Auch Kinder unter Opfern

14. Mai 2018 16:41; Akt: 14.05.2018 18:53 Print

Zahl der Toten im Gazastreifen steigt auf 52

Vor der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem ist es beim Gazastreifen zu gewaltsamen Protesten gekommen. Palästinenser sprechen von zahlreichen Toten und über 1000 Verletzten.

Bildstrecke im Grossformat »
Die Gewalt im Gazastreifen eskaliert: Die Zahl der Toten und Verletzten steigt. Die US-Präsidententochter Ivanka Trump und der US-Finanzminister Steven Mnuchin enthüllten unter massiven Sicherheitsvorkehrungen und in Anwesenheuit von 800 Gästen eine Tafel und Siegel an dem bisherigen Konsulatsgebäude. Derweil ... ... kam es im Gazastreifen zu gewalttätigen Protesten, bei denen nach palästinensischen Angaben mindestens 41 Palästinenser getötet und hunderte weitere verletzt wurden. Trump selbst reiste nicht nach Jerusalem. Er erklärte in einer Videobotschaft aus Washington, die während der Eröffnungszeremonie am Montag übertragen wurde, sein Land bleibe einem dauerhaften Frieden im Nahen Osten verpflichtet. Er betonte, wie «jede andere souveräne Nation» habe Israel das Recht, über den Sitz seiner Hauptstadt zu entscheiden. «Unsere größte Hoffnung ist der Frieden», so Trump weiter. Das israelische Militär hatte Palästinenser zuvor beim Gazastreifen mit Flugblättern gewarnt, sich fernzuhalten: «Halte Dich fern vom Sicherheitszaun, terroristischen Aufrührern und gewalttätigen Demonstranten!». Auf anderen Flugblättern heisst es: «Erlaube es der Hamas nicht, Dich auf zynische Weise als ihre Marionette zu missbrauchen» oder «Rette Dich selbst und setze lieber darauf, Dir eine gute Zukunft aufzubauen!» Die Warnungen fruchteten nicht, wie aktuelle Bilder aus dem Grenzgebiet zeigen. 41 Palästinenser wurden gemäss palästinenischen Behörden von israelischen Soldaten an der Grenze zum Gazastreifen erschossen. Mehr als 900 Personen wurden verletzt. Am Sonntag hatte die im Gazastreifen herrschende Hamas Israel am Sonntag zur Aufhebung der seit mehr als einem Jahrzehnt andauernden Blockade des Gebiets am Mittelmeer aufgerufen. Die Hamas wird von Israel, EU und USA als Terrororganisation eingestuft und hat sich die Zerstörung des Staates Israel auf die Fahne geschrieben. Hunderte Personen wurden allein heute bei Zusammenstössen an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel verwundet. Seit Ende März sind bei gewaltsamen Konfrontationen von Palästinensern mit israelischen Soldaten an der Gaza-Grenze 55 Palästinenser getötet und Tausende verletzt worden (im Bild: Ein Mann ruht sich aus, neben sich Molotow-Cocktails). Der Zeitpunkt der Botschaftseinweihung in Jerusalem wird von vielen auch deswegen als Provokation gesehen, weil morgen die Palästinenser den Tag der Nakba (Katastrophe) begehen. An diesem Tag erinnern sie an Flucht und Vertreibung Hunderttausender Palästinenser im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948. Das Terrornetzwerk Al-Kaida drohte den USA mit Konsequenzen wegen der Botschafts-Verlegung: Der Chef des Terrornetzwerks, Aiman al-Sawahiri, rief Muslime vor der US-Botschaftseröffnung zum Jihad gegen die USA auf. Trumps Entscheidung habe gezeigt, dass Verhandlungen und «Beschwichtigungen» den Palästinensern nichts gebracht hätten, sagte al-Sawahiri. Er rief seine Anhänger auf, zu den Waffen zu greifen. Der Status Jerusalems ist einer der grössten Streitpunkte im Nahost-Konflikt. Die Palästinenser beanspruchen den 1967 von Israel besetzten und 1980 annektierten Ostteil Jerusalems als künftige Hauptstadt des von ihnen angestrebten eigenen Staates. Gemäss einer Umfrage des israelischen Demokratie-Instituts befürworten fast zwei Drittel der Israelis die Verlegung der US-Botschaft. «Das ist kein Traum, das ist Realität», sagte Bürgermeister Nir Barkat als er Anfang letzter Woche die neuen Strassenschilder zur US-Botschaft anbringen liess. Der Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem ist zunächst nur ein symbolischer. Von 1000 Mitarbeitern in Tel Aviv werden nur 50 dort arbeiten.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Nachmittag ist die US-Botschaft in Jerusalem offiziell eingeweiht worden. US-Präsident Donald Trump erklärte in einer Videobotschaft aus Washington, die während der Eröffnungszeremonie übertragen wurde, sein Land bleibe einem dauerhaften Frieden im Nahen Osten verpflichtet. Er betonte zugleich, wie «jede andere souveräne Nation» habe Israel das Recht, über den Sitz seiner Hauptstadt zu entscheiden.

