu gehen, bevor Mursi seine Dekrete nicht zurückgenommen habe. In den vergangenen Tagen wurden nach Angaben des ägyptischen Innenministeriums hunderte Demonstranten und Polizisten verletzt.
Protestmarsch verschoben
Die ägyptische Muslim-Bruderschaft hat einen für morgen (Dienstag) geplanten Protestmarsch in Kairo verschoben. Damit sollten Gewalt und Blutvergiessen verhindert werden, sagte ein Vertreter der Organisation am Montagabend.
Auch die Nur-Partei, die einen noch strengeren islamischen Kurs vertritt, will einem Sprecher zufolge nicht auf die Strasse gehen. Für Dienstag hatten sowohl Anhänger als auch Kritiker der Bruderschaft und von Präsident Mohammed Mursi zu Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz aufgerufen.
El Baradei fordert Rückzug
Der Oppositionelle Mohamed El Baradei forderte am Montag in einem Interview mit der unabhängigen Zeitung «Al-Masri al-Jum» «schlicht und einfach» den Rückzug der Verfassungserklärung. Mursi sei dabei, eine neue Diktatur aufzubauen, sagte El Baradei.
Er warnte davor, dass die Armee wie bereits nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Hosni Mubarak im Februar 2011 intervenieren könnte, um «das Chaos zu verhindern und das Vaterland zu schützen».
Mursi betonte am Sonntag, dass seine Vollmachten nur bis zum Inkrafttreten der neuen Verfassung und der Wahl eines neuen Parlaments gelten würden. Die Verfassungserklärung sei notwendig gewesen, um das Ende zweier «demokratisch gewählter Institutionen» zu verhindern, sagte Mursi mit Blick auf Oberhaus und Verfassungsversammlung.
Er rief alle Kräfte zu einem «demokratischen Dialog» auf, um einen «nationalen Konsens» zur Verfassung zu finden.
(sda/dapd)

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