Schutz vor Schul-Massakern

22. Februar 2018 01:45; Akt: 22.02.2018 11:36 Print

Jetzt will Trump den Lehrern Waffen geben

US-Präsident Donald Trump empfing im Weissen Haus Überlebende des Schulmassakers von Florida. Bewaffnete Lehrer könnten Angriffe rasch beenden, sagte er.

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US-Präsident Donald Trump sieht in einer Bewaffnung von Lehrern ein wirksames Mittel im Kampf gegen Schul-Massaker mit Schusswaffen. Er sagte am Mittwoch bei einem Treffen mit Überlebenden von Gewalttaten, bewaffnete Lehrer könnten Angriffe rasch beenden.

«Wenn es einen Lehrer gegeben hätte, der sich mit Feuerwaffen ausgekannt hätte – dies hätte sehr gut dazu führen können, den Angriff sehr schnell zu beenden», sagte Trump inmitten von Schülern im Weissen Haus. «Dies wäre natürlich nur etwas für Leute, die sehr geschickt im Umgang mit Waffen sind», sagte Trump. Entsprechende Lehrer sollten die Waffen versteckt tragen.

Trump sicherte zudem eine Verschärfung der Hintergrund-Recherchen zu Waffenkäufern zu. Dabei werde künftig auch strikt die geistige Verfassung der Waffenkäufer unter die Lupe genommen, sagte der Präsident.

Der Präsident traf mehr als eine Stunde lang Überlebende und Angehörige des Schulmassakers in Florida vom vergangenen Mittwoch. An der Marjorie Stoneman High School in Parkland hatte ein 19-Jähriger 17 Menschen erschossen.

«Wir müssen etwas tun»

«Es gab zu viele Zwischenfälle», sagte Trump unter Anspielung auf andere tödliche Schiessereien an Schulen, es habe danach zu viel leeres Gerede gegeben. «Wir müssen in dieser entsetzlichen Situation, die sich abspielt, etwas tun», sagte Trump.

Seinen Worten zufolge liegen nun mehrere Vorschläge auf dem Tisch. Neben dem verdeckten Tragen von Waffen in Schulen nannte er strengere Überprüfungen von Waffenkäufern und ein Heraufsetzen ihrer Altersgrenze. Ausserdem solle das Problem psychischer Erkrankungen angegangen werden, sagte Trump, ohne ins Detail zu gehen.


Opfer konfrontieren die Verantwortlichen: Donald Trump empfing im Weissen Haus Überlebende des Highschool-Massakers. (Video: Tamedia/AFP/AP)

Erschütternde Szenen im Weissen Haus

In der gut einstündigen Veranstaltung im Weissen Haus spielten sich erschütternde Szenen ab. Überlebende von Parkland und Angehörige der Opfer früherer Massaker baten Trump zum Teil unter Tränen, Änderungen im Waffenrecht durchzusetzen. Sie nannten als Gegenmassnahmen gegen Überfälle auch Präventionsprogramme, mehr Geld für psychisch Kranke und konsequentere Drills für Überfallsituationen an Schulen.

«Ich kann hier sein, viele andere meiner Klassenkameraden nicht, das bringt einen einfach um den Verstand», sagte Schülerin Julie Cordover, die das Massaker in Florida überlebte. «Kein Kind soll so etwas durchmachen müssen», sagte ihr Schulkamerad Matthew Blank. «Ich möchte einfach darum bitten, dass sich nun etwas ändert», sagte seine Mutter Melissa.

Präsident unter Druck

Trump steht nach den Toten von Parkland unter einigem Druck. Auf der anderen Seite ist seiner Anhängerschaft und sehr vielen Republikanern das Thema Waffen heilig. Sämtliche Vorschläge, die Trump in der emotional aufgeladenen Atmosphäre nach dem jüngsten Massaker nun genannt hat, müssten im Jahr der Kongresswahl durch Senat und Repräsentantenhaus. Das ist nicht sehr wahrscheinlich.

