Video-Beweis

08. April 2015 20:36; Akt: 08.04.2015 20:37 Print

Schwarzen erschossen – Behörde feuert Polizisten

Ein Polizist hat in den USA einen Unbewaffneten mit acht Schüssen niedergestreckt, als dieser fliehen wollte. Wieder ist das Opfer schwarz, der Täter weiss.

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Ein defektes Blinklicht wurde Walter Scott zum Verhängnis. Ein Polizist hatte ihn deshalb am vergangenen Samstag in North Charleston im US-Bundesstaat South Carolina angehalten. Gegen Scott lag ein Haftbefehl vor, weil er Unterhaltszahlungen schuldig geblieben und mehreren Gerichtsterminen ferngeblieben war, wie «spiegel.de» berichtet.

Scott versuchte sich möglicherweise deshalb der Polizeikontrolle zu entziehen und rannte weg. Der Beamte holte ihn auf einer Rasenfläche ein. Der Polizist Michael Slager gibt an, Scott habe ihm den Taser entrissen und ihn damit bedroht. Aus Angst um sein Leben habe er dann auf den Mann geschossen.

Die Schilderung des Polizisten entspricht jedoch nicht der Wahrheit, wie das Video eines Augenzeugen jetzt beweist. Darauf ist zu sehen, wie Scott dem Beamten auf die Hände schlägt, danach fällt ein Gegenstand zu Boden – möglicherweise der Taser. Der unbewaffnete Scott dreht sich daraufhin um und versucht zu fliehen.

Polizist legt Sterbendem Handschellen an

Der Polizist gibt in kurzer Folge sieben Schüsse auf den Flüchtenden ab. Dann feuert er zum achten Mal auf den Rücken von Scott, der daraufhin zusammenbricht. Slager geht zum Sterbenden und legt ihm Handschellen an. Anschliessend läuft er zurück und hebt den beim Gerangel heruntergefallenen Gegenstand auf und lässt ihn neben Scott zu Boden fallen – um später seine Version des Tatablaufs zu begründen.

Die Polizei behauptete später, Slager und ein anderer Beamter hätten versucht, Scott wiederzubeleben. Doch auch das stimmt gemäss dem aufgetauchten Video nicht. Denn der Mann liegt minutenlang gefesselt und mit dem Gesicht nach unten am Boden, niemand versucht ihn wiederzubeleben. Scott stirbt noch am Tatort. Der Polizist wurde am Dienstag wegen Mordes angeklagt.

Polizist entlassen

Nach den tödlichen Schüssen auf einen Schwarzen in South Carolina ist der des Mordes beschuldigte Polizist gefeuert worden. Dies teilte der Bürgermeister von North Charleston, Keith Summey, am Mittwoch mit. Die Stadt werde aber weiter die Krankenversicherung des Polizisten bezahlen, weil dessen Frau im achten Monat schwanger sei. Sumney nannte den Fall eine Tragödie für zwei Familien.

Die Tat erinnert stark an den Fall Michael Brown. Der schwarze Jugendliche wurde vergangenen Herbst in der Stadt Ferguson von einem weissen Polizisten erschossen. Auch in diesem Fall war der Beamte weiss, Walter Scott schwarz und unbewaffnet.

(pat)