Winterspiele in Pyeongchang

09. Februar 2018 20:54; Akt: 09.02.2018 20:54 Print

Werden Nordkoreas Athleten dauerüberwacht?

22 Athleten kämpfen ab Freitag um Medaillen für Nordkorea: Wer sind sie? Droht ihnen bei Versagen Haft? Und dürfen sie sich im Ausland frei bewegen?

Bildstrecke im Grossformat »
Nordkoreas Eiskunstlauf-Paar Kim Ju-sik (r.) und Ryom Tae-ok während des Trainings in der Woche vor Olympia-Start in Gangneung, Südkorea. (6. Februar 2018) Von den 22 nordkoreanischen Athleten haben sich die beiden als einzige regulär für die Winterspiele qualifiziert. Bevor sie überhaupt an internationalen Veranstaltungen teilnehmen, werden die Spitzensportler sorgfältig überprüft und auch während der Anlässe eng von regimetreuen Aufpassern überwacht. Im Bild Ryom und Kim mit zwei ihrer Coaches. Das Eishockeyteam der Südkoreanerinnen wird durch zwölf Kolleginnen aus dem Norden ergänzt. Jubelndes Publikum: Erst zum dritten Mal gibt es ein Team Korea, das unter einer Flagge startet Bei den Winterspiele mit dabei sind auch die 230 nordkoreanische Cheerleader: Die «Armee der Schönheiten», wie die Truppe auch genannt wird, besteht nur aus Frauen, die strengen Auswahlkriterien entsprochen haben. Entscheidend sind Regimetreue, Attraktivität und Alter. Strenge Background-Checks stellen sicher, dass sich in ihren Familien auf Jahrzehnte hinaus keine Überläufer oder sonstige «Landesverräter» finden. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und seine Schwester Kim Yo Jong: Die 30-Jährige gehört zur Delegation, die an die Winterspiele in den Süden reist. Noch nie war ein Mitglied der Kim-Familie in Südkorea. Kim Yon-nam leitet Nordkoreas Delegation an den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang. Der 90-Jährige ist Vorsitzender des Präsidiums der Obersten Volksversammlung und vertritt Nordkorea oft im Ausland. Einen Tag vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Südkorea hat Nordkorea eine Militärparade veranstaltet (8. Februar 2018). Das nordkoreanische Staatsfernsehen zeigte Machthaber Kim Jong Un, der zu Beginn gemeinsam mit seiner Ehefrau über den roten Teppich lief. Tausende Soldaten zogen danach vorbei. Praktisch alle ausländischen Medien waren von der Veranstaltung ausgeschlossen. Anlass der Parade war der 70. Jahrestag der Gründung der Streitkräfte.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Erst vor wenigen Wochen hat Nordkorea seine Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang verkündet. Seitdem wartet man gespannt auf den Auftritt der Athleten des isoliertesten Landes der Welt. Ein kurzer Überblick:

Wer tritt eigentlich für Nordkorea an?
An den Winterspielen nehmen 22 nordkoreanische Athleten in fünf Disziplinen teil. Nur zwei davon haben sich allerdings regulär dafür qualifiziert: Das Eiskunstlauf-Paar Kim Ju-sik (25) und Ryom Tae-ok (18) sicherte sich seinen Platz im September an einem Wettkampf im deutschen Oberstorf. An die anderen Sportler hat das Olympische Komitee Wildcards vergeben. Sie treten in Shorttrack, Langlauf und Ski alpin an, weiter ergänzen zwölf Eishockeyspielerinnen das Team Südkoreas.

Warum sendet Kim Athleten ins erklärte «Feindesland»?
Dass Nordkorea eine Delegation nach Pyeongchang schickt, werten viele Beobachter als Anzeichen für das Tauwetter zwischen den verfeindeten Ländern – aber auch als PR-Strategie von Machthaber Kim Jong-un, der damit die Aufmerksamkeit von seinem Atomprogramm und Menschenrechtsverletzungen ablenkt. «Durch die Teilnahme an diesen hochkarätigen Spielen wirkt Nordkorea viel empathischer», zitiert die «New York Times» Lee Sung-yoon, Professor für Koreastudien an der Fletcher School at Tufts University in Medford, Massachusetts.

Haben die Nordkoreaner Chancen auf Medaillen?
Den beiden Eiskunstläufern (Platz 15 der Weltrangliste) werden nur geringe Chancen auf eine Medaille eingeräumt. Die anderen Wintersportler tauchen nicht einmal in der erweiterten Liste der Weltspitze auf.

