NFL-Proteste

27. September 2017 21:49; Akt: 29.09.2017 17:25 Print

Trump ist im Streit mit Football-Stars im Vorteil

von Martin Suter - Die Protestaktion von Football-Stars gegen den US-Präsidenten ist womöglich von kurzer Dauer: Respekt vor der Flagge und Hymne ist in den USA heilig.

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Donald Trump wäre nicht Donald Trump, wenn er sich von Aktionen seiner Widersacher einschüchtern liesse. Am Dienstag doppelte der US-Präsident nach, als er über den breiten Protest von Football-Spielern der NFL gegen ihn gefragt wurde. «Mich hat das nicht von anderem abgelenkt», wehrte er sich an einer Pressekonferenz mit dem spanischen Premierminister Mariano Rajoy. «Ich schämte mich für das, was stattgefunden hat. Das war für mich ein sehr wichtiger Moment.»

Am Sonntag und Montag hatten über hundert Spieler der Topliga an stillen Solidaritätsaktionen teilgenommen. Sie knieten nieder oder hakten sich bei den Armen ein, während die Nationalhymne erklang. Damit protestierten sie gegen Trumps Forderung vom Freitag, wer die Hymne und die Flagge auf dem Spielfeld nicht ehre, sei ein «Hurensohn» und solle gefeuert werden.

Kaepernick ist jetzt arbeitslos

Als Erster war vergangenes Jahr Colin Kaepernick niedergekniet, der Quarterback der San Francisco 49ers. Er wollte damit eine Diskussion über Rassismus und Polizeigewalt anregen. Seitdem hat Kaepernick jedoch keinen Job bei einem NFL-Club mehr erhalten. Deren Besitzer liessen den schwarzen Aktivisten mit Afro-Frisur wegen der Kontroverse fallen.

Nach der Rüge Trumps zeigten Trainer und Clubbesitzer jedoch Solidarität. Wie viele seiner Kollegen ging Jerry Jones, der ergraute Eigner der Dallas Cowboys, zwischen seinen Spielern auf die Knie. Womöglich wehrte er sich gegen den Beeinflussungsversuch des Präsidenten. Der Protest gegen Rassismus verwandelte sich in einen Protest gegen Trump.

Politikerin kniet nieder

«Das ist der wichtigste Tag im Sport, seit [Muhammad] Ali sich entschloss, nicht in Vietnam zu kämpfen», sagte der Sportwissenschaftler Richard Lapchick zur «New York Times». Solidarität breitete sich aus. «Zu Ehren der Meinungsfreiheit» kniete die demokratische Abgeordnete Sheila Jackson-Lee im US-Repräsentantenhaus nieder. Der republikanische Stratege Karl Rove sagte am Sonntag voraus, aus dieser Kontroverse «wird Trump als Verlierer hervorgehen».

Der Präsident sieht das anders. Am Montagabend freute er sich an einem Dinner über die heftigen Reaktionen auf seine Rüge der Football-Liga. «Es hat eingeschlagen, es hat echt eingeschlagen», prahlte er laut CNN. «Ich sagte, was Millionen von Amerikanern denken.» Am Dienstag forderte er in einem neuen Tweet, die NFL solle das Niederknien während der Nationalhymne offiziell verbieten:

Ziemlich sicher ist Trump mit seiner Position näher beim Volk. In einer neuen Umfrage des Remington Research Institute erklären 64 Prozent der Amerikaner, NFL-Spieler sollten während der Nationalhymne respektvoll stehen bleiben. Nach der von Breitbart verbreiteten Sondierung halten das nur 25 Prozent nicht für nötig. Bedenklich für die Liga: 50 Prozent der Befragten sagten, aufgrund der Proteste der Spieler würden sie künftig weniger Spiele ihres Teams anschauen gehen.

Kampf gegen Multikulturalismus

Die Antworten in der Umfrage widerspiegeln die weit verbreitete Verehrung von nationalen Symbolen in den USA. Trump spielt geschickt darauf an. In einem anderen Tweet schrieb er, das Niederknien habe nichts mit Rasse zu tun. «Es geht um unser Land, die Flagge und die Nationalhymne. Die NFL muss das respektieren.»

