Strafzölle definitiv

08. März 2018 21:52; Akt: 08.03.2018 23:20 Print

In 15 Tagen beginnt Trumps Handelskrieg

Die USA verhängen Strafzölle auf Aluminium- und Stahlimporte. Nur wenige Länder sind von der Massnahme ausgeschlossen.

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Die USA verhängen weltweite Einfuhrzölle auf Stahl in Höhe von 25 Prozent und auf Aluminium in Höhe von 10 Prozent. Ausgenommen werden zunächst nur die Nachbarn Mexiko und Kanada, wie Präsident Donald Trump am Donnerstag in Washington bekanntgab.

Die Zölle sollen innerhalb von 15 Tagen in Kraft treten. Trump unterzeichnete im Weissen Haus in Anwesenheit von Stahl- und Aluminiumarbeitern die beiden entsprechenden Proklamationen. Der Schutz der heimischen Stahl- und Aluminiumproduktion sei entscheidend für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten, hiess es.

Eine Klausel soll es allen Ländern jedoch ermöglichen, auf der Grundlage von Einzelfall-Verhandlungen Erleichterungen zu erreichen. Dafür müssten diese aber nachweisen, dass sie durch «alternative Mittel» den negativen Einfluss, den ihre Stahllieferungen auf die nationale Sicherheit der USA hätten, ausgleichen können. Die Verhandlungen werde auf US-Seite der Handelsbeauftragte Robert Lighthizer führen. Dieser ist als Hardliner bekannt.

EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström forderte umgehend, die EU von den Strafzöllen auszunehmen. «Die EU ist ein enger Verbündeter der USA, und wir glauben weiterhin, dass die EU von diesen Massnahmen ausgenommen werden sollte», erklärte sie am Donnerstagabend auf Twitter.

Trumps Schritt war in aller Welt und auch in den Vereinigten Staaten selbst auf erhebliche Kritik gestossen. Noch am Tag vor der Unterzeichnung der Proklamation hatten sich 107 Abgeordnete von Trumps eigener republikanischer Partei gegen die Massnahmen gewandt und in einem offenen Brief an den Präsidenten ihre «tiefe Besorgnis» zum Ausdruck gebracht.

Zölle sollen Arbeitsplätze sichern

Der Präsident hatte in mehreren Auftritten in den vergangenen Tagen Partnern – darunter auch der Europäischen Union – vorgeworfen, unfaire Handelspraktiken gegenüber den USA zu betreiben.

Die EU hatte ihrerseits angedroht, US-Produkte mit Vergeltungszöllen zu belegen - darunter Bourbon-Whiskey aus Kentucky und Tennessee. Auf einer Liste mit 200 Produkten kommen vor allem solche vor, die in für US-Wahlen wichtigen «Swing States» produziert werden. Auch Orangensaft aus Florida steht auf der Liste.

«Beide Branchen sind erheblich bedroht»

Das Weisse Haus begründete die Zölle unter anderem mit dem Verlust von Zehntausenden Jobs in der Stahl- und Aluminiumindustrie in den vergangenen 20 Jahren. US-weit existierten nur noch fünf Aluminium-Schmelzereien, nur zwei davon seien voll ausgelastet. 90 Prozent des Aluminiums würden importiert. «Beide Branchen sind erheblich bedroht», sagte ein hoher Beamter des Weissen Hauses.

Der wirtschaftliche Schaden in anderen Branchen werde sich in Grenzen halten. Nach Berechnungen des US-Handelsministeriums sollen sich die Zusatzkosten etwa für ein Flugzeug der Marke Boeing auf lediglich 25'000 Euro belaufen. Ein Sechserpack Bierdosen werde nur um 1,5 Cent teurer, hiess es aus dem Weissen Haus.

(chi/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin B am 09.03.2018 00:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heuchler! 

    Wo doch ein Großteil des Stahls, den er selber für seine Gebäude verwendet hat, aus China importiert wurde!! Unglaublich !

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  • Tom73 am 08.03.2018 22:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Protektionismus als Fallstrick

    Protektionismus verschärft lediglich die Konkurrenzsituation. Innovationsdruck wird dadurch eliminiert und damit die eigene Unfähigkeit, sich auf dem Markt zu behaupten, verdrängt. Langfristig geht das nicht auf.

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  • Morlem am 09.03.2018 04:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ob das was wird?

    Die Amerikaner sollten steigende Preise und ein Rückgang des Konsums, einhergehend mit Firmenpleiten einkalkulieren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • 666777 am 09.03.2018 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tatsachen

    Macht Euch doch ein bisschen schlau! Einfuhrzölle China 9.92 EU 5.16 USA bloss 3.48 / Importzölle EU 1.1 USA 1.6 China 8.4 Importzölle auf Aluminium EU 5.4 USA 2.3 China 6.8 Da ist vieles ungerecht ! Und Trump hat recht.

  • Andy am 09.03.2018 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    eine Boeing wird teurer?

    Warum wird ein amerikanisches Produkt teurer? Vielleicht will diese ihren Stahl auch im Ausland gekauft haben?

  • Phil am 09.03.2018 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist in etwa so.....

    Als ob ein Gemischtwahrenladen welcher bei all seinen Lieferanten in der Kreide steht, plötzlich auf allen Wahren welche nicht aus der eigenen Produktion stammen die Preise erhöht. Ob das gut geht wenn man die eigenen Gläubiger vor den Kopf stösst wage ich zu bezweifeln....

  • Beni am 09.03.2018 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Fördern der eigenen Wirtschaft

    Für Trump ist die USA Nr. 1! Er will die heimische Wirtschafte stärken, was er somit erreicht. Unsere Politiker würden solches nie wagen! Trump ist sicher nicht der beste Präsident aber das Wohl seines Landes ist Ihm das wichtigste und genau das mach einen Präsidenten aus.

  • Dani am 09.03.2018 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Man kann von Trump halten was man will, aber er hält wenigstens das was er im Wahlkampf versprochen hat. Und er nimmt der ätzenden Globalisierung ein wenig den Wind aus den Flügeln. Weiter so Mr. President!

    • Fakten für Trumpversteher am 09.03.2018 17:02 Report Diesen Beitrag melden

      Wendehals Trump

      Trump verspricht jedem alles und allen etwas anderes - er hält keine Versprechen ein. Auch die versprochenen Zölle wird er nicht einhalten. Mexiko und Kanada sind bereits ausgenommen. Die EU werden ebenfalls keine Zölle zahlen und viele andere Staaten auch nicht. Ansonsten ist Trump ein grosser Fan von Stahl auch China: Er hat schliesslich seine Häuser damit gebaut. Autsch.

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