Proteste in Ungarn

03. Dezember 2012 00:28; Akt: 03.12.2012 09:50 Print

Tausende demonstrieren gegen Nazismus

In Budapest haben mehr als zehntausend Menschen mit Plakaten, Fahnen und Sprechchören gegen Nazismus demonstriert. Auslöser waren Äusserungen eines Parlamentsabgeordneten der rechtsradikalen Partei Jobbik.

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Budapest Mehrere tausend Menschen haben am Sonntag in Budapest gegen Antisemitismus demonstriert. Auslöser waren Äusserungen des Parlamentsabgeordneten Marton Gyöngyösi von der rechts-radikalen Partei Jobbik (Die Besseren).

Dieser hatte verlangt, man müsse die jüdischen Regierungs- und Parlamentsmitglieder «erfassen». Gyögyösis Bemerkungen hatten in Ungarn einen Sturm der Empörung ausgelöst. Die rechts-konservative Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban verurteilte die Äusserungen Gyöngyösis erst mit Verzögerung.

Viele Menschen erinnerte die Forderung nach einem «Erfassen» der Juden an die Registrierungen im Zweiten Weltkrieg, die der Deportation von über einer halben Million ungarischer Juden nach Auschwitz vorausgegangen waren.

Protest von allen Parteien unterstützt

Bei der Kundgebung auf dem Kossuth-Platz vor dem Parlament, zu der das Bündnis NEM (Bewegung gegen Neonazis) aufgerufen hatte, trat auch der Fraktionschef der Regierungspartei Fidesz, Antal Rogan, auf. Auch die anderen Redner, Attila Mesterhazy, der Vorsitzende der Ungarischen Sozialistischen Partei (MSZP), und Gordon Bajnai vom Oppositionsbündnis Gemeinsam 2014, sprachen sich gegen antisemitische Erscheinungen im öffentlichen Leben Ungarns aus.

Später entschuldigte sich Gyongyosi bei «unseren jüdischen Landsleuten». Gleichzeitig fügte er hinzu, Ungarn müsse wachsam sein im Hinblick auf das zionistische Israel und «denen, die ihm von hier aus dienen».

Sozialisten wollen Sitzungen boykottieren

Im Holocaust, der von den Nationalsozialisten betriebenen Vernichtung der europäischen Juden, wurden schätzungsweise 550'000 ungarische Juden umgebracht. Der Vorsitzende der ungarischen Sozialisten, Attila Mesterhazy, kündigte an, seine Partei werde alle Sitzungen des aussenpolitischen Ausschusses des Parlaments boykottieren, so lange Gyongyosi dessen stellvertretender Vorsitzender sei.

(sda/dapd)