Im «ARD»-Morgenmagazin

06. Dezember 2012 10:54; Akt: 06.12.2012 11:49 Print

Pussy-Riot-Frau spricht erstmals im deutschen TVPussy-Riot-Frau spricht erstmals im deutschen TV

Erstmals hat eine Aktivistin der russischen Punk-Band Pussy Riot im deutschen Fernsehen Auskunft über ihr Treiben gegeben. Sie verteidigt die Aktion in der Moskauer Erlöserkathedrale.

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Wende im Prozess gegen drei Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot. Eine der drei verurteilten Frauen, Jekatarina Samuzewitsch, wird im Berufungsverfahren freigesprochen. Die Anwältin von Samuzewitsch sagte vor Gericht, die Aktion habe ohne ihre Mandantin stattgefunden. Samuzewitsch sei bereits wenige Sekunden, nachdem sie die Kirche betreten hatte, festgenommen worden. Als mehrere Pussy-Riot-Künstlerinnen ihr «Punkgebet» aufgeführt hätten, habe sich Samuzewitsch bereits ausserhalb der Kirche befunden. Die zwei anderen Frauen, Maria Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa, müssten aber für zwei Jahre ins Gefängnis, teilte das Gericht am Mittwoch mit. Der Berufungsprozess gegen die zweijährige Haftstrafe für die drei Frauen wird fortgesetzt. Die Verteidigung befand das Urteil für falsch: Das Gericht habe in erster Instanz ignoriert, dass es sich um einen politischen und nicht um einen religiösen Protest gehandelt habe, sagte sie. Vor dem Gebäude demonstrierten Anhänger der Band. Die Polizei markierte Präsenz. Zwei Personen wurden festgenommen. Am 17. August 2012 werden die Mitglieder der Punkband Pussy Riot - Jekaterina Samuzewitsch, 30, Maria Aljochina, 24, und Nadeschda Tolokonnikowa, 23 (v.l.) - wegen Rowdytums «aus religiösem Hass» von einem Moskauer Gericht zu je zwei Jahren Straflager verurteilt. Putin kann nicht gnädig sein: Pussy Riot haben ein . «Machen Sie Witze? Natürlich nicht. Eher sollte er uns und Sie um Gnade bitten», schrieb Nadeschda Tolokonnikowa der regierungskritischen Zeitung «Nowaja Gaseta». An ein unanabhängiges Urteil glaubt die 22-Jährige nicht. «Das ist eine Illusion.» Die Anklage gegen die Musikerinnen hatte international Empörung ausgelöst. Auch am Tag der Urteilverküdung kam es vor dem Gerichtssaal in Moskau zu Tumulten und Verhaftungen. Bei den Protesten wurde laut Nachrichtenagentur Interfax der Oppositionsführer ) Bürgerrechtler aus aller Welt haben für den 17. August, am Tag der Urteilsverkündung, Proteste gegen Prozess angekündigt. Amnesty International erkennt die drei Musikerinnnen als politische Gefangene an. Der erste Prozesstag fand am 8. August statt: Der russische Staat und die orthodoxe Kirche gehen hart gegen drei Mitglieder der Punkband Pussy Riot vor. Nadeschda Tolokonnikowam, Maria Aljochina und Jekaterina Samutzewitsch (v.l.) am 8. August 2012 im Gerichtssaal. Bereits am Morgen des 17. August, dem Tag der Urteilsverkündung, stehen Sicherheitskräfte vor dem Gerichtsgebäude in Moskau präsent. Ebenfalls bereits am Vormittag werden die drei angeklagten Frauen ins Gericht gebracht, im Bild Maria Aljochina. Unterstützung erhalten die drei Pussy-Riot-Mitglieder von der ukrainischen Frauenrechtsbewegung Femen. Am 17. August fällen sie ein orthodoxes Kreuz, das als Zeichen für die Opfer politischer Repression errichtet worden war. Die für Pussy Riot typischen farbigen Sturmmasken auf einem sozialistischen Monument zu Ehren der sowjetischen Armee in der bulgarischen Hauptstadt am 17. August. Bereits in den Tagen vor der angekündigten Urteilseröffnung kommt es weltweit zu Protesten: Vor dem spanischen Aussenministerium in am 16. August. Selbst in Südamerika protestierten Frauen gegen den Prozess. Zivile Polizisten verhaften Demonstrantinnen vor der russischen Botschaft in am 15. August. Drei Demonstrantinnen mit den für Pussy Riot typischen Sturmmasken vor der russischen Botschaft in am 9. August. Das Symbol von Pussy Riot - und inzwischen ein Symbol für den Protest gegen Putin: Farbige Sturmmasken bei einer Demonstration in am 14. August. Unterstützung für Pussy Riot auch in Die Musikgruppe «Brenda» spielt an einem Solidaritätskonzert in der Nähe der russischen Botschaft am 10. August. Hart gingen die Sicherheitskräfte gegen Demonstranten in vor: Am 15. August vor der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau, wo Pussy Riot Filmaufnahmen machte, die zur Anklage führten. Internationale Künstler solidarisierten sich mit den angeklagten Mitglieder der Frauenband. «Nadeschda rechnet nicht damit, dass Putin ihnen vergeben hat», sagt der Ehemann der angeklagten Nadeschda Tolokonnikowa (im Bild). Er konnte seine Frau nach Monaten erstmals Mitte August im Gefängnis besuchen. Tolokonnikowa gab sich am Rande des Prozesses kämpferisch - obwohl der Mutter einer vierjährigen Tochter mehrere Jahre Haft drohten. Die drei Angeklagten werden ihre zweijährige Haft in einem Straflager absitzen müssen: Im Bild Schlafsaal in Moschaisk, 110 Kilometer westlich von Moskau. Ursprünglich war das Urteil auf den 8. August erwartet worden nach einem mehrtägigen Prozess, der als unfair kritisiert wurde. Der Prozess, der Ende Juli begann, sorgte international für grosses Medienecho: Die angeklagte Tolokonnikowa wird am 31. Juli zum zweiten Prozesstag in den Gerichtssaal geführt. Die drei angeklagten Mitglieder der Putin-kritischen Punkband mussten sich während des Prozesses in einem Plexiglas-Häuschen im Gerichtssaal aufhalten. Die drei angeklagten Mitglieder der Punkband Pussy Riot sitzen seit März 2012 in Untersuchungshaft. Am 23. Juli 2012 werden Maria Aljochina (links hinter der Polizistin), Jekaterina Samutzewitsch (Mitte) und Nadeschda Tolokonnikowa (vorne rechts) dem Gericht vorgeführt. Den Prozess ausgelöst hatte ein lautloser Auftritt der Band in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale. Sie hatten dort Filmaufnahmen gemacht für das Putin-kritische Lied «Gottesmutter, vertreibe Putin». Das war zuviel für den russischen Staat. Er verhaftete drei Mitglieder der Band. National und international sorgt der Fall für grosse Aufmerksamkeit ... ... kritisiert werden vor allem die harten Strafen für kein allzu schweres Vergehen. Doch der Staat scheint an den dreien ein Exempel statuieren zu wollen. Internationale Bands setzten sich für die drei jungen Frauen ein. haben sich kritisch über die Gefangenschaft der Musikerinnen geäussert. Auch in Russland protestierten Prominente. Die russische Filmregisseurin Olga Darfy tauchte im Juni 2012 am Moskauer Filmfestival in einer Maske auf - eine Anspielung auf die typischen Sturmmasken von Pussy Riot. Ein Künstler hat sich dabei die Lippen zugenäht.

