Confederations Cup

17. Juni 2013 19:44; Akt: 17.06.2013 20:19 Print

So brutal begann der WM-Testlauf in Brasilien

Vor dem Confed-Cup gab es zahlreiche Proteste gegen die Ausrichtung der Fussball-WM 2014. Brasiliens Präsidentin liess die Demonstranten mit Tränengas und Pfefferspray vertreiben.

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15. Juni 2013: Die Polizei setzt bei den Kundgebungen Polizei Tränengas, Gummigeschosse und Pfefferspray ein. (Bild: Keystone/Marcello Casal)

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Vor dem Beginn des Confederations Cup haben Tausende Menschen in Brasilia, São Paulo und Rio de Janeiro gegen die Ausrichtung der Fussball-WM in Brasilien demonstriert. Das Geld für die Fussball-WM 2014 (und den Olympischen Spielen 2016) könnte für andere Zwecke sinnvoller genutzt werden, lautet die Kritik der Protestierenden. Viele Brasilianer stossen sich an der «WM für Reiche». Sie nennen sie «Copa da Corrupcao», den Cup der Korruption. Der Confederations Cup gilt als Testlauf für die WM in Brasilien 2014.

Die Kundgebungen begannen am Samstag vor dem Estádio Nacional Mané Garrincha in der Hauptstadt Brasilia, wo der Gastgeber und Japan den Confed Cup eröffnen sollten. Nach dem Spiel zogen die Demonstranten zu anderen Orten weiter. Viele Fussball-Fans hatten sich aufgeregt, weil es an den Imbissbuden im National-Stadion zu wenig Getränke gab. Ausserdem hatten die Verantwortlichen nicht genug Personal aufgeboten. In der Pause zwischen den zwei Halbzeiten bildeten sich lange Warteschlangen und viele Zuschauer verpassten daher das zweite Tor ihrer Seleção.

Alles überteuert

Auch die Preise der Getränke machten die Fans wütend: Sechs Reais (etwa 2,60 Franken) hatten sie für eine kleine Wasserflasche zu bezahlen. Ein Hotdog mit Bier kostete 20 Reais (8.60 Franken). Die Brasilianer fragen sich inzwischen, «für wen diese WM gemacht wird». Die Strassen seien jetzt schon vom steigenden Verkehr überlastet und die Kriminalität nicht unter Kontrolle.

Sportminister Aldo Rebelo sprach gegenüber dem Internetportal «Uol» von der «Gentrifizierung», der Entwicklung sozialer Ungleichheit: «Da muss die Regierung etwas tun», forderte er vom Umfeld der Präsidentin Dilma Roussef.

«Schaffen wir das?»

Die Demos hätten nach Angabe der Sicherheitsbehörden rund drei Stunden gedauert. Zudem, so der Sprecher, habe es keine Ausschreitungen gegeben. Doch örtliche Medien berichten Anderes: Die Demonstranten haben in der Nähe des Stadions Besenstiele und Pneus verbrannt. Die Polizei antwortete mit Tränengas, Gummigeschosse und Pfefferspray.

In den Nachrichten wird nun darüber diskutiert, wie die Regierung jetzt «der Welt weissmachen will, dass sie für Sicherheit sorgen kann, wenn wir nach zwei Demos ein derart trauriges Bild abgeben, mit Hunderten von Verletzten und Verhafteten, mit Repression und Vandalismus?»

Schlechtes Image für die Polizei

Der Gouverneur des Bundesstaats São Paulo, Geraldo Alckmin, ist einer der wenigen, der die Massnahmen von Präsidentin Roussef verteidigt – und das als Mitglied der Oppositionspartei Partido da Social Democracia Brasileira (PSDB). Trotzdem ist er der Meinung, dass «die Übergriffe der Polizei untersucht werden» müssen. Aus Roussefs Partei PT (Partido dos Trabalhadores) regnete es nur Kritik: «Die Polizei hat sich damit ein schlechtes Image aufgebaut», meint São Paulos Bürgermeister Fernando Haddad.