Am Mittwoch waren in Washington mehrere Hundert protestierende Schüler vom Kapitol vor das Weisse Haus gezogen. Auch in Florida gingen Hunderte auf die Strasse. Sie sagten, sie wollten in ihrem Kampf für ein strengeres Waffenrecht nicht nachlassen.

Gewalttaten wie der Amoklauf mit 17 Toten in Parkland im Bundesstaat Florida in der vergangenen Woche hatten der Bewegung für schärfere Waffengesetze Auftrieb verschafft. Am Mittwoch demonstrierten zahlreiche Menschen in Tallahassee, der Hauptstadt Floridas. Am 24. März ist eine Grossdemonstration in Washington geplant.

Bei dem Anschlag vor einer Woche in Parkland eröffnete ein 19-Jähriger mit einem Sturmgewehr des Typs AR-15 das Feuer. Dabei kamen mehr Menschen ums Leben als bei dem Massaker an der Columbine High School in Colorado 1999, das als Inbegriff der in den USA immer wieder vorkommenden Schul-Amokläufe gilt.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sofakrümel am 22.02.2018 03:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    USA und ihr Clown.

    Anstatt das Gesetz zu verschärfen verteilt man noch mehr Waffen. So löst man also Probleme.

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  • Bob Graal am 22.02.2018 02:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was anderes hätte ich nicht erwartet

    Eine typisch amerikanische Lösung...

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  • paramedicus am 22.02.2018 05:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ziel verfehlt

    Statt weniger Waffen will Trump mehr Waffen. Herzlichen Glückwunsch.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • wertzu am 22.02.2018 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    Bewaffneter Schutz von Schulen ist Legit

    Die Kommentare hier sind wieder mal absolut naiv. Jahr langes Trump bashing hat dazu beigetragen, dass alles was er sagt schlecht sein muss. Es ist doch klar, dass es weitere Amokläufe geben wird. Das ist nur eine Frage der Zeit. Egal welche Politischen Massnahmen jetzt getroffen werden, sie werden erst in Jahren eine Wirkung zeigen. Wenn überhaupt. In Anbetracht dessen sind sofort wirkende Massnahmen und Schutz der schulen durch Security legitim. Auf lange Sicht braucht es andere Massnahmen. Hauptsächlich sind es aber soziale, gesundheitliche und gesellschaftliche Hintergründe des Problems.

  • A.K. am 22.02.2018 14:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ohne Worte

    Toll. Dann sind die Waffen ja schon direkt vor Ort...

  • Phil am 22.02.2018 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    Kontraproduktiv....

    Man sollte die Misshandlung von Kindern und Jugendlichen mittels Psychopharmaka unterlassen. Eine Studie zur Untersuchung von 950 Gewalttaten zeigten einen gemeinsamen Nenner: Alle Täter waren auf Antidepressiva. Seit 1994 hat sich die Anzahl der Kinder (in den Vereinigten Staaten), bei denen eine bipolare Störung diagnostiziert wurde, um 4000% erhöht. In derselben Zeit verfünffachten sich die Verschreibungen von Neuroleptika auf schätzungsweise 2,5 Millionen Rezepte. Im mindesten sollte man den Waffenverkauf an Menschen welche Psychopharmaka einnehmen unterlassen.

  • ARGUS am 22.02.2018 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer mit Waffen ....

    ... Probleme lösen will, hat so oder so schon verloren. Sieht man sich die aktuellen Konfliktherde und Kriege an, müsste das jedem klar werden. Bewaffnet man die Lehrer, ist es nur eine Frage der Zeit bis Schüler aus diesen Waffen zu schaden kommen. Selbstjustiz ist und war noch nie eine Lösung!

  • R.P. am 22.02.2018 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit

    Ja klar! Super Idee! Bin gespannt, wann die erste Lehrperson austickt. Bei Lehrer hat man ja die absolute Sicherheit , dass die psychisch top fit sind. Sind ja auch absolut nicht belastet in ihrem Alltag...