Trump hatte im Dezember Jerusalem als Hauptstadt des israelischen Staates anerkannt und zugleich die Verlegung der Botschaft von Tel Aviv beschlossen. Er sagte nun in seiner kurzen Videoansprache: «Unsere grösste Hoffnung ist der Frieden». Trump und der US-Botschafter David Friedman sprachen von einem «historischen Moment».

Die Botschaftsverlegung ist allerdings ein Affront historischen Ausmasses für die Palästinenser, die den Ostteil von Jerusalem als Hauptstadt ihres eigenen Staates betrachten.

Die Einweihungszeremonie wurde von gewalttätigen Protesten im Gazastreifen begleitet, bei denen nach palästinensischen Angaben mindestens 52 Palästinenser getötet und hunderte weitere verletzt wurden. Das teilte das Gesundheitsministerium in dem Palästinensergebiet mit. Unter den Toten befinden sich offenbar auch «acht Kinder unter 16 Jahren», wie der palästinensische UNO-Botschafter Riyad Mansour bekannt gab.

Die Warnungen des israelischen Militärs, sich von der Grenze fernzuhalten, blieben ungehört (siehe Bildstrecke). Tausende Palästinenser versammelten sich im Verlauf des Tages im Gazastreifen an mehreren Punkten nahe der Grenze zu Israel. Israelische Soldaten und Grenzpolizisten setzen massiv Tränengas ein.

«Bewegender Tag für das Volk Israel»

Kleine Gruppen näherten sich Steine werfend dem schwer bewachten Grenzzaun zu Israel. Israelische Soldaten mit Schusswaffen bezogen auf der anderen Seite Position. Im Laufe des Tages werden Massenproteste an der Grenze erwartet.

Der US-Botschaftssitz in Jerusalem ist am Nachmittag im Beisein von rund 800 Gästen aus Israel und den USA eröffnet worden. Auch US-Finanzminister Steven Mnuchin, Präsidententochter Ivanka Trump sowie ihr Mann und Trump-Berater Jared Kushner waren anwesend.

US-Präsident Donald Trump gratulierte per Video-Botschaft.


Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu sprach von einem «bewegenden Tag für das Volk Israel und den Staat Israel». In der mit US-Flaggen geschmückten Stadt hiess es auf Plakaten: «Trump make Israel great again!»

54 Tote seit Ende März

Die Palästinenser haben in den vergangenen Wochen heftig gegen diesen Schritt protestiert. Sie beanspruchen den 1967 von Israel eroberten Ostteil Jerusalems als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates.

Am Dienstag jährt sich zudem zum 70. Mal die Nakba (deutsch: Katastrophe oder Unglück). An diesem Tag erinnern die Palästinenser an die Vertreibung und Flucht von rund 760'000 Landsleuten, die 1948 auf die Gründung des Staats Israel folgten.

Seit Ende März hat die israelische Armee bei den Protesten am Gazastreifen gegen Vertreibung und Landnahme bereits 54 Palästinenser erschossen.

(gux/sda)