Rückbau in «vollem Gang»

15. Mai 2018 12:02; Akt: 15.05.2018 14:58 Print

Nordkorea reisst Atomtestgelände ab

US-Experten sind sich sicher, dass der Abriss von Nordkoreas Atomtestanlage Punggye-ri begonnen hat. Den Beweis liefern demnach neue Satelliten-Bilder.

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Satelliten-Bild von Nordkoreas Atomtestgelände Punggye-ri von Ende April 2018. Einige wichtige Einrichtungen an den Eingängen des weitläufigen Testgeländes Punggye-ri im Nordosten des Landes seien bereits abgerissen worden, melden US-Experten Mitte Mai. Experten in Seoul lokalisieren auf einer Karte das nordkoreanische Atomtestgelände Punggye-ri nach dem Erdbeben vom September 2017. Die Atomtests in Nordkorea vom September 2017 lösten heftige Erdstösse aus. Deshalb befürchteten Experten schon länger, dass die im Berg Mantag stattfindenden Versuche diesen einstürzen lassen könnten. [Im Bild: Natur- (oben) und menschengemachte (unten) Erdbeben im Vergleich] Laut dem auf Nordkorea spezialisierten Institut 38 North könnte der Zerfall des Bergs bereits eingesetzt haben. Darauf deuteten Satellitenbilder hin, hiess es damals in einer Mitteilung. Auf denen ist laut den Experten zu sehen, dass das Gestein des Mantaps bereits stark zersplittert ist und zusehends durchlässiger wird. (Im Bild: Aufnahmen aus den Jahren 2016 und 2017 im Vergleich) Ob diese Entwicklungen auch zur Freisetzung radioaktiver Strahlung führen, wie von Forschern der University of Science and Technology of China befürchtet wird, ist noch unklar. Kommt es dazu, so die Befürchtungen der Forscher, würde nicht nur Nordkorea, sondern auch die angrenzenden Gebiete Chinas sowie das japanische Meer massiv und langfristig verstrahlt werden. Vor den schwerwiegenden Folgen der Atomtests haben auch schon südkoreanische Forscher gewarnt. Anders als ihre chinesischen Kollegen befürchten sie nicht eine Implosion des Berges selbst, sondern einen Ausbruch des rund 115 Kilometer entfernten Vulkans Paektusan an der Grenze zu China. Demnach könnten die Druckwellen der unterirdischen Explosion die Magmakammer unter dem Berg erschüttern und flüssiges Gestein aus der Erde schiessen lassen. (Im Bild: Die Caldera des Paektusan)

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Vor dem Gipfeltreffen mit den USA hat Nordkorea nach Angaben von US-Experten damit begonnen, sein Atomtestgelände abzubauen. Einige wichtige Einrichtungen an den Eingängen des weitläufigen Testgeländes Punggye-ri im Nordosten des Landes seien abgerissen worden.

Zudem seien Gleise zu den Tunneln beseitigt worden, berichteten die Experten der auf Nordkorea spezialisierten Nachrichtenseite «38 North» des US-Korea-Instituts. Bilder kommerzieller Satelliten «lieferten den ersten definitiven Beweis, dass der Rückbau des Versuchsgeländes in vollem Gange sei».

Zerstörung der Testanlage

Nordkorea hatte am Wochenende angekündigt, die Testanlage zwischen dem 23. und dem 25. Mai zu zerstören. Mit der Schliessung des in einer Bergregion liegenden Komplexes will das abgeschottete Land vor der Welt seine Bereitschaft zum Abbau seines Atomwaffenprogramms demonstrieren.

In Punggye-ri hatte Nordkorea seine sechs Atomtests durchgeführt, den bisher letzten im September 2017. Der Uno-Sicherheitsrat hatte daraufhin der Führung in Pjöngjang einen erneuten Verstoss gegen Resolutionen des Gremiums vorgeworfen und die Sanktionen gegen das Land verschärft.
Das Atomtestgelände ist nach Einschätzung chinesischer Geologen durch frühere unterirdische Atomtests beschädigt und zurzeit unbrauchbar. Die Experten von «38 North»? hatten Ende April hingegen geschrieben, das Gelände sei nach wie vor für Atomtests geeignet.

Gespräche am Mittwoch

Süd- und Nordkorea wollen am Mittwoch bei hochrangigen Gesprächen über die Umsetzung der Kooperationsvereinbarungen reden, die sie bei ihrem Gipfel vor zweieinhalb Wochen getroffen haben. Das Treffen werde auf südkoreanischer Seite des Grenzorts Panmunjom stattfinden, teilte das Vereinigungsministerium in Seoul am Dienstag mit.

Durch die Gespräche wolle Südkorea versuchen, «die Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung und einen dauerhaften Frieden zu schaffen». Vereinigungsminister Cho Myoung Gyeon werde die südkoreanische Delegation leiten, hiess es. Nordkorea schickt demnach eine Abordnung mit Vertretern des für innerkoreanische Angelegenheiten zuständigen Komitees sowie Sport- und Wirtschaftsfunktionäre.

(sda)