Deutschland

08. März 2018 09:25; Akt: 08.03.2018 14:16 Print

Gabriel wird aussortiert – Maas übernimmt

Der Aussenminister soll laut deutschen Medien in der neuen Grossen Koalition kein Amt mehr bekleiden. An seine Stelle soll Heiko Maas treten.

Muss seinen Stuhl räumen: Sigmar Gabriel neben der deutschen Kanzlerin Angela Merkel. Video: Tamedia/AFP
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Der bisherige deutsche Aussenminister Sigmar Gabriel wird der neuen Bundesregierung nicht mehr angehören. Das teilte der SPD-Politiker am Donnerstag auf Twitter und Facebook mit. Gabriels Abgang ist keine Überraschung.

Die SPD-Fraktions- und designierte Parteichefin Andrea Nahles sowie der kommissarische SPD-Chef Olaf Scholz hätten ihn über diese Entscheidung informiert, erklärte der 58-Jährige, dem ein zerrüttetes Verhältnis zu den beiden Parteigenossen nachgesagt wird.

Gabriels Posten soll der bisherige Bundesjustizminister Heiko Maas übernehmen. Das berichteten «Focus Online» und der «Spiegel» am Donnerstag.

Er sei nach wie vor gewählter Abgeordneter des Bundestags, schrieb der frühere Parteichef der Sozialdemokraten weiter. «Aber nun endet die Zeit, in der ich politische Führungsaufgaben für die SPD wahrgenommen habe.»

Er habe 18 Jahre lang für Deutschland und die SPD in leitenden Funktionen gearbeitet. «Es war eine spannende und ereignisreiche Zeit, die mir grosse Chancen und Erfahrungen eröffnet hat, die weit über das hinaus gingen, was ich mir als am junger Mensch zu träumen gewagt hätte.»

Das sei eine «grosse Ehre» gewesen, für die ich tiefe Dankbarkeit empfinde«. Er wünsche der neuen Bundesregierung und seiner Partei »von Herzen« Erfolg für die Bewältigung der grossen Herausforderungen zum Wohle Deutschlands und Europas.

Seit langem Spekulationen

Darüber, dass Gabriel dem neuen Kabinett der grossen Koalition nicht mehr angehören könnte, war seit längerem spekuliert worden. Er hatte nicht zuletzt wegen seiner Kritik an dem inzwischen zurückgetretenen Ex-Parteichef Martin Schulz Unmut aus den eigenen Reihen auf sich gezogen.

Gabriel hatte im Februar der SPD-Spitze Wortbruch vorgeworfen, nachdem der damalige Parteichef Schulz das Aussenministerium für sich beansprucht hatte. Vor allem das Instrumentalisieren seiner Tochter wurde ihm in der Partei als Boshaftigkeit ausgelegt.

»Meine kleine Tochter Marie hat mir heute früh gesagt: 'Du musst nicht traurig sein, Papa, jetzt hast Du doch mehr Zeit mit uns. Das ist doch besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht'«, hatte Gabriel der Funke-Mediengruppe gesagt.

SPD-Entscheid bis Freitag

Nach Ansicht von Linken-Chef Bernd Riexinger ist Gabriels Abgang keineswegs ein Signal für die Erneuerung der SPD. Vielmehr würden Nahles und Scholz die Gunst der Stunde nutzen, einen Widersacher »ins Abseits zu schieben", sagte Riexinger der Nachrichtenagentur AFP.

Nahles und Scholz wollen die SPD-Mitglieder der künftigen Bundesregierung am Freitag bekanntgeben. Als Vizekanzler und Finanzminister gesetzt ist Hamburgs bisheriger Regierungschef Scholz.

Die erneute Wahl von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ernennung der Minister ist für kommenden Mittwoch geplant. Danach soll die neue Regierung aus CDU, CSU und SPD vereidigt werden.

Auch Umweltministerin Hendricks scheidet aus

Auch die bisherige Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) ist in der künftigen Regierung nicht mehr vertreten. «Ich werde der neuen Bundesregierung nicht angehören», sagte Hendricks der «Rheinischen Post» (Freitagausgabe). Sie gehe mit einem «guten Gefühl» aus dem Amt.

(nag)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daisydream am 08.03.2018 10:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Daneben

    Die haben ganz einfach einem Kritiker und Gegenspieler bei der ersten Gelegenheit den Ast abgesägt. Man kann ja seine Meinung über Herrn Gabriel haben, positive und negative, aber einfach so kalt gestellt zu werden.....die Politik ist eben doch eine Schlangengrube.

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  • Mani Motz am 08.03.2018 09:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Schade und bedenklich, wenn die Besten zugunsten von ...... aussortiert werden.

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  • Reto Signorell am 08.03.2018 11:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was zu erwarten war.

    Man mag von Gabriel halten was man will, aber den Posten des Aussenministers hat er gut erledigt, soweit ich das beurteilen kann. Leider ist das Konkurrenz denken wiedermal grösser, statt dass man eine gute Arbeit goutiert! Tschüss SPD!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Aram am 08.03.2018 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    mit Maas

    kann es nicht mehr schlimmer werden. Obwohl Merkel... naja!

  • Politico am 08.03.2018 19:43 Report Diesen Beitrag melden

    Gabriel war nicht tragbar

    Sigmar Gabriel ist durchaus symphatisch. Die Bundesregierung sollte allerdings ein Manschaftsspiel sein. Gabriel hat viele Entscheidungen getroffen, die nicht abgesprochen waren. Weder mit der SPD, noch mit seinen Kabinettskollegen.

  • Peter am 08.03.2018 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Das könnte sich einmal rächen. Never change a winning minister!

  • Manfred am 08.03.2018 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    Es fehlen noch einige

    eigentlich müssten noch gaaaaanz viele aussortiert werden, gaaanz viele! Oben angefangen, damit die, die den Plan haben endlich mal Politik für Deutschland machen können

  • ivonne am 08.03.2018 19:08 Report Diesen Beitrag melden

    mutig

    poggenburg wäre ein toller aussenminister. die aussagen über die türkei waren einfach spitze