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Eine Aktivistin der Polit-Punk-Band Pussy Riot hat den weltweit für Schlagzeilen sorgenden Protest gegen Präsident Wladimir Putin im Februar verteidigt. Sie denke, dass die Aktion in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale «zu Irritationen führte», aber sie glaube nicht, dass sie «falsch gehandelt haben», sagte die junge Frau am Donnerstag im «ARD»-Morgenmagazin (sehen Sie das Video auf der ARD-Homepage). Wenn sie die Wahl hätte, würde die es wieder machen, vielleicht sogar etwas «Radikaleres», sagte die Frau, die an dem kurzen Auftritt teilgenommen hatte.

Die Situation in Russland, vor allem die Verknüpfung von Politik und Religion, sei so schlimm, dass man «so viel wie möglich darüber reden muss, um etwas verändern zu können», sagte die Aktivistin. Zum ersten Mal gab mit ihr ein Mitglied der 15 Mitglieder umfassenden Band ein Interview im deutschen Fernsehen. Aus Sicherheitsgründen war die sich nur «Kater» nennende Frau mit einer Sturmhaube - dem Markenzeichen der Band - maskiert. Auch ihre Stimme wurde verfälscht.

Sie sorge sich natürlich um die beiden inhaftierten Kolleginnen, sagte die Frau. Ihre Anwesenheit in Deutschland solle die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit darauf lenken, dass die anderen Mädchen im Straflager sind. Drei Bandmitglieder waren im August wegen einer Performance gegen Putin in der Kathedrale zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Eine Angeklagte wurde später die Gefängnisstrafe erlassen, die beiden anderen Musikerinnen kamen in Straflager.

