«Fedex hat Paket geliefert»

22. November 2012 11:56; Akt: 22.11.2012 14:12 Print

Neue Details zu Bin Ladens Bestattung enthüllt

Auszüge aus E-Mails geben erstmals Einblicke in das letzte Geleit des einst meistgesuchten Mannes der Welt. Sie verraten: Topterrorist Osama Bin Laden war ein «Fedex-Paket».

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Der Führer des Terrornetzwerks Al Kaida wurde am 2. Mai 2011 von einer US-Sondereinheit in Pakistan erschossen. Bin Laden wurde in weniger als 100 Kilometer von Islamabad entfernt, aufgespürt und liquidiert. Einwohner von Abbottabad berichten, dass sich die Feuergefechte in diesem Anwesen zugetragen haben sollen. Bereits wenige Stunden nach seinem Tod wird - und zwar auf hoher See. Die USA wollen so verhindern, dass sein Grab eine Pilgerstätte wird. US-Präsident Barack Obama liess es sich nicht nehmen, In den frühen Morgenstunden des 2. Mai 2011 (Schweizer Zeit) trat er in Washington D.C. vor die Medien. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer um den Globus. In den USA - wie hier - versammeln sich die Menschen und feiern den Tod Bin Ladens. Auch in Washington D.C. wird gefeiert. finden sich Tausende ein und skandieren «USA! USA!». Auf das Konto von Bin Laden geht eine ganze Reihe von Terrorakten, allen voran der Am gleichen Tag erfolgte der Angriff auf das Bei beiden Anschlägen - im Bild der Ground Zero in New York - fanden fast 3000 Menschen den Tod. Doch der Terror der Al Kaida beginnt nicht erst mit 9/11: Am ... und in der Hauptstadt Tansanias. Mindestens 224 Menschen sterben. Der Angriff auf den im jemenitischen Aden mit 17 Toten wird ebenfalls Al Kaida zugeschrieben. Auch nach den Anschlägen von New York schlug Al Kaida immer wieder zu, etwa am 191 Menschen fanden den Tod. Am Vier Selbstmordattentäter zünden in drei U-Bahn-Zügen und einem Bus Bomben. 56 Menschen starben. Nach dem 11. September 2001 wird Osama Bin Laden in den USA und vielen Ländern des Westens zum Noch im selben Herbst um die dortigen Al-Kaida-Ausbildungscamps zu zerstören und die regierenden fundamentalislamischen Taliban zu vertreiben. In auf Kuba errichten die USA ein Gefangenenlager für mutmassliche Al-Kaida-Kämpfer, das ausserhalb jeder Rechtsordnung geführt wird und deswegen in den folgenden Jahren im In- und Ausland immer wieder unter Beschuss gerät. Im Dezember 2001 erobern die Alliierten die Al-Kaida-Basis in Um ein Haar wäre ihnen dabei Osama Bin Laden in die Hände gefallen. Doch er kann sich nach Pakistan absetzen. Der Al-Kaida-Führer sollte für fast zehn Jahre der bleiben. Er kann sich dem Zugriff der US-Truppen und -Geheimdienste immer wieder entziehen. Am 20. Juni 2005 sagt CIA-Chef Porter Gos gegenüber dem Magazin «Time», er wisse, wo Bin Laden stecke. Geschnappt wird der Terrorfürst dennoch nicht. Auf Hinweise zum Verbleib des Al-Kaida-Führers setzt der US-Senat im Juli 2007 ein aus. Mehrmals meldet sich der Terrorfürst per so etwa am 7. September 2007. Er erwähnt darin unter anderem den damals frisch gewählten französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, um die Aktualität des Videos zu beweisen. Nach Bin Ladens Tod steigt die langjährige zum neuen Führer der Al Kaida auf, ... ... – und damit zum meistgesuchten Terroristen der Welt.