Der Fussball-Weltverband Fifa sieht das Sportspektakel - noch - nicht gefährdet. «Wir respektieren das Recht der Menschen auf Meinungsfreiheit und haben vollstes Vertrauen in die Behörden. Und die Proteste stehen, soweit wir wissen, nicht in direktem Zusammenhang mit dem Event», sagte FIFA-Sprecher Pekka Odriozola am Samstag in Rio de Janeiro.

Auch das OK-Team ist positiv eingestellt: «Alle Umfragen zeigen, dass die grosse Mehrheit der Bevölkerung hinter der WM und dem Confed Cup steht und besonders die infrastrukturellen Verbesserungen, die sich dadurch ergeben, begrüssen», sagte der Sprecher Saint-Clair Milesi.

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Søren van Bergen am 17.06.2013 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pfeffer

    Jaja. Pfefferspray brennt in den Augen. :S

  • zulu am 17.06.2013 23:43 Report Diesen Beitrag melden

    zulu

    ...ist wie an der WM in Süd Afrika...

  • Meyer, Gabriel am 18.06.2013 04:29 Report Diesen Beitrag melden

    Endilch!!

    Die Wut ist nicht gegen die WM an sich sondern gegen die Korruption die in Brasilien allgegenwartig ist. Es began letzte Woche in Sao Paulo als die Billett-preise angehoben wurde und man im Facebook Proteste abmachte. Weil die Polizei beim zweiten Protest sehr gewaltsam reagierte haben sich viele tausende veranlasst gefuhlt auf die Strassen zu gehen um gegen die Gaunerai der Politiker zu reagieren. Seit uber 20 Jahren giebt es hier keine grossen Massenbewegungen wie jetzt. Endlich wachen die Menschen hier auf!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Luciano am 18.06.2013 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schande

    Das ist eben die Welt an sem wir Leben. In Süd Afrika war das nich viel schlimmer. Der Mensch kommt immer an zweiter Stelle.

  • Jacky am 18.06.2013 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brot und Spiele

    m.M. nach werden diese sogenannten Sportanlässe immer mehr zum Ruin gewisser Länder! Wie geht es den Stadien in Afrika.? In der Ukraine wurde zig Hunde aufs brutalste ermordet! In Katar werdenen Mnschenrechte wähend dem Bau mit Füssen getreten usw usw....Die Basilianer habe zu Recht einen Hals auf die WM Ausrichter und den Staat! Aber eben, der alte Cäser wusste schon wies läut-Brot und Spiele- nur war das Brot damals gatis!

  • bruni am 18.06.2013 05:18 Report Diesen Beitrag melden

    ein Witz eine WM in einem drittwelt land

    völliger Witz das eine WM immer wieder mal in einem drittwelt land ausgeführt werden soll. da verdienen eine Handvoll menschen Millionen wenn nicht gar Milliarden an dem specktakel. der rest zahlt die zeche...!

  • Meyer, Gabriel am 18.06.2013 04:29 Report Diesen Beitrag melden

    Endilch!!

    Die Wut ist nicht gegen die WM an sich sondern gegen die Korruption die in Brasilien allgegenwartig ist. Es began letzte Woche in Sao Paulo als die Billett-preise angehoben wurde und man im Facebook Proteste abmachte. Weil die Polizei beim zweiten Protest sehr gewaltsam reagierte haben sich viele tausende veranlasst gefuhlt auf die Strassen zu gehen um gegen die Gaunerai der Politiker zu reagieren. Seit uber 20 Jahren giebt es hier keine grossen Massenbewegungen wie jetzt. Endlich wachen die Menschen hier auf!

  • g. bernasconi am 18.06.2013 03:20 Report Diesen Beitrag melden

    Kleiner Ratschlag

    Brasilien (und nicht nur) kann ich nur sagen: bezahlt die Lehrer wie die Fussballer (und andere Spitzensportler) und das Problem ist geloest!