Handelsstreit

24. Mai 2018 02:30; Akt: 24.05.2018 09:13 Print

Trump lässt Importzölle auf Autos prüfen

US-Präsident Donald Trump droht im Handelsstreit mit der EU und anderen Wirtschaftsräumen nun der Auto-Industrie.

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«Nachdem eure Jobs jahrzehntelang ins Ausland verloren gingen, habt ihr lange genug gewartet»: US-Präsident Donald Trump. (23. Mai 2018) (Bild: Keystone/Jacquelyn Martin)

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US-Präsident Donald Trump droht im Handelsstreit mit der EU und anderen grossen Wirtschaftsräumen mit empfindlichen Importzöllen auf Autos. Trump erklärte am Mittwoch in Washington, er habe das US-Handelsministerium angewiesen, entsprechende Schritte zu prüfen.

Es müsse geklärt werden, ob die Auto-Importe einen Einfluss auf die nationale Sicherheit der USA hätten. Zuvor hatte das «Wall Street Journal» berichtet, Trump erwäge Schutzzölle auf eingeführte Autos von bis zu 25 Prozent.

Die USA sind nach China der zweitgrösste Exportmarkt der deutschen Automobilhersteller. 2017 exportierten diese nach US-Daten rund eine halbe Million Fahrzeuge in die USA.

Formell ordnete Trump eine Untersuchung nach dem so genannten Kapitel 232 an. Mit dem Schutz der nationalen Sicherheit hatte Trump auch die Schutzzölle auf Stahl und Aluminium begründet, von denen die EU noch bis zum 1. Juni ausgenommen ist. «Schlüsselindustrien wie Autos und Autoteile sind kritisch für die Stärke unserer Nation», erklärte Trump.

Empfindlicher Kostendruck

Für die europäischen Auto-Hersteller könnte mit den seit Monaten angedrohten Importzöllen empfindlicher Kostendruck entstehen. «Nachdem eure Jobs jahrzehntelang ins Ausland verloren gingen, habt ihr lange genug gewartet!», twitterte der US-Präsident. Das WSJ berichtete, der Plan für Autoimportzölle befinde sich aber noch in einem frühen Stadium und dürfte auf Widerstand von diversen US-Interessengruppen und ausländischen Handelspartnern stossen.

Für die europäischen und insbesondere die deutschen Autohersteller ist der Export in die USA von grosser Bedeutung: Europäische Hersteller fertigten nach Zahlen des Marktforschers Autodata nur rund 30 Prozent ihrer 2017 in den USA verkauften Fahrzeuge in Nordamerika. Dagegen produzieren die japanischen und koreanischen Hersteller 70 Prozent ihrer Autos dort.

Trump hatte bereits am 11. Mai bei einem Treffen mit Automobilherstellern erklärt, er plane Importzölle von 20 bis 25 Prozent auf einige Fahrzeuge, wie Reuters von Insidern erfuhr. Insbesondere habe er dort die deutschen Hersteller kritisiert. Für Volkswagen, Daimler und BMW sind die USA der zweitgrösste Exportmarkt nach China.

Streit über Zoll-Ungleichgewicht

Der US-Präsident hatte bereits kurz nach seinem Amtsantritt deutschen Autobauern mit einer Sonder-Steuer von 35 Prozent auf importierte Fahrzeuge gedroht. Als Grund dafür nannte Trump eine angebliche Ungleichbehandlung: Ein US-PKW wird bei der Einfuhr in die EU mit zehn Prozent verzollt, ein EU-Auto in den USA nur mit drei Prozent. Aus Sicht der Bundesregierung sieht das Bild anders aus, wenn man die in den USA beliebten SUVs und Vans einbezieht – dann schrumpfe der Abstand auf 4,3 zu 3,1 Prozent.

Der Vorstoss Trumps kommt kurz vor dem Auslaufen der Ausnahme für die EU von den neuen US-Schutzzöllen auf Stahl und Aluminium. EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström, die federführend mit den USA verhandelt, erwartet keine weitere Fristverlängerung. Der deutsche Aussenminister Heiko Maas sagte nach einem Treffen mit seinem US-Kollegen Mike Pompeo in Washington, Deutschland und die EU würden sich «in keinster Weise» mit dem Weg abfinden, den die USA eingeschlagen hätten. Über den Handel könne geredet werden. Aber nicht unter der Androhung von Strafzöllen. Die EU droht den USA mit Gegenmassnahmen.

