Vom Spitalbett aus

28. November 2012 22:24; Akt: 28.11.2012 22:28 Print

New Yorker Nanny plädiert auf «nicht schuldig»

Die Nanny, die die zwei Kinder ihres Arbeitsgebers erstach, plädierte vor Gericht auf «nicht schuldig». Für die zehnminütige Anhörung zog der Richter sogar ein Krankenhausgewändli an.

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Yoselin Ortega bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt vor dem New Yorker Gericht. Nachdem sie sich nach der tat selbst verletzt hatte, plädierte die 50-jährige Nanny von ihrem Krankenhausbett aus auf «nicht schuldig». Die New Yorker Staatsanwaltschaft sieht das anders: Ihr zufolge hat Ortega den zweijährigen Leo und die sechsjährige Lucia getötet. Die Mutter der Kinder, Marina Krim, kam Medienberichten zufolge nach Hause und sah, wie Ortega sich selbst in den Hals stach. In der Badewanne lagen die erstochenen Kinder. Yoselyn Ortega in der Dominikanischen Republik irgendwann zwischen 1985 und 1990. Der zweijährige Leo war der absolute Liebling seiner Mutter. Auf ihrem Blog schrieb Marina Krim: «Die beste Zeit meines Tages: Wenn ich die Mädchen in der Schule absetze und drei Stunden mit dem kleinen Leo ganz für mich alleine habe. Ich bete diesen Buben an!» Mutter Marina Krim liess ihre Tochter Lucia zusammen mit Brüderchen Leo in der Obhut der Nanny. Das kostete beide Kinder das Leben. Von den drei Kindern lebt nur noch die dreijährige Nessie (l.). Sie war im Schwimmunterricht, als ihre Geschwister Lucia (M) und Leo (r.) ermordet wurden. Die drei Krim-Kinder: Nessie (3), Leo (2) und Lucia (6). Die Nachbarn der Krims sind schockiert, traurig und fassungslos. Reporter besuchen das Appartement, in dem das Verbrechen geschah. Ein Opfer, wahrscheinlich Nanny Ortega, wird ins Spital gebracht. Die Trauer ist riesig. Vor dem Wohnhaus in Upper West Side versammeln sich Menschen, um der Familie Krim ihre Anteilnahme zu zeigen.

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Die Anhörung von Yoselyn Ortega fand in einem Krankenhaus statt. Das ganze Gericht, vom Richter über den Staatsanwalt bis zur Gerichtsschreiberin, trug ein Krankenhauskittel.

Denn die angeklagte Ortega kann das Spitalbett noch nicht verlassen, kann auch noch kaum reden, nachdem sie sich am 25. Oktober mit einem Messer mehrmals selbst in den Hals gestochen hatte. Zuvor hatte sie die sechsjährige Lucia und den zweijährigen Leo erstochen, während Mutter Marina Krim mit ihrer dreijährigen Tochter ausser Haus war.

Der Staatsanwalt vom Fall DSK

Das Gericht war im Spital zusammengekommen, nachdem der New Yorker Staatsanwalt Cyrus Vance Jr. – er hatte in der leidigen Zimmermädchen-Sex-Affäre auch gegen den ehemaligen IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn Anklage erhoben – seine Anklageschrift aufgesetzt hatte: Ortega wird darin des zweifachen Mordes angeklagt.

«Dieses Verbrechen schockierte Eltern in der ganzen Stadt. Viele von ihnen vertrauen ihre Kinder der Obhut anderer an, weil sie dies müssen oder es wollen», hiess es darin. «Mein Mitgefühl geht an die Familie dieser wunderschönen Kinder, und ich hoffe, dass sie mit der Zeit über ihren Verlust hinwegkommen kann.»

Im Spital plädierte Ortega über ihre Verteidigerin Valerie Leer-Greenberg auf «nicht schuldig». Die Anwältin fügte an, dass die Angeklagte noch unter starkem Einfluss von Medikamenten stehe und auch weiterhin auf ärztliche Behandlung angewiesen sei. Obwohl Ortega noch immer einen Beatmungsschlauch trug, atmete sie selbstständig. Ihre selbstzugefügten Wunden waren nicht zu sehen. Während der Anhörung sagte sie kein Wort.

Psychiatrische Untersuchung angeordnet

Richter Lewis Bart Stone ordente im Anschluss an die Anhörung an, dass Ortega ohne eine Möglichkeit auf eine Kaution im Spital zu bleiben habe und sich einer psychiatrischen Untersuchung unterziehen müsse.

Das Motiv Ortegas ist noch unklar, auch wenn sich gewisse Erklärungsansätze abzeichnen. So litt die 50-Jährige unter grossen Geldsorgen. Ihre Arbeitgeber, die Familie Krim, wurde zunehmend unzufriedener mit der Arbeit der Nanny, versuchte der Frau aber zu helfen, indem sie sie mit zusätzlichen Putzarbeiten beauftragte. Nach ihrer Tat soll Ortega bei einem kurzen Polizeiverhör gesagt haben: «Ich bin dafür bezahlt, dass ich mich um die Kinder kümmere, nicht dafür, dass ich putze und den Haushalt mache.»