G7-Fiasko

10. Juni 2018 09:36; Akt: 10.06.2018 09:36 Print

Putin wirft G7 «Gelaber» vor

Nachdem Trump für einen historischen Eklat gesorgt hat, meldet sich Russlands Präsident Putin zu Wort und schlägt einen Alleingang der Grossmächte vor.

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Hier scheint alles noch in bester Ordnung: Der kanadische Premierminister ist zufrieden – trotz Differenzen. Justin Trudeau gibt vor den Medien die Abschlusserklärung des G7-Gipfels ab. (9. Juni 2018) Die Verhandlungen waren hart, auch der Körpersprache nach zu urteilen: Doch zunächst war Donald Trump mit einem dicken Lob für einen «enorm erfolgreichen» Gipfel aus Kanada abgereist. Nur wenige Stunden später sah er die Sache dann jedoch völlig anders. Verärgert über eine Aussage von Kanadas Premier Justin Trudeau, machte er noch vom Flugzeug aus einen Rückzieher und kündigte der gemeinsamen Verabschiedung der G7-Staaten die Unterstützung auf. Dann meldete er sich schliesslich zu Wort: Wladimir Putin wirft den G7-Staaten «Gelaber» vor und übt scharfe Kritik an der Staatengruppe. Russlands Präsident schlägt als Alternative ein baldiges bilaterales Treffen mit US-Präsident Donald Trump vor. Zwar wurde der Gipfel vom Streit um die Strafzölle belastet. Dennoch sprach der US-Präsident zunächst von einem «enorm erfolgreichen» Gipfel und lobte die «extrem produktiven Diskussionen». Donald Trump und Kanadas Premier Justin Trudeau lächeln fürs Gruppenfoto. (8. Juni 2018) Angela Merkel und Donald Trump sprechen miteinander. Links der EU-Ratspräsident Donald Tusk, hinter Trump die britische Premierministerin Theresa May. An den Treffen nimmt auch die EU-Spitzen teil. Gruppenfoto von La Malbaie (von links nach rechts): EU-Ratspräsident Donald Tusk, die Britische Premierministerin Theresa May, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, US-Präsident Donald Trump, der kanadische Premier Justin Trudeau, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der japanische Premire Shinzo Abe, der italienische Premierminister Giuseppe Conte und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Die Handschläge zwischen US-Präsident Donald Trump und Frankeichs Präsident Emmanuel Macron machten erneut Schlagzeilen. Das Bild zeigt den weissen Abdruck von Macrons Daumen auf Trumps geröteter Hand. Donald Trump nimmt Süssgras als Willkommensgeschenk entgegen. EU-Ratspräsident Donald Tusk erklärte kurz vor Beginn des Gipfeltreffens im kanadischen La Malbaie, das Verhalten des US-Präsidenten bereite ihm «grosse Sorge». (8. Juni 2018) Donald Trump vor den Medien in Quebec. (8. Juni 2018) Er war als letzter der G7-Vertreter angereist.

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Russlands Präsident Wladimir Putin hat scharfe Kritik an der G7-Gruppe geübt und ein baldiges bilaterales Treffen mit US-Präsident Donald Trump vorgeschlagen. Er wolle mit Trump zusammenkommen, sobald Washington dazu bereit sei, sagte Putin am Sonntag.

Die Kritik der G7 an seinem Land tat er als «kreatives Gelaber» ab, das nun aufhören müsse. «Ich glaube, nun müssen wir uns den konkreten Fragen einer realen Zusammenarbeit zuwenden.»

Russland seit 2014 nicht mehr dabei

Putin äusserte sich, nachdem US-Präsident Donald Trump aus Verärgerung über kritische Äusserungen des G7-Gastgebers Kanada seine Zustimmung zu der gemeinsamen Abschlusserklärung widerrufen hatte.

Russland war 2014 nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim aus der Staatengruppe ausgeschlossen wurde, die damit von der G8 zur G7 wurde. Trump hatte sich zum Auftakt des Gipfels in Kanada überraschend dafür ausgesprochen, Russland wieder aufzunehmen.

Durch den Eklat um seinen Rückzieher von der Abschlusserklärung erscheint die G7 so gespalten wie noch nie in ihrer Geschichte.

(jdr/afp)