Indem er den NFL-Protest von der Rassismusfrage auf Patriotismus umdefiniert, nimmt Trump Bewegungen wie die laut Umfragen in Misskredit gefallene «Black Lives Matter» zusätzlich den Wind aus den Segeln. Wie der Kolumnist David Brooks in der «New York Times» schreibt, zettelt Trump jeden Tag erneut einen Kampf gegen die dominierende Kultur an. «Er muss keine neue Kultur bauen oder eine Mehrheit erringen», schreibt Brooks. «Es reicht, dass er die alte Kultur niederreisst.»

So kritisierte Trump protestierende Football-Spieler am 22. September 2017:

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pragmatiker am 27.09.2017 22:38 Report Diesen Beitrag melden

    Immer dasselbe...

    Hat denn das Oberhaupt der Vereinigten Staaten von Amerika wirklich nichts besseres zu tun, als mit grenzdebilen Tweets die Weltpolitik aufzuregen und seit über einem Jahr schwelende Konflikte im Sport aufzuwärmen? Manchmal könnte man meinen, die hätten da drüben einen pubertierenden Halbschuh mit Aufmerksamkeitsdefizit ins Weisse Haus gewählt...

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  • Gimli am 27.09.2017 23:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Bericht

    Anscheinend hat wer auch immer diesen Bericht geschrieben hat keine Ahnung von der Protestaktion der NFL-Spieler geschwiegen denn von Football an sich. Erstens mal ist Kaepernik nicht wegen dieser Kontroverse arbeitslos sondern weil er schlicht nicht gut spielte. Zweitens wollen die Spieler mit dem Niederknien nicht die Flagge disrespektieren sondern auf den Unterschied zwischen Schwarzen und Weissen in den USA aufmerksam machen. Wenn ein Bericht schreiben, dann bitte auch gut recherchieren.

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  • Anony Mouse am 27.09.2017 22:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Niederknien?

    Ist doch eine Ehrerweisung an die Nationalhymne und das Land... wie wenn man zum beten niederkniet. Was haben die Amis für Komplexe?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nikos Vertis am 28.09.2017 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unsportlich

    politik im Spielfeld soll verboten werden.Den sport und die bekanntheit missbrauchen für solche unnötige respektlose aktion kein vorbild .man muss es akzeptieren das Trump der President ist und das sagen hat. ich kann mich nicht erinnern das jemand wegen irak oder andere länder die angegrifen wurden vom ehmalige Us Presidenten und Usa irgend wie protestiert haben oder ist es jetzt mode,wo waren sie die ganze zeit oder erhalten sie geld für die aktion ,ist schief gelaufen für das unnötige verhalten im spielfeld

  • mine am 28.09.2017 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrte Welt

    Die protestieren doch gar nicht gegen Amerika. Die protestieren nur gegen Trump. Hat doch gar nichts miteinander zu tun!

  • The Truth am 28.09.2017 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    schelchter Quarterback

    Kaepernick war auch ein schlechter Quaterback.

  • ChriguBern am 28.09.2017 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst gemachtes Problem

    Das "Problem" entsteht eigentlich nur, weil in den USA vor jedem grösseren Anlass (auch Sport-Veranstaltungen) die Nationalhymne gespielt wird. Weniger Patriotismus würde auch weniger Protest provozieren.

    • Nikos Vertis am 28.09.2017 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ChriguBern

      wen es einem nicht in der Usa gefehlt soll er Usa verlassen das ist nur ausgedacht um Trump zu zeigen das sie kein respekt haben und mode peinlich,was haben die anderen presidenten besser gemacht nichts

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  • Breiter Langbart am 28.09.2017 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    [..] näher beim Volk[..] gemäss Umfrage

    Bei der Umfrage die ihr hier erwähnt wird, wurden 1'633 Amerikaner befragt (Quelle: remingtonresearchgroup) ob die Spieler "should stand and be respectful". Mit anderen Worten: 1'000 Amerikaner haben gesagt, sie finden die Aktion nicht okay...