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Am 1. Mai 2011 wurde Topterrorist Osama Bin Laden von einer US-amerikanischen Spezialeinheit in seinem Versteck in Abottabad, Pakistan, getötet. Gemäss islamischen Gesetzes wurde der Leichnam Bin Ladens innert 24 Stunden auf hoher See bestattet. Jetzt hat die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf den Freedom of Information Act (FOIA) E-Mails über das geheime Begräbnis auf dem Flugzeugträger «USS Carl Vinson» angefordert.

Das Pentagon hat diese Mails der AP gestern zur Verfügung gestellt. Obwohl viele Stellen eingeschwärzt sind, geben die Schriftstücke erstmals öffentlich Details zu Bin Ladens letztem Geleit preis.

Ein erstes Mail, mit Geheimstempel versehen und am 2. Mai von Bord des Flugzeugträgers «USS Carl Vinson» an Navy-Offizier Charles Gaouette geschickt, beschreibt das genaue Prozedere der Bestattungszeremonie: Bin Ladens Körper sei gewaschen, in ein weisses Leinentuch gehüllt und schliesslich in einen mit Gewichten versehenen Sack gelegt worden.

«Danach las ein Militärangehöriger die vorbereiteten religiösen Texte, die von einem Dolmetscher auf Arabisch übersetzt wurden. Nachdem dieser Teil der Zeremonie abgeschlossen war, wurde der Körper auf ein vorbereitetes Brett gelegt. Dieses wurde gekippt und die Leiche rutschte in die See.»

«Fedex hat Paket geliefert»

Das Mail gibt auch einen Einblick in die getroffenen Geheimhaltungsvorkehrungen rund um die Bestattung des Erzfeindes der USA: «Der Mangel an Dokumenten zeigt, wie viel Wert in dieser Phase der Operation auf die Sicherheit des Dienstbetriebs gelegt wurde», heisst es entsprechend in dem Mail. Obwohl hunderte von Navy-Angehörigen auf dem Flugzeugträger stationiert waren, wussten lediglich eine Handvoll Leute von der Zeremonie.

Nachdem die Operation «Neputune's Spear», die Tötung Bin Ladens, in Abbottabad erfolgreich über die Bühne gegangen war, unterhielten sich die wenigen Eingeweihten via Codes folgendermassen über den weiteren Verlauf. «Gibt es zum Paket Nachrichten für uns?», fragte Navy-Offizier Gaouette den Admiral Samuel Perez, Befehlshaber auf dem Flugzeugträger «USS Carl Vinson».

«Fedex hat das Paket geliefert», antwortete dieser. «Beide Lastwagen sind sicher auf dem Weg zur Heimbasis.» Unschwer zu erraten: Bin Ladens Leiche war «das Paket», die Helikopter der Navy Seals waren die Trucks des Paketzulieferdienstes «Fedex».

Pentagon findet Fotos nicht

Der Aufforderung der Nachrichtenagentur, auch Fotos oder Videos der Bestattung offenzulegen, kam das Verteidigungsministerium nicht nach. Die Behörde gibt an, dass sie keine Fotos von Bin Ladens Leiche auf dem Flugzeugträger finden könne. Ebenso unauffindbar sind gemäss Pentagon Todesurkunde, Autopsiebericht oder Resultate der vor der Bestattung angefertigten DNA-Analyse.

Zudem weigere sich das Verteidigungsministerium, Logbücher der eingesetzten Hubschrauber oder irgendwelche anderen Berichte herauszugeben, wie die AP weiter mitteilt.

Geringe Erfolgsaussicht

Die AP will jetzt gegen die Weigerung des Pentagons, Dokumente herauszugeben, juristisch vorgehen. Die Erfolgsaussichten sind gering. Immerhin unterstehen die Aktionen des Auslandsgeheimdienstes CIA, unter dessen Führung auch die Operation gegen Bin Laden geführt wurde, zu grossen Teilen nicht dem Freedom of Information Act.

(gux)