Bangladesch

03. Dezember 2012 09:32; Akt: 03.12.2012 09:45 Print

Proteste gegen Horror-Fabrik gehen weiter

Nach dem verheerenden Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch mit über 100 Toten gehen die Arbeiter auf die Barrikaden. Erneut sind nun rund 10'000 von ihnen auf die Strasse gegangen.

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Ein Brand in einer mehrstöckigen Textilfabrik in Bangladesch hat am 25. November 2012 mindestens 110 Menschen das Leben gekostet. Mehr als 200 wurden verletzt. Das Feuer war am späten Samstagabend im Erdgeschoss des neunstöckigen Fabrikgebäudes am Rande der Hauptstadt Dhaka ausgebrochen und griff dann schnell auf die anderen Etagen über. Zum Zeitpunkt des Ausbruchs hätten sich mehr als 1000 Arbeiter in dem Gebäude befunden. Bei den Todesopfern handle es sich zumeist um Arbeiterinnen, die von den Flammen eingeschlossen worden seien. Die meisten von ihnen seien am Rauch erstickt. Firmenchef Delwar Hossain sprach von einem «schweren Verlust für meine Angestellten und meine Fabrik», die unter anderem für das Bekleidungsunternehmen C&A arbeitet. Die Brandursache war nach Angaben von Bangladeschs Premierministerin Sheikh Hasina Brandstiftung. «Es war kein Zufall. Es war im Voraus geplant», sagte sie am Montag im Parlament in Dhaka. Sie habe Bilder von Überwachungskameras gesehen. Zwei Männer seien festgenommen worden. «Diejenigen, die hinter dem Sabotageakt stecken, werden ebenfalls gefasst werden», sagte die Premierministerin weiter. Einer der Männer habe gestanden, für die Brandstiftung 20'000 Taka (etwa 225 Franken) erhalten zu haben. Bei den Todesopfern handle es sich zumeist um Arbeiterinnen, die von den Flammen eingeschlossen worden seien. Die meisten von ihnen seien am Rauch erstickt. Ein Sprecher der Fabrik erklärte vor Kameras, der Betrieb habe Standards der Europäischen Union eingehalten. So habe es etwa vier alternative Treppenaufgänge gegeben, doch die Arbeiter seien in der Panik zum Hauptausgang gestürmt und nur wenige hätten diese Notausgänge benutzt. Die Textilindustrie ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor Bangladeschs. In dem Land gibt es etwa 4500 Bekleidungsfabriken, die unter anderem für Firmen wie H&M, Wal-Mart, JC Penney und Tesco produzieren. Die Näherinnen arbeiten meist unter schwierigen Bedingungen. Die Regierung in Bhaka entschied am ersten Sitzungstag nach der Tragödie, den Dienstag zum nationalen Tag der Trauer zu erklären. Die Nationalflagge solle auf halbmast wehen und alle Textilfabriken im Land, die Millionen Menschen beschäftigen, geschlossen bleiben. Keine zwei Tage nach dem verheerenden Brand in einer Bekleidungsfabrik in Bangladesch ist am Montagvormittag erneut ein Feuer in einem Textilbetrieb in der Hauptstadt Dhaka ausgebrochen. Berichte über Todesopfer lagen zunächst nicht vor. Allerdings hätten acht Arbeiter der Fabrik in einem Vorort von Dhaka Rauchvergiftungen erlitten, sagte ein Feuerwehrsprecher. In dem Gebäude im Stadtteil Uttara waren den Angaben zufolge vier verschiedene Textilfabriken untergebracht. Der Brand konnte nach Angaben der Polizei weitgehend unter Kontrolle gebracht werden. Am Montag, 26.11.12 gingen tausende bangladeschische Arbeitnehmer auf die Strasse, um ihrer Wut über den Grossbrand vom Wochenende Luft zu machen. Dabei kam es vereinzelt zu gewaltsamen Ausschreitungen. Die Demonstranten forderten lautstark mehr Sicherheit an ihren Arbeitsplätzen, wie ein Polizeisprecher sagte. Zudem sollten die für die Katastrophe Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

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In Bangladesch haben am Montag erneut rund 10'000 Arbeiter gegen die unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen in den Textilfabriken protestiert. Sie blockierten nach Angaben der Polizei eine Strasse in Ashulia, einem Vorort der Hauptstadt Dhaka, und versuchten, Fahrzeuge und Fabrikgebäude zu demolieren.

Die Polizei feuerte Gummigeschosse und Tränengas ab, um die Protestierenden auseinander zu treiben. Daraufhin warfen die Demonstranten Steine auf die Polizisten.

Ein Sprecher der Polizei sagte, Grund für den Protestzug seien «Gerüchte» über einen weiteren Brand in einer Textilfabrik gewesen. Diese Gerüchte seien aber falsch.

Bei einem Brand in der Tazreen Fashion Fabrik waren am 24. November 110 Arbeiter ums Leben gekommen - die meisten von ihnen Frauen. Sie konnten den Flammen nicht entkommen oder sprangen in Todesangst aus den Fenstern des mehrstöckigen Gebäudes. Die Firma fertigte für westliche Modefirmen wie C&A und Walmart.

Seit der Brandkatastrophe gehen in Bangladesch täglich Textilarbeiter auf die Strasse und protestieren gegen ihre Arbeitsbedingungen und den niedrigen Lohn. Der Polizeisprecher sagte, am Montag hätten rund 50 Textilfabriken geschlossen, weil die Unternehmer Übergriffe fürchteten.

Verbesserungen angekündigt

Seit 2006 sind bei dutzenden Feuern in Textilfabriken des Landes nach Zählung der in Amsterdam ansässigen Organisation Clean Clothes Campaign rund 700 Arbeiter in Bangladesch ums Leben gekommen. Bis heute wurde den Angaben zufolge aber keiner der Eigentümer dafür zur Rechenschaft gezogen.

Nachdem rund 50 westliche Konzerne wie GAP, H&M und Levi's bei einem Treffen in Dhaka ihre Besorgnis um den Brandschutz in Fabriken vorgebracht hatten, kündigte der Textilindustrieverband BGMEA am Freitag Verbesserungen an. Experten sollen die Sicherheit in den Werken verbessern und kontrollieren.

(sda)