Aussergerichtlich geeinigt

10. Dezember 2012 21:15; Akt: 11.12.2012 10:45 Print

Sex-Skandal um DSK endet mit Vergleich

Um das gleich festzuhalten: Der Vergleich zwischen Dominique Strauss-Kahn und dem Zimmermädchen Nafissatou Diallo ist kein Schuldeingeständnis des Ex-IWF-Chefs. Aber er wurde von beiden Seiten akzeptiert.

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Nach der Gegenüberstellung mit Tristane Banon verlässt DSK das Poliziegebäude lächelnd. Banon äusserte sich später bei TF1 zur Gegenüberstellung. Unzählige Journalisten und Kameraleute hatten ihm aufgelauert. Die Gegenüberstellung dauerte 2 1/2 Stunden. Banon wirft dem Ex-IWF-Chef versuchte Vergewaltigung vor. Im Februar 2003 soll er bei einem Interview versucht haben, sie zu vergewaltigen. Banon wirkt bei dem Gespräch zwar angespannt, gelegentlich aber kommt ein Lächeln über ihre Lippen. Sie ist mit ihrem Anwalt David Koubbi im Studio. Tags zuvor hatte Dominique Strauss-Kahn in einer Live-Sendung des Fernsehsenders TF1 erstmals öffentlich Stellung zu den Vorwürfen des New Yorker Zimmermädchens Nafissatou Diallo genommen. Kurz stellte er dabei auch seine Sicht der Dinge im «Fall Banon» dar. Dabei bezeichnete der 62-Jährige seinen sexuellen Kontakt mit der Hotelangestellten als «eine unangemessene Beziehung» und einen «moralischen Fehler». Es habe aber weder «Gewalt, Zwang noch Aggression» gegeben. Das Verfahren gegen den früheren IWF-Chef wurde am 23. August 2011 eingestellt. Dem Franzosen war vorgeworfen worden, am 14. Mai 2011 eine Hotelangestellte des New Yorker Nobelhotels Sofitel vergewaltigt zu haben. Bild: Dominique Strauss-Kahn (2.v.r.) mit seiner Ehefrau Anne Sinclair auf dem Weg zum Gericht. Der Fall war Aufsehen erregend. Strauss-Kahn musste beim IWF zurücktreten und seine Kandidaturpläne für die französischen Präsidentschaftswahlen aufgeben. Grund für die Einstellung des Verfahrens war die fehlende Glaubwürdigkeit des Opfers Nafissatou Diallo (Bild). Dennoch hat der Franzose weitere Klagen am Hals: Diallo verklagte ihn am 8. August auf Schadensersatz in unbekannter Höhe. Auch die Französin Tristane Banon hat Dominique Strauss-Kahn angezeigt. Er habe sie im Jahr 2003 zu vergewaltigen versucht. Frauenorganisationen protestieren gegen den Entscheid. Die Botschaft ist deutlich.

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Der frühere IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn und eine New Yorker Hotelangestellte haben einen juristischen Schlussstrich unter die aufsehenerregende Sexaffäre gezogen. Beide Parteien hätten im Zusammenhang mit der Zivilklage des Zimmermädchens eine Einigung unterzeichnet, gab ein Richter am Montag bekannt. Die Bedingungen der Vereinbarung seien jedoch vertraulich. Bei der Gerichtsanhörung in New York war Strauss-Kahn nicht anwesend, dafür aber die Hotelangestellte Nafissatou Diallo, die den Franzosen der versuchten Vergewaltigung beschuldigt.

Die 33-Jährige wirft Strauss-Kahn vor, sie im Mai 2011 in einer New Yorker Hotelsuite zum Oralsex gezwungen zu haben. Strauss-Kahn bestreitet dies und spricht von einem einvernehmlichen sexuellen Akt. Der 63-Jährige warf der Frau Verleumdung vor und verklagte sie im Mai dieses Jahres auf eine Million Dollar (rund 770.000 Euro).

Der angebliche Zwischenfall im New Yorker Hotel Sofitel zog eine strafrechtliche Anklage gegen Strauss-Kahn nach sich, die im August 2011 wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit Diallos fallen gelassen wurde. Die Frau soll unterschiedliche Angaben über ihr Verhalten unmittelbar nach dem mutmasslichen Zwischenfall in der Hotelsuite gemacht und über ihren Lebenslauf gelogen haben.