Momentan keine weiteren Aktionen

Sie selbst habe auch Angst, sagte die Aktivistin. «Aber weil ich die Interessen der Gruppe vertrete, möchte ich natürlich auch die politische Tätigkeit weiterverfolgen.» Deswegen stelle sie die persönliche Sicherheit hinten an. Weitere Aktionen von Pussy Riot werde es zur Zeit aber nicht geben, sagte die Frau. «Momentan müssen wir versuchen, vor einem internationalen Gerichtshof in Berufung zu gehen, um die Mädchen herauszubekommen.» Zurzeit versuche die Gruppe, dazu das Interesse der Medien hochzuhalten und weiter über die Probleme in Russland und auch insgesamt in der Welt aufzuklären.

Zwei Aktivistinnen der Band erhalten am Donnerstagabend vom WDR-Jugendsender 1Live für ihr Engagement einen Sonderpreis. 1Live-Programmchef Jochen Rausch hatte die Ehrung zuvor damit begründet, dass die Gruppe sich «mutig gegen staatliche Bevormundung und für das Recht auf freie Meinungsäusserung in Russland» eingesetzt habe und nun «dafür einen hohen Preis bezahlen» müsste.

Der Auftritt in der Moskauer Erlöserkathedrale
(Video: Youtube/Гараджа Матвеева)

(dapd)

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  • Pussy Riot am 06.12.2012 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Diese Frauen sind mutig. Russland ist ein totalitäres Regime mit einem schwachen Führer. Einem Führer, der so schwach ist, dass er seine Macht an jungen Frauen demonstrieren muss. Putins Ende wird kommen. Ich bin gespannt, wieviel Millarden er bis dahin unterschlagen hat.

  • Ivan R. am 06.12.2012 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Mittleid

    Die Frauen haben es übertrieben. Wenn Sie gegen Putin was aussagen wollen dann sollen Sie auf den Roten Platz gehen. Die Kirche hat damit nichts zu tun. Die haben einfach den Bogen überspannt. Die Regierungen werden heutzutage destabilisiert und keiner fragt wie es den Menschen danach geht. Wichtig ist, man hat sich selbst bereichert durch Subventionen aus den Ausland. Das ist keine Demokratie meines erachtens.

  • Winnie, Basel am 06.12.2012 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlendes Unrechtsbewusstsein

    Auch in anderen Ländern wird die Störung der Religionsausübung bestraft. Zum Beispiel kann in Deutschland nach § 167, Absatz 2 mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft werden, wer an einem Ort, der dem Gottesdienst einer Religionsgesellschaft gewidmet ist, beschimpfenden Unfug verübt. Wenn die Aktivistinnen von Pussy Riot sich einsichtig gezeigt hätten und sich bei der Orthodoxen Kirche entschuldigt hätten, wären sie sicher mit einer geringeren Strafe davon gekommen.

    • Jolly Rog am 06.12.2012 14:04 Report Diesen Beitrag melden

      Fehlendes Demokratieverständnis

      Ja, aber ein Gefängnis z.B. in Deutschland ist in keiner weise mit einem Arbeitslager zu vergleichen. Und die Justiz in DE ist unabhängig, während in Russland keine Rede davon sein kann (da hat man auch andere Beispiele als Pussy Riot)... Gegen den Willen Putins wird da prinzipiell nicht entschieden....

    • Kölner Dom am 06.12.2012 14:50 Report Diesen Beitrag melden

      In Deutschland ...

      ... würden Pfarrer oder Pastoren die Damen zum Gespräch einladen und ihnen Gelegenheit geben, ihren Standpunkt kritisch zu äussern. Demzufolge gibt es de facto und de jure keinen einzigen Fall, in dem es zu einem Gerichtsverfahren mit Freiheitstrafe gekommen ist. Deutschland hat eine starke Demokratie. Leute wie Putin geben sich stark, sind aber offensichtlich Schwach.

    • Winnie, Basel am 06.12.2012 15:54 Report Diesen Beitrag melden

      Schauprozess gegen Kachelmann

      @Jolly Rog. Dass die Justiz in Deutschland nicht immer nach rechtsstaatlichen Prinzipien funktioniert zeigt der Prozess gegen Kachelmann. Hier wurde von voyeuristischen Richtern und Staatsanwälten, die sich in der Rolle von Moralaposteln gefielen, ein Schauprozess veranstaltet.

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