Hafen in Zypern

26. Juli 2017 18:19; Akt: 26.07.2017 19:55 Print

Rechtsextremen-Schiff gestoppt – Kapitän in Haft

Die Fahrt der Anti-Flüchtlings-Aktivisten von der Identitären Bewegung endet in einem Fiasko. Im Netz kursieren Gerüchte über Schlepperaktivitäten.

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Die Suunta trägt seit Februar 2017 den Namen «C Star». Das einstige Forschungsschiff soll mit einer internationalen Besatzung bestehend aus Mitgliedern «Identitären Bewegung» Flüchtlingsboote im Mittelmeer aufsuchen und diese nach Afrika bringen. Bild: Keystone (Bild: Keystone/A9999/_dietmar Hasenpusch)

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Ist dies das Ende der Mission «Defend Europe»? Das Schiff der rechtsextremen «Identitären Bewegung» ist beim zypriotischen Hafen Famagusta vor Anker gegangen und scheint von dort auch nicht mehr so schnell wegzukommen.

Der Kapitän der C-Star und sein Stellvertreter wurden festgenommen, wie die Zeitung «Kibris Postasi» berichtet. Das Schiff war von Mitgliedern der Identitären Bewegung gechartert worden, um Flüchtlinge an der Überfahrt über das Mittelmeer zu hindern.

Schlepper am Werk?

Im Internet wird spekuliert, der Kapitän habe sich als Schlepper entpuppt. Dies, obwohl die Identitären es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Rettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer durch NGOs zu verhindern. Dass tatsächlich Schlepper am Werk waren, wurde bislang von keiner offiziellen Seite bestätigt.

Weiter soll es sich bei der Schiffsbesatzung der C-Star um Tamilen handeln, die in Zypern um Asyl ersucht und für die Fahrt bezahlt haben. Auch hier ist die Faktenlage undurchsichtig.

«Das ist absurd», sagen die Identitären gegenüber dem «Kurier» auf den Vorwurf der Schlepperei angesprochen. Die Tamilen hätten an Bord eine Kapitänsausbildung absolviert. Auf Drängen von NGOs hätten sie dann in Zypern einen Asylantrag gestellt.

76'000 Euro mittels Internetkampagne

Hinter der Aktion der Gruppe «Defend Europe» stehen deutsche, französische und italienische Mitglieder der Identitären Bewegung, die in Deutschland wegen ihrer völkischen Ideologie vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Die Rechtsextremisten hatten Mitte Mai eine Kampagne im Internet gestartet und 76'000 Euro für die Anmietung eines Schiffs eingesammelt.

Die «C-Star» sollte in Sizilien die Aktivisten an Bord nehmen und dann Kurs auf die libysche Küste nehmen. Dort wollten sie die libysche Küstenwache auf Flüchtlingsboote aufmerksam machen, damit diese die Flüchtlinge zurück in das nordafrikanische Land bringt. Die Rechtsextremisten wollten damit gegen NGOs protestieren, die Flüchtlinge nach Europa bringen.

Flüchtlingsdrama im Mittelmeer - Identitären woll Rettungsfahren sabotieren

Drängen auf Verhaltenskodex

Die privaten Hilfsorganisationen, die gut ein Drittel der Rettungseinsätze vor Libyen verantworten, waren zuletzt in die Kritik geraten. Ihnen wird vorgeworfen, indirekt die Flüchtlinge zur Flucht zu ermutigen, indem sie sie bereits kurz vor der libyschen Küste aufnehmen. Italien will sie nun stärker überwachen und drängt sie, einen geplanten Verhaltenskodex zu unterzeichnen.

Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) gelangten seit Jahresbeginn mehr als 111'000 Migranten über das Mittelmeer nach Europa, davon knapp 93'500 nach Italien. Mehr als 2360 starben bei der Überfahrt. Neben privaten Hilfsschiffen sind auch die italienische Küstenwache und Marineschiffe verschiedener Länder zur Rettung der Flüchtlinge im Einsatz.

(kaf/afp)