Attentat auf US-Abgeordnete

08. November 2012 22:02; Akt: 08.11.2012 22:02 Print

Tucson-Schütze nicht zum Tode verurteilt

Der Attentäter, der die Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords schwer verletzte und sechs weitere Menschen tötete, muss lebenslang ins Gefängnis. Nur dank einem Geständnis entging er der Todesstrafe.

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Am 8. Januar 2011 wurden kurz nach zehn Uhr morgens Ortszeit Besucher einer öffentlichen Bürgerfragestunde der demokratischen Kongressabgeordneten attackiert. Gabrielle Giffords war das erste Ziel und wurde durch einen gezielten Kopfschuss aus nächster Nähe schwer verletzt. Nachfolgend wurden sechs Personen getötet, darunter der für Arizona zuständige Bundesrichter John McCarthy Roll und ein neunjähriges Mädchen, 13 weitere Personen wurden teilweise schwer verletzt. Am 12. Juni 2011 wurden erste Fotos der beim Attentat schwer verletzten Gabrielle Giffords veröffentlicht. Einige Tage nach dem Anschlag in Arizona versuchten sich die politischen Lager zu profilieren. Sarah Palin setzte sich mit einem Video in Szene. Die neunjährige Christina Taylor Green wurde am 13. Januar beigesetzt. Die trauernde Familie nahm Abschied. Ein Bild des kahlrasierten Attentäters Jared Loughner, welches das Büro des Sherifs veröffentlichte. Millionen von US-Amerikanern hielten zwei Tage nach dem Attentat inne, um der Opfer des Blutbads zu gedenken. Michelle und Barack Obama waren tief erschüttert trauerten mit den Angehörigen der Opfer des Amoklaufs. Im ganzen Land wehten die Flaggen auf Halbmast. Der beschuldigte Schütze der Schiesserei in Tucson, Jared Loughner, wurde am Tag nach dem Attentat von der Staatsanwaltschaft Arizona in fünf Punkten angeklagt, darunter wegen Mordversuchs an der Politikerin Gabrielle Giffords. (Im Bild: Loughner im März 2010) Die Behörden beschrieben ihn als eine Person mit einer schwierigen Vergangenheit. Dieses Bild stammt von Loughners MySpace-Seite. So ist Loughner im Jahrbuch 2006 der Mountain View High School abgebildet. Ein früherer Schulkamerad beschrieb den 22-Jährigen als Einzelgänger, der Marihuana rauchte. Loughner sei «durch das Leben geglitten» und habe «sein Ding durchgezogen», sagte er. Ein anderer berichtete, dass Loughner als Schüler den Unterricht mit gelegentlichen Ausbrüchen gestört habe. «In der Schule war er ein Typ, der ganz klar seine Meinung von bestimmten Dingen hatte, und es schien ihm nichts auszumachen, was die Leute von ihm dachten», sagte Wiens (Im Bild), der mit Loughner das Pima Community College besucht hatte. Bei einer politischen Veranstaltung vor einem Einkaufszentrum begann Jared Loughner am 8. Januar 2011 um sich zu schiessen. (Im Bild: Solidaritätsbekundungen vor Giffords Büro in Tucson) Christina Green (das Mädchen auf dem Foto) war das jüngste Opfer. Sie war erst neun Jahre alt. Die kleine Christina war mit einer Nachbarin zu der Kundgebung der US-Kongressabgeordneten Giffords gegangen. Nach der Tat demonstrierten Menschen in Tucson gegen Gewalt. Jared Loughner wurde noch am Tatort festgenommen, die Behörden fahndeten zunächst nach