Wie behandelt das Regime seine Athleten zu Hause?
Spitzensportler zu werden sei für die Athleten wahrscheinlich eine Möglichkeit, sich und ihren Familien einen «annehmbaren Lebensstandard in Nordkorea zu sichern», sagt Christopher Green, Nordkorea-Experte in Seoul, der «Times». Der Fussballer An Yong-hak, der zwischen 2002 und 2012 für die nordkoreanische Nationalmannschaft spielte, sagte, wenn das Team in Pyongyang trainierte, habe es «immer Fleisch, Fisch, Reis, Suppe, Gemüse und viel zu essen gegeben». In einem Land, in dem Hunger zu leiden immer noch üblich ist, ist das ein Privileg.

Wer dem Regime Ruhm bringt, darf unter Umständen sogar mit Häusern und Autos als Belohnung rechnen.«Das ist allerdings selten und nur für Goldmedaillengewinner an grossen Veranstaltungen wie den Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften vorgesehen», so die ehemalige Eishockeyspielerin Hwangbo Young, die 1997 nach Südkorea übergelaufen ist.

Was passiert, wenn sie keine Medaillen nach Hause bringen?
Es gibt zahlreiche Gerüchte, dass nordkoreanische Athleten, die bei internationalen Wettkämpfen nicht die gewünschte Leistung erzielen, zurück im Land umgehend ins Arbeitslager gesteckt werden. Beweise dafür sind aber rar. Selbst nach schwachen Leistungen «sieht man ein halbes Jahr später dieselben Namen und Spieler bei der nächsten Qualifikation», sagt der Sportsoziologe Udo Merkel von der Universität in Brighton der «Times».

Offenbar blieb etwa der Goalie der Fussballnationalmannschaft auch nach dem 7:0 gegen Portugal an der WM 2010 trotz der Patzer Teil des Teams. Allerdings gibt es Berichte, wonach sich die Mannschaft zurück in Pyongyang während sechs Stunden einer öffentlichen Kritikveranstaltung habe stellen müssen.

Wie viel bekommen die Nordkoreaner von ihrem Gastgeberland mit?
Als das Eiskunstlauf-Paar Ryom und Kim vergangenen Sommer in Montreal (CA) trainierte, nahm die Frau ihres frankokanadischen Coachs die beiden mit auf Shoppingtour. Vor Ort scheinen die beiden nun aber streng von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Sie seien nach einem öffentlichen Training als einzige Athleten sofort aus der sogenannten Mixed-Zone verschwunden und hätten keine Fragen beantworten wollen, schreibt die «Bild». Im Gegensatz zu den anderen Sportlern reisen die Nordkoreaner auch nicht in den offiziellen Olympiabussen, sondern in einem neutralen Bus.

Vergleichsweise wohlhabend dürften die südkoreanischen Eishockeyspielerinnen auf ihre zwölf Kolleginnen aus dem Norden wirken. Eine Spielerin sagte, ihr sei bei dem gemeinsamen Training aufgefallen, dass keine der Nordkoreanerinnen ein Handy besitze.

Mindestens den nordkoreanischen Cheerleadern ist es unter Strafandrohung verboten, später über ihre Eindrücke von Südkorea zu sprechen. Das Regime von Pyongyang hat schon gezeigt, dass es das durchaus ernst meint. Nach einem Aufenthalt im südkoreanischen Incheon 2005 hatten nordkoreanische Cheerleader daheim vom «schönen Leben» in Südkorea erzählt. 21 von ihnen seien daraufhin in Arbeitslager gesteckt worden, schreibt der «Independent».

Sind nordkoreanische Athleten während Spielen je übergelaufen?
Während Olympischer Spiele haben sich noch nie nordkoreanische Athleten abgesetzt. Ein Sportler verschwand jedoch bei den Judo-Weltmeisterschaften 1991 in Spanien, und die Eishockeyspielerin Hwangbo Young flüchtete 1997 mit ihrer Familie via China nach Südkorea.

Bevor sie überhaupt an internationalen Veranstaltungen teilnehmen, werden die Spitzensportler sorgfältig überprüft und auch während der Anlässe eng von regimetreuen Aufpassern überwacht. Südkoreas Sicherheitspersonal hat ebenfalls ein wachsames Auge auf die Athleten, da die aktuelle Annäherung der beiden Koreas auf keinen Fall durch ein Überlaufen unterhöhlt werden soll.

So wohnen nicht einmal die Eishockeyspielerinnen im selben Gebäude wie ihre südkoreanischen Teamkolleginnen. Darüber hinaus gehören die Athleten und deren Familien aus dem Norden zu den «Loyalsten und werden vom Regime sehr gut behandelt», so Benjamin Young, Doktorand an der George Washington University und Kenner des nordkoreanischen Sportprogramms, zur «New York Times».

