Endstation Europa

08. November 2012 21:10; Akt: 08.11.2012 21:22 Print

Täglich 5 Tote an Europas Aussengrenzen

Beim Versuch, illegal in die EU zu kommen, starben im vergangenen Jahr mindestens 2000 Menschen. Am tödlichsten ist für die Migranten das Meer an der Südgrenze des Kontinents.

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An den europäischen Grenzen sind im vergangenen Jahr im Durchschnitt fünf Menschen pro Tag bei Versuchen der illegalen Einreise gestorben. Mindestens 2000 Menschen hätten im vergangenen Jahr an den EU-Aussengrenzen den Tod gefunden, gab das Netzwerk Migreurop am Donnerstag in Paris bekannt.

Dem Netzwerk gehören etwa 40 Organisationen aus Europa und Afrika an, die sich für den freien Zugang zur Europäischen Union einsetzen. Die Zahlen für 2011 liegen aufgrund des Militäreinsatzes gegen Libyen deutlich höher als im Jahr davor, als etwa 320 Tote gezählt wurden.

16 250 Tote in den letzten 20 Jahren

Nach Angaben von Migreurop kamen in den vergangenen 20 Jahren an den europäischen Aussengrenzen mindestens 16 250 Migranten ums Leben - durch Ertrinken, Ersticken, Hunger, Kälte oder Suizid. Fast 13 000 davon verschwanden im Meer an den Südgrenzen der EU, davon wiederum etwa 6000 im Golf von Sizilien, 2500 bei Gibraltar und fast 3000 im Umfeld der Kanarischen Inseln. Die Grenze zwischen Polen und der Ukraine sei eine weitere, besonders tödliche Zone für Flüchtlinge.

Die Zählung stützt sich auf eine Liste, die von einer in Amsterdam ansässigen Vereinigung auf der Basis von Zeitungsartikeln und Mitarbeitern vor Ort erstellt wurde. Einer aktualisierten Fassung zufolge, die der Nachrichtenagentur AFP vorlag, kamen in diesem Jahr bis zum 25. Oktober 722 Menschen an den EU-Aussengrenzen ums Leben. In den vergangenen zwei Wochen starben nach Angaben aus Marokko zudem 90 Menschen im Mittelmeer.

Unvollständige Zählung

Nach Angaben von Migreurop sind nur die Opfer gezählt, deren Leichen gefunden wurde oder über deren Tod später Überlebende etwa von Schiffsunglücken berichteten. Boote mit Flüchtlingen, die untergehen und bei denen keine Überlebenden gerettet werden, wurden entsprechend nicht eingerechnet. Das Netzwerk prangerte die restriktive Einwanderungspolitik der EU an und sprach von einem «Krieg gegen Migranten». Die Verstärkung der Grenzkontrollen habe an den Flüchtlingsströmen nichts geändert, nur würden die Menschen nun grössere Risiken eingehen.

Harsche Kritik übte Migreurop auch am Verhalten der Militärs der NATO während des Libyen-Einsatzes; trotz massiver Präsenz im Mittelmeer sei in Seenot geratenen Flüchtlingen nicht geholfen worden.

(sda)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bea Grübel am 09.11.2012 09:34 Report Diesen Beitrag melden

    Und wir wenigen Schweizer sind schuld

    wie lange dauert es wohl noch bis uns TV und Zeitung erklären, dass wir Schweizer am Tod dieser Flüchtlinge Schuld sind und dafür bezahlen müssen? kommt noch...

  • Hargot Arbenmaier am 09.11.2012 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    Hat das so eine Zukunft?

    Bei der heutigen Arbeit-, Wirtschafts- und Umweltlage, hat es weder Platz noch Arbeit in Europa, für noch mehr Menschen. Die UNO muss in der Zukunft, viel mehr druck auf die Länder ausüben, aus denen die Flüchtlinge stammen. Niemand Flüchtet einfach nur so aus Spass!!! Es ist auch Sozial gefärlich, wenn illegale Einwanderer zu absoluten Hungerlöhnen, den Menschen mit den tiefsten Einkommen die Arbeit wegnehmen. In Südafrika wurden aus diesem Grund, einige 1000 illeagale Immigranten ermordet. Ich glaube Europa ist da auch nicht mehr weit davon entfernt.

  • Hargot Arbenmaier am 09.11.2012 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    Hat das so eine Zukunft?

    Bei der heutigen Arbeit-, Wirtschafts- und Umweltlage, hat es weder Platz noch Arbeit in Europa, für noch mehr Menschen. Die UNO muss in der Zukunft, viel mehr druck auf die Länder ausüben, aus denen die Flüchtlinge stammen. Niemand Flüchtet einfach nur so aus Spass!!! Es ist auch Sozial gefärlich, wenn illegale Einwanderer zu absoluten Hungerlöhnen, den Menschen mit den tiefsten Einkommen die Arbeit wegnehmen. In Südafrika wurden aus diesem Grund, einige 1000 illeagale Immigranten ermordet. Ich glaube Europa ist da auch nicht mehr weit davon entfernt.

  • jkummer am 09.11.2012 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    Nur logisch

    Wenn man sieht unter welch elenden Umständen ein Grossteil der Bevölkerung eines ganzen Kontinents leben muss,wundert es nicht,dass sie zu uns wollen. Es wird Zeit,diese Länder gezielter zu fördern und vorallem kein Geld mit ihren Unterdrückern zu verdienen,sondern diese zu ächten.

    • Hugo Hugentobler am 09.11.2012 11:42 Report Diesen Beitrag melden

      Ohne Fleiss kein Preis!

      Wie wäre es, es erst einmal mit Arbeit im eigenen Land zu versuchen, anstatt immer zu jammern? Liegen in Europa oder gar in der Schweiz Erdöl und Diamantenfelder? Auch wir mussten durch die harte Arbeit unserer Väter und Vorväter unseren heutigen Wohlstand erst verdienen. Nur ins "gelobte Land" kommen und die hohle Hand machen, reicht da einfach nicht aus. Vielleicht sollten die "Hilfswerke" mal die Flüchtlinge richtig aufklären. Ohne Fleiss kein Preis!

    • Rene Wetter am 09.11.2012 14:36 Report Diesen Beitrag melden

      Das ist eine Investition

      Es ist nicht so, dass die Ärmsten und Schwächsten fliehen, die können es gar nicht, denn so eine illegale Reise nach Europa kostet. und braucht Kraft. Die Familie legt zusammen und schickt den Stärksten hoch, eine Investition, denn man erwartet dass dieser dann Geld in die Heimat schickt. Auch ein Grund warum sich diese Leute verzeifelt gegen eine Abschiebung wehren, die haben nichts zu lachen wenn sie mit leeren Händen zurückkommen. Oft hat sich die Familie auch bei Wucherer verschuldet. Das ist eine Industrie

    • jkummer am 09.11.2012 16:46 Report Diesen Beitrag melden

      @Hugo

      Die wollen nicht die hohle Hand machen sondern arbeiten. Die Bodenschätze werden von ausländischen Firmen abgebaut.Dies unter Mithilfe korrupter Regierungen.Das ist wohl das grösste Problem.Oder sieht es z.B. in Nigeria so aus,als hätte die Bevölkerung Anteil am Ölreichtum?

    einklappen einklappen
  • Hans Schmidt am 09.11.2012 08:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ertrunken?

    Was passiert mit den Menschen zwischen Polen und der Ukraine?