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Im «ARD»-Morgenmagazin
06. Dezember 2012 10:54; Akt: 06.12.2012 11:49 Print
Pussy-Riot-Frau spricht erstmals im deutschen TV
Erstmals hat eine Aktivistin der russischen Punk-Band Pussy Riot im deutschen Fernsehen Auskunft über ihr Treiben gegeben. Sie verteidigt die Aktion in der Moskauer Erlöserkathedrale.
Eine Aktivistin der Polit-Punk-Band Pussy Riot hat den weltweit für Schlagzeilen sorgenden Protest gegen Präsident Wladimir Putin im Februar verteidigt. Sie denke, dass die Aktion in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale «zu Irritationen führte», aber sie glaube nicht, dass sie «falsch gehandelt haben», sagte die junge Frau am Donnerstag im «ARD»-Morgenmagazin (sehen Sie das Video auf der ARD-Homepage). Wenn sie die Wahl hätte, würde die es wieder machen, vielleicht sogar etwas «Radikaleres», sagte die Frau, die an dem kurzen Auftritt teilgenommen hatte.
Bildstrecken Kommerz um Pussy RiotStraflager für zwei Pussy-Riot-MitgliederDie Situation in Russland, vor allem die Verknüpfung von Politik und Religion, sei so schlimm, dass man «so viel wie möglich darüber reden muss, um etwas verändern zu können», sagte die Aktivistin. Zum ersten Mal gab mit ihr ein Mitglied der 15 Mitglieder umfassenden Band ein Interview im deutschen Fernsehen. Aus Sicherheitsgründen war die sich nur «Kater» nennende Frau mit einer Sturmhaube - dem Markenzeichen der Band - maskiert. Auch ihre Stimme wurde verfälscht.
Sie sorge sich natürlich um die beiden inhaftierten Kolleginnen, sagte die Frau. Ihre Anwesenheit in Deutschland solle die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit darauf lenken, dass die anderen Mädchen im Straflager sind. Drei Bandmitglieder waren im August wegen einer Performance gegen Putin in der Kathedrale zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Eine Angeklagte wurde später die Gefängnisstrafe erlassen, die beiden anderen Musikerinnen kamen in Straflager.
Momentan keine weiteren Aktionen
Sie selbst habe auch Angst, sagte die Aktivistin. «Aber weil ich die Interessen der Gruppe vertrete, möchte ich natürlich auch die politische Tätigkeit weiterverfolgen.» Deswegen stelle sie die persönliche Sicherheit hinten an. Weitere Aktionen von Pussy Riot werde es zur Zeit aber nicht geben, sagte die Frau. «Momentan müssen wir versuchen, vor einem internationalen Gerichtshof in Berufung zu gehen, um die Mädchen herauszubekommen.» Zurzeit versuche die Gruppe, dazu das Interesse der Medien hochzuhalten und weiter über die Probleme in Russland und auch insgesamt in der Welt aufzuklären.
Zwei Aktivistinnen der Band erhalten am Donnerstagabend vom WDR-Jugendsender 1Live für ihr Engagement einen Sonderpreis. 1Live-Programmchef Jochen Rausch hatte die Ehrung zuvor damit begründet, dass die Gruppe sich «mutig gegen staatliche Bevormundung und für das Recht auf freie Meinungsäusserung in Russland» eingesetzt habe und nun «dafür einen hohen Preis bezahlen» müsste.
Der Auftritt in der Moskauer Erlöserkathedrale
(Video: Youtube/Гараджа Матвеева)
(dapd)
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Alle 17 Kommentare

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Respekt
Diese Frauen sind mutig. Russland ist ein totalitäres Regime mit einem schwachen Führer. Einem Führer, der so schwach ist, dass er seine Macht an jungen Frauen demonstrieren muss. Putins Ende wird kommen. Ich bin gespannt, wieviel Millarden er bis dahin unterschlagen hat.
Kein Mittleid
Die Frauen haben es übertrieben. Wenn Sie gegen Putin was aussagen wollen dann sollen Sie auf den Roten Platz gehen. Die Kirche hat damit nichts zu tun. Die haben einfach den Bogen überspannt. Die Regierungen werden heutzutage destabilisiert und keiner fragt wie es den Menschen danach geht. Wichtig ist, man hat sich selbst bereichert durch Subventionen aus den Ausland. Das ist keine Demokratie meines erachtens.
Fehlendes Unrechtsbewusstsein
Auch in anderen Ländern wird die Störung der Religionsausübung bestraft. Zum Beispiel kann in Deutschland nach § 167, Absatz 2 mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft werden, wer an einem Ort, der dem Gottesdienst einer Religionsgesellschaft gewidmet ist, beschimpfenden Unfug verübt. Wenn die Aktivistinnen von Pussy Riot sich einsichtig gezeigt hätten und sich bei der Orthodoxen Kirche entschuldigt hätten, wären sie sicher mit einer geringeren Strafe davon gekommen.
Fehlendes Demokratieverständnis
Ja, aber ein Gefängnis z.B. in Deutschland ist in keiner weise mit einem Arbeitslager zu vergleichen. Und die Justiz in DE ist unabhängig, während in Russland keine Rede davon sein kann (da hat man auch andere Beispiele als Pussy Riot)... Gegen den Willen Putins wird da prinzipiell nicht entschieden....
In Deutschland ...
... würden Pfarrer oder Pastoren die Damen zum Gespräch einladen und ihnen Gelegenheit geben, ihren Standpunkt kritisch zu äussern. Demzufolge gibt es de facto und de jure keinen einzigen Fall, in dem es zu einem Gerichtsverfahren mit Freiheitstrafe gekommen ist. Deutschland hat eine starke Demokratie. Leute wie Putin geben sich stark, sind aber offensichtlich Schwach.
Schauprozess gegen Kachelmann
@Jolly Rog. Dass die Justiz in Deutschland nicht immer nach rechtsstaatlichen Prinzipien funktioniert zeigt der Prozess gegen Kachelmann. Hier wurde von voyeuristischen Richtern und Staatsanwälten, die sich in der Rolle von Moralaposteln gefielen, ein Schauprozess veranstaltet.