(kko)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Waterpolo1s am 09.02.2018 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    .... zu 100% ! :-((

    ... aber mit 100%iger Garantie werden sie überwacht! :-((

    einklappen einklappen
  • Maler50 am 09.02.2018 21:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klar wird

    Es ist wie damals in den Ostblockländern,klar werden die Sportler von den Offiziellen überwacht/bewacht! Liegt in der Natur der Sache!

  • äsä am 09.02.2018 21:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Athleten......

    .....wie auch die Schwester, werden dauerüberwacht. Und wer was anderes Glaubt, der liegt FALSCH!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • AndiZH am 10.02.2018 13:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn sogar

    Swiss Olympics unseren Athleten genaue Auflagen macht, da wird Nordkorea die ihrigen bestimmt überwachen.

  • Soro. k.koöo am 10.02.2018 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    Back to USSR

    "Werden Nordkoreas Athleten dauerüberwacht?" NA KLAR, werden sie dauerüberwacht. So wie wir in der UdSSR

    • Deki2912 am 10.02.2018 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Soro. k.koöo

      Werden wir dauerüberwach? NA KLAR! Die UdSSR ist ein Kindergarten im vergleich zur NSA. Aber die Leute kapieren es immer noch nicht.

    • Realist am 10.02.2018 23:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Deki2912

      Wie wahr! Aber die US Dauerüberwachung ist den meisten hier egal, da diese Spitzel, NSA, Facebook, WhatsApp und Co. ja die "Guten" sind... Glauben viele!

    einklappen einklappen
  • alice am 10.02.2018 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Positives

    das werde unsere und alle anderen auch Überwacht das ist bei jedem Sportanlass so !wo ist da das Problem !Freu mich aber aufs Positive die wollen miteinander Reden !das ist sehr gut

    • Heiri am 10.02.2018 21:15 Report Diesen Beitrag melden

      Wenn man gerne in einer Diktatur lebt

      Sie finden es also nicht problematisch, dass die Zustände in Nordkorea offenbar dermassen katastrophal sind, dass das Regime eine Flucht ihrer Athleten befürchten muss?

    einklappen einklappen
  • bebbeli am 10.02.2018 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    Sippenhaft

    Das gleicht der DDR von damals. Bestimmt dürfen sie auch kein falsches Wort sagen, denn sie müssen an ihre Familien denken, wegen der Sippenhaft.

  • Öko Logisch am 10.02.2018 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Zarte Blüten

    Man sollte die zarten Blüten einer möglichen Annäherung nicht mit den immer gleichen Vorwürfen zertreten. Die Sportler der DDR hatten unter den gleichen Bedingungen zu leiden. Und doch war jede Teilnahme dieser Sportler an internationalen Wettbewerben, ein weiteres Öffnen der zuvor abgesperrten Tür zur Welt. Man kann die Sensation der NK-Teilnahme - ausgerechnet in SK - nicht hoch genug bewerten. Ideal ist immer noch anders, aber alles ist besser, als kompletter Stillstand.

    • Rüedu am 10.02.2018 10:55 Report Diesen Beitrag melden

      Öko Logisch

      Sowenig die DDR den sportlichen Wettbewerb auf internationaler Bühne zur "Verständigung der Völker" nutze, sowenig ist dieser Auftritt Nordkoreas in diesem Sinne zu bewerten. Schon zu DDR Zeiten ging es in erster Linie um die Ueberlegenheit des eigenen Systems durch sportliche Erfolge zu beweisen. Und wie zu DDR Zeiten hat sich an diesem Denken nichts geändert, wenn man die Dopingskandale des ehemaligen Ostblocks betrachtet und mit dem aktuellen Skandal in Russland vergleicht. Hier in Moskau und Peking muss der politische "Frühling" beginnen und nicht auf der koreanischen Halbinsel.

    • Öko Logisch am 10.02.2018 11:53 Report Diesen Beitrag melden

      Steter Tropfen @Rüedu

      Denken Sie nicht, dass es Teil einer Ännährung ist, wenn zumindest Sportler und Künstler Grenzen überwinden dürfen? Sicher war die DDR, übrigens so wie alle anderen Nationen es immer noch sind, in erster Linie am Medaillenspiegel interessiert. Aber jeder Kontakt zur Außenwelt verändert ein Land nach und nach. Ein Staat kann Sportler offiziell zum Schweigen verdonnern. Deren Erfahrungen kann er nicht unterdrücken. Wäre Ihnen ein, auch olympisch, abgeschottetes NK lieber?

    einklappen einklappen