Wegen des Sexskandals musste Strauss-Kahn seinen Chefposten beim Internationalen Währungsfonds räumen. Zudem rückte ein mögliche Kandidatur des einstigen Vorzeige-Europäers für die französische Präsidentschaft in weite Ferne.

Seine Mandantin wolle den Fall nun hinter sich lassen, sagte Diallos Anwalt Kenneth Thompson nach der Anhörung am Montag. Als die Einigung vor Gericht bekannt gegeben wurde, machte Diallo einen gelassenen Eindruck. «Ich danke allen auf der Welt, die mich unterstützt haben», sagte sich nach dem Gerichtstermin.

Strauss-Kahn äusserte sich indes nicht. Über seine Anwälte William Taylor und Amit Mehta liess er nur mitteilten, er sei «froh, in der Angelegenheit eine Lösung erzielt» zu haben.

Spekulationen über Umfang der Einigung

Strauss-Kahns Anwälte hatten bereits vergangenen Monat eingeräumt, dass es Verhandlungen um eine aussergerichtliche Einigung in dem Fall gegeben habe. Sie dementierten aber einen Bericht der französischen Zeitung « Le Monde», wonach «DSK» eingewilligt habe, Diallo sechs Millionen Dollar (4,6 Millionen Euro) zu zahlen.

Nach Angaben von Richter Douglas McKeon kam es auch zu einer Beilegung einer Klage Diallos gegen die Zeitung «New York Post.» Das Blatt hatte sie in einer Serie von Artikeln als Prostituierte bezeichnet, die sich in einem Hotel verkauft habe. Auch in diesem Fall blieben die Details der Vereinbarung unter Verschluss. Eine Sprecherin der Zeitung lehnte jeden Kommentar zunächst ab.

In Frankreich ist für Strauss-Kahn der juristische Ärger um seine Affären noch nicht ausgestanden. Der frühere IWF-Chef erfährt erst am 19. Dezember, ob weiter gegen ihn wegen Zuhälterei ermittelt wird. Strauss-Kahns Anwälte hatten gefordert, die Anklage fallen zu lassen. Der 63-Jährige hatte in Paris und Washington an Sex-Partys teilgenommen und dies auch eingeräumt. Laut seinen Anwälten wusste er aber nicht, dass dabei anwesende Frauen Prostituierte waren.

(dapd)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Norbert am 11.12.2012 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    Das Update war notwendig!

    Das Update war notwendig, denn der erste Artikel hat wichtige Fakten nicht genannt. Zum Beispiel die Höhe der Entschädigung. Es ist doch erstaunlich, wie sich reiche Menschen eine Vergewaltigung leisten können und sich dann mit 4,6 Millionen freikaufen können. Und nein, das ist doch kein Schuldeingeständnis!

  • Sabine am 11.12.2012 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    Freikäufer

    Immer wieder das gleiche Lied. Wer Geld hat kauft sich Frei wer nicht landet hinter Schwedischen Gardinen. Geld raubt dem Menschen den Verstand.

    • R.t. am 11.12.2012 10:06 Report Diesen Beitrag melden

      Naja...

      Zitat von Hans Hansen: Recht und Gerechtigkeit sind vor Gericht keine Geschwister... Das Recht bekommen, ist langwierig und sehr teuer. Ein Deal ist ein Schlusspunkt und für alle Beteiligten endlich Ruhe. Siehe: Der Fall Andreas Türck... Der Fall Kachelmann... Auch ein Freispruch mangels Beweisen hinterlässt Zweifel. Was wirklich vorgefallen ist wissen immer nur die zwei beteiligten Personen. Ob ein Deal, oder Freispruch, Zweifler/Besserwisser sind immer da.

    einklappen einklappen
  • Pp am 11.12.2012 07:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Money

    Mit Geld kann man sich alles kaufen. Auch in der Schönen Schweiz.

  • jasmin am 11.12.2012 06:53 Report Diesen Beitrag melden

    und warum......

    und warum zahlt er dann wenn es kein schuld eingeständnis ist? kopfkratzen

  • DieFeuerlilie am 11.12.2012 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Schuldeingeständnis?

    Klar.. ich bezahle ja auch Bussen, wenn ich garnicht gefahren bin..