«Ein historischer Tag»

15. Mai 2018 18:53; Akt: 16.05.2018 21:47 Print

Putin fährt als Erster über die strittige Krim-Brücke

Am Mittwoch eröffnete Wladimir Putin die umstrittene Brücke zwischen der Krim und Russland.

Die neue Verbindung ist mit 19 Kilometern die längste Brücke Russlands und Europas. (Video: Tamedia/AFP)
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Russland hat mit der Eröffnung einer monumentalen Brücke auf die Krim seinen Anspruch auf die annektierte ukrainische Halbinsel untermauert. Es sei ein historischer Tag, der alle in Russland lebenden Menschen mit der Krim verbinde, sagte Präsident Wladimir Putin.

«Die Brücke ist ein Symbol unserer Einheit und Freiheit», ergänzte der Präsident bei der Zeremonie am Dienstag. Die Fertigstellung des Baus stehe in einer Reihe mit den grössten russischen Erfolgsgeschichten.

Schon vor mehr als hundert Jahren hätten die Menschen von einer Brücke auf die Krim geträumt, sagte Putin. «Dank Ihrer Arbeit ist das Wunder nun vollbracht!» Sanktionen und Blockaden des Westens hätten den Bau nicht aufhalten können, sagte der Staatschef vor zahlreichen Ingenieuren und Bauarbeitern.

Vor zwei Jahren mit Bau begonnen

Die Brücke ist seit dem Bekanntwerden der Planungen höchst umstritten. Russland hatte die Halbinsel im März 2014 nach einem umstrittenen Referendum ins eigene Staatsgebiet aufgenommen. Der Westen verurteilt das Vorgehen als völkerrechtswidrig, die Ukraine sieht die Region noch immer als Teil ihres Staatsgebietes an.

Der Monumentalbau wurde kurz nach der Einverleibung auf Putins persönliche Initiative hin geplant, das weltpolitische Erdbeben änderte daran nichts. 2016 wurde mit dem Bau begonnen; ab Mittwoch ist sie für den Autoverkehr freigegeben, Ende 2019 soll auch der Zugverkehr folgen.

Die neue Verbindung ist mit 19 Kilometern die längste Brücke Russlands und Europas. Von Russland aus war die Krim bislang nicht über einen direkten Landweg zu erreichen. Bislang gab es nur zwei Wege: entweder mit dem Flugzeug oder mit der Fähre, auf die Touristen teilweise stundenlang warten mussten.

Putin am Steuer

Putin eröffnete zunächst nur die Autostrecke. Er setzte sich für eine Fahrt an der Spitze einer Lastwagenkolonne sogar selbst ans Steuer. «Los gehts!», sagte der Präsident vor der Fahrt. Mehr als 30 orangefarbene Lastwagen fuhren auf der Brücke. Das Staatsfernsehen übertrug die Fahrt minutenlang live und kommentierte sie wie ein Autorennen.

Nach der Fahrt zeigte sich Putin zufrieden. Der Bau sei ordentlich, die Strasse in ausgezeichnetem Zustand, sagte er dem Sender Rossija-24. «Ich denke, den Menschen wird es gefallen.»

Der Kreml sieht die Brücke auch als wirtschaftliches Prestigeprojekt. Nach offiziellen Angaben kostete der Bau umgerechnet mehr als 3,4 Milliarden Franken. Medienberichten zufolge könnten die Ausgaben dafür jedoch weitaus höher sein. Experten schätzen die Kosten auf fast sechs Milliarden.

Den Bauauftrag bekam das Unternehmen Stroigasmontasch des Oligarchen Arkadi Rotenberg, der ein enger Vertrauter und Ex-Judopartner des Kremlchefs ist. Gleichzeitig steht Rotenberg auch auf einer Liste von Russen, die vom Westen im Zuge des Krieges in der Ostukraine mit Sanktionen belegt sind.

Kritik aus Kiew und Brüssel

Auch eine Reihe europäischer Unternehmen steht im Verdacht, am Bau der Brücke beteiligt zu sein und somit gegen EU-Sanktionen verstossen zu haben, die 2014 verhängt wurden.

Der ukrainische Staatschef Petro Poroschenko betonte, dass Russland versuche, sich mit ausländischer Beteiligung von seiner rechtlichen Verantwortungen freizukaufen. «Ich bin überzeugt, dass dies dem Aggressor nicht gelingen wird und er die volle Verantwortung tragen wird.»

Das Aussenministerium in Kiew protestierte gegen die Eröffnung der Brücke. Auch die EU verurteilte den Bau als Verletzung der ukrainischen Souveränität. «Die Konstruktion der Brücke zielt darauf ab, die illegal annektierte Halbinsel weiter zwangsweise mit Russland zu verschmelzen», sagte eine Sprecherin der EU-Aussenbeauftragten Federica Mogherini.

(fur/sda)