Kämpfe in Syrien

25. November 2012 18:35; Akt: 25.11.2012 19:57 Print

Rebellen erobern zweite Helikopterbasis

Die Regimegegner haben eine weitere Helikopterbasis eingenommen. Zudem soll sich Brigadegeneral Mahmud al-Ali am Samstag nach Jordanien abgesetzt haben.

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Syrische Rebellen haben nach eigener Darstellung 15 Kilometer östlich der Hauptstadt Damaskus eine Helikopterbasis der Streitkräfte eingenommen. (Bild: Keystone/AP/Ugarit News via AP video)

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Die syrischen Rebellen haben am Sonntag einen Militärstützpunkt der Regierungsstreitkräfte nahe der Hauptstadt Damaskus eingenommen. Bei den Kämpfen seien zuvor mindestens 15 Rebellen und acht Regierungssoldaten getötet worden, sagte Rami Abdul Rahman, der Leiter der in Grossbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Rebellen zerstörten demnach am Stützpunkt Mardsch al Sultan zwei Hubschrauber und erbeuteten einen Panzer.

Maath al Schami, ein Aktivist aus Damaskus, betätigte den Bericht. Er sagte, die rund 15 Kilometer von Damaskus entfernte Militäranlage beherberge auch Radarsysteme. Die Rebellen nahmen seinen Angaben zufolge Munition aus dem Stützpunkt mit und verliessen ihn aus Angst vor Vergeltungsangriffen der Streitkräfte wieder. Da die Aufständischen im Kampf gegen das syrische Regime Luftangriffe fürchten, versuchen sie, Kampfhubschrauber der Streitkräfte zu zerstören.

Rebellen nehmen Palestinenserlager ein

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete weiter, Rebellen hätten am Sonntag auch ein Trainingslager der Gruppe Generalkommando der Volksfront für die Befreiung Palästinas nahe Duma, einem Vorort von Damaskus, eingenommen. Die Palästinensergruppe sprach in einer Mitteilung vom Samstagabend von Angriffen auf ihr Lager, in dem seit 30 Jahren Tausende von Kämpfern für Aktionen gegen Israel ausgebildet worden seien. Das Generalkommando unterstützt das Regime von Präsident Baschar al Assad.

Eine andere Aktivistengruppe, die Örtlichen Koordinationskomitees, meldete am Sonntag den Fund von zwölf Leichen im Damaszener Vorort Daraja, in dem sich Rebellen und Regierungssoldaten zuletzt heftige Gefechte lieferten. Das Staatsfernsehen berichte, in Daraja hätten Truppen einige militante Mitglieder der Terrororganisation Al-Kaida getötet und einen Granatwerfer beschlagnahmt. In Hadschira, einem anderen Vorort der Hauptstadt, hätten Regierungssoldaten den Palästinenser Abu Suhaib getötet, der hinter mehreren Terroranschlägen gesteckt habe.

Zudem soll ein hochrangiger Funktionär des Innenministeriums desertiert sein. Nach Angaben von Regimegegnern hatte sich Brigadegeneral Mahmud al-Ali, der als stellvertretender Innenminister das Büro für Studien und Planung leitete, bereits am Samstag mit seiner Familie nach Jordanien abgesetzt.

Syrien und Iran gegen «Patriot»-Stationierung in Türkei

Unterdessen stiess die geplante Stationierung von «Patriot»-Flugabwehrraketen der NATO in der Türkei auf scharfe Kritik aus Syrien und dem Iran. Das syrische Aussenministerium nannte die Installation des Waffensystems an der Grenze zu Syrien eine erneute Provokation. Der engste Verbündete Syriens in der Region, der Iran, bezeichnete den Plan am Freitag als kontraproduktiv. «Die interne Krise Syriens kann mit der Verlegung solcher Waffen nicht gelöst werden», sagte der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani bei einem Besuch in Damaskus.

Die Türkei hatte am Mittwoch wegen des andauernden Bürgerkrieges im benachbarten Syrien und wiederholter Grenzverletzungen bei der NATO um die Entsendung der Raketensysteme gebeten. Wiederholt schlugen auf türkischem Territorium Mörsergranaten ein, die in Syrien abgefeuert worden waren. Dagegen helfen aber auch «Patriot»-Raketen nicht, die gegen ballistische Raketen eingesetzt werden. Dass solche Raketen aus Syrien auf die Türkei abgeschossen werden, ist eine ernste, aber derzeit eher hypothetische Gefahr.

Deutschland unterstützt «Patriot»-Stationierung

Der mögliche «Patriot»-Einsatz hat auch in Deutschland zu politischen Diskussionen geführt, weil die Bundeswehr über solche Raketen verfügt und als NATO-Bündnispartner gebeten werden könnte, die Raketen zu stellen. Die Bundesregierung unterstützt das türkische Gesuch und will bis Anfang Dezember den Bundestag entscheiden lassen.

Unterdessen nahmen libanesische Soldaten bei einer Razzia im Süden des Landes fünf Syrer wegen Sprengstoffbesitzes fest. Bei der Aktion in der Stadt Nabatije seien unter anderem 450 Gramm Sprengstoff und ein Sprengzünder beschlagnahmt worden, hiess es in einer Erklärung des Militärs am Samstag. Libanesische Medien berichteten, die fünf Verdächtigen hätten vorgehabt, mit dem Sprengstoff einen Anschlag auf Schiiten zu verüben.

Der Krieg in Syrien, wo Aufständische für den Sturz der Regierung von Präsident al Assad kämpfen, hat seit März 2011 nach Schätzungen von Aktivisten mehr als 40.000 Menschen das Leben gekostet. Auch im benachbarten Libanon kam es immer wieder zu tödlichen Zusammenstössen zwischen Anhängern und Gegnern Assads.

(sda)