Kopfschuss auf Palästinenser

08. Mai 2018 13:54; Akt: 08.05.2018 13:54 Print

Soldat kommt frei, weil Bruder Hochzeit feiert

Sein Fall hatte für Aufsehen gesorgt: Der israelische Soldat Elor Asaria tötete einen Palästinenser per Kopfschuss. Jetzt wurde er vorzeitig aus der Haft entlassen.

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In Israel ist ein Soldat vorzeitig aus der Haft entlassen worden, damit er an der Hochzeit seines Bruders teilnehmen kann. Elor Asaria war wegen der gezielten Erschiessung eines schwer verletzten Palästinensers verurteilt worden. Er konnte am Dienstag das Militärgefängnis Zrifim bei Tel Aviv nach neun Monaten Haft verlassen, wie ein Armeesprecher mitteilte. Zunächst war er zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt worden, die Haft wurde dann aber mehrmals verkürzt.

Der Fall Asaria hatte in Israel und weltweit hohe Wellen geschlagen: Die Militärführung hatte Asaria für die Tötung des wehrlos am Boden liegenden Palästinensers scharf kritisiert. Sie sah in Asarias Verhalten einen Verstoss gegen den militärischen Ehrenkodex der Armee. Menschenrechtsorganisationen sprachen von einer regelrechten «Hinrichtung».

Held in rechten Kreisen

In rechten Kreisen wurde der Soldat hingegen wie ein Held gefeiert. Rechte Politiker nahmen ihn in Schutz, auch Ministerpräsident Benjamin Netanyahu setzte sich für seine Begnadigung ein.

Der Fall hatte auch deswegen grosses Aufsehen erregt, weil Asarias Vorgehen auf Videoaufnahmen dokumentiert ist, die in sozialen Medien weite Verbreitung fanden. Die Aufnahmen zeigen, wie Asaria im März 2016 im besetzten Westjordanland den bereits wehrlos am Boden liegenden Palästinenser Abdul Fatah al-Scharif tötet.

Kopfschuss nach elf Minuten

Dieser hatte zuvor mit einem Komplizen einen israelischen Soldaten mit einem Messer angegriffen und leicht verletzt. Nachdem andere Soldaten auf ihn geschossen hatten, lag Scharif blutend auf der Strasse, ehe der Militärsanitäter Asaria nach elf Minuten an ihn herantrat und ihn mit einem Kopfschuss tötete.

Asaria hatte vor dem Militärgericht argumentiert, er habe befürchtet, Scharif hätte einen Sprengstoffgürtel zünden können. Die Richter stuften dies allerdings als nicht glaubhaft ein.

(mlr/afp)