Neben den deutschen Konzernen könnten Importzölle auf Autos auch asiatische Hersteller wie Toyota, Nissan oder Hyunday treffen. Die USA haben im vergangenen Jahr nach einer offiziellen Statistik 8,3 Millionen Autos importiert im Wert von 192 Milliarden Dollar. Davon kamen 2,4 Millionen aus Mexiko, 1,8 Millionen aus Kanada, 1,7 Millionen aus Japan und 500'000 aus Deutschland. Im gleichen Zeitraum exportierten die USA knapp zwei Millionen Autos im Wert von 57 Milliarden Dollar ins Ausland.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kiko Lindo am 24.05.2018 07:03 Report Diesen Beitrag melden

    Wer will schon amerikanische Autos

    Die USA sollte bessere / sparsamere Autos herstellen. Dann würde mehr exportieren.

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  • Rerruf am 24.05.2018 09:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Streit

    Der Potus schaut nur für sich. Überall wo er Strafzölle erheben will hat er bei den einheimischen Konkurrenzprodukten seine privaten Aktien platziert. Kommt er damit überall durch, wird auch er wieder Geld verdienen. Gleiches bei Öl/Gas usw. (Umwetschutz). Und Alle fallen darauf rein.

  • Reto am 24.05.2018 05:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der kleine Brandstifter wieder

    Dann eben 50% auf alles Amerikanische das nicht in der EU produziert wird. Ist dann beinahe alles aus Trumpiland.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • D. Hölscht am 24.05.2018 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    Zufall?

    In dem Moment, in dem Tesla an die Wand fährt, gleist der Downald ein Naturschutzprogramm für US-Autos auf. Ersetzt ihn bitte durch künstliche Intelligenz, dazu reicht der Quelltext eines Pong-Spieles.

  • kurt am 24.05.2018 15:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigentor

    damit würde er der US Wirtschaft viel mehr Schäden. wer würde sich im Ausland noch einen Ami kaufen. die verkaufen sich ja auch nur so gut weil so billig. ein Truck für 25k

  • Steff Moser am 24.05.2018 14:16 Report Diesen Beitrag melden

    Die Lügensteuer

    Europa macht dasselbe mit der CO2-Lügensteuer. Bekanntllich das ein Gas mit 0.038% Anteil in der Atmosphäre wenig Einfluss auf irgendwas, trotzdem wird diese Steuer auf US-Cars erhoben und selbst Teslas werden mit 10% Importsteuer belegt. Protektionismus pur. Warum sollten das die Amis nicht auch machen ?

  • Hene us F am 24.05.2018 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Ach so?

    Absolut richtig. Die USA erheben ca. 2% auf ausländische Autos und die EU der 10% auf US-Cars. Also sind da gut mal 8% in Ordnung

    • Tom - Bern am 24.05.2018 16:30 Report Diesen Beitrag melden

      @Hene - stimmt

      Allerdings könnten die EU-Zölle auf US-Cars auch komplett fallen. Diese Autos sind nicht so sehr gefragt, da sie, ausser viel Benzin zu verbrauchen, nicht viel können.

    • Steinwerfer am 24.05.2018 17:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hene us F

      BMW ist übrigens der viertgrösste Exporteur von Fahrzeugen die in den US-Werken gebaut werden.... hängen ja nur ein paar tausend Jobs von Amerikaner dran..

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  • M. Bargo am 24.05.2018 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    America First

    bewirkt bei mir das Gegenteil. Zurzeit überlege ich, wie ich meine Apple Computer am besten ersetze.

    • Ronny C. am 24.05.2018 14:19 Report Diesen Beitrag melden

      Der Starke und der Schwache

      @M. Bargo : Durch was ? Gibts ein brauchbares Nicht-US-Betriebssystem, Nicht-US-Datenbanken, Middleware, Prozessoren oder dergleichen ? Das Internet ist bekanntlich auch ein US-Produkt und die Root-Server sind zu 100% in US-Hand. Boykott-Geschwurbel können wir uns sparen, ist eher peinlich. Amerika rules the world, ob uns das passt oder nicht. Die EU hingegen ist schwach und kümmert sich lieber um Gender-Fragen.

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