Treffen im Weissen Haus

24. Oktober 2014 22:56; Akt: 24.10.2014 22:56 Print

Obama umarmt genesene Ebola-Krankenschwester

Der US-Präsident will die Sorgen der Bevölkerung zerstreuen: In einem medienwirksamen Treffen umarmte er die inzwischen wieder gesunde Krankenschwester Nina Pham.

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UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Staatengemeinschaft zu einem wesentlich stärkeren Einsatz gegen Ebola aufgerufen. «Wir müssen Versprechen zu Taten machen. Wir brauchen mehr Ärzte, Pfleger, Ausrüstung, Behandlungszentren und Evakuierungskapazitäten», sagte er in New York. Das Problem sei «sehr ernst».

Bans Vorgänger Kofi Annan warf dem Westen vor, Ebola ignoriert zu haben, weil «nur» Westafrika davon betroffen sei. «Die internationale Gemeinschaft ist erst aufgewacht, als die Krankheit die USA und Europa erreicht hat», sagte er in der britischen BBC.

Auch die Teilnehmer des Europa-Asien-Gipfels (Asem) in Mailand riefen zu mehr internationaler Kooperation im Kampf gegen die Ebola-Epidemie auf. In der Abschlusserklärung zum Spitzentreffen wird die Ausbreitung des Virus als «ernsthafte Gefahr für die Gesundheit und Sicherheit auf der ganzen Welt» bezeichnet. Es müsse eine umfassende und koordinierte Strategie gegen die Krankheit geben, heisst es in dem Dokument.

Helfer auf dem Weg

Ein Verband von fünf ostafrikanischen Staaten will 600 Helfer, darunter 41 Ärzte, in die Krisenländer schicken. Mit ihrer Entscheidung reagiere die ostafrikanische Gemeinschaft auf die Sorge vor einer «schnellen Zunahme von Fällen und Toten», hiess es in einer Erklärung vom Freitag.

Von Grossbritannien aus brach derweil ein Schiff mit hundert Krankenhausbetten und medizinischer Ausstattung in die von Ebola betroffenen Regionen in Westafrika auf.

Obama schickt Reservisten

US-Präsident Barack Obama genehmigte die Entsendung von Reservisten nach Westafrika. Ein entsprechendes Dekret wurde am Donnerstag vom Weissen Haus in Washington veröffentlicht.

Das US-Verteidigungsministerium wird ermächtigt, Reservisten der Streitkräfte für humanitäre Hilfsmassnahmen «in Verbindung mit der Ebola-Epidemie in Westafrika» zu entsenden. Vor allem geht es nach Angaben aus Militärkreisen um Spezialisten, die beim Aufbau der logistischen Infrastruktur helfen sollen.

Forderungen aus dem US-Kongress, die US-Grenzen für Menschen aus Westafrika zu schliessen, lehnte Obama ab. «Alle Diskussionen mit Experten haben ergeben, dass das weniger effektiv wäre als die bereits in Kraft gesetzten Massnahmen», sagte er nach einem Ebola-Krisentreffen im Weissen Haus. Zugleich warnte der Präsident seine Landsleute vor Panikmache. Das Risiko sei für Normalbürger äusserst gering.

Flugpassagier in Madrid hat nicht Ebola

Eine gute Meldung kam aus Spanien: Zwei von sechs mit Ebola-Verdacht ins Krankenhaus gebrachte Patienten sind nicht mit dem tödlichen Virus infiziert.

Ein Passagier aus Nigeria, der am Donnerstag auf dem Weiterflug von Paris nach Madrid über Schüttelfrost klagte, sei negativ auf Ebola getestet worden, teilten die Behörden mit. Auch ein weiterer Patient, der im selben Krankenwagen wie eine mit Ebola infizierte Krankenschwester behandelt worden war, sei negativ getestet worden.

In Spanien werden derzeit noch vier weitere Verdachtsfälle betreut, bei ihnen lagen zunächst noch keine Testergebnisse vor.

In Westafrika wütet Ebola seit Monaten. Die Zahl der Ebola-Toten ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf mindestens 4555 gestiegen.

Am schlimmsten ist die Situation nach wie vor in Liberia, wo die WHO bislang knapp die Hälfte aller Infektionen und mehr als die Hälfte aller Todesfälle verzeichnete. Für den Senegal gab die WHO am Freitag zunächst Entwarnung. Dort war seit 42 Tagen kein Fall mehr registriert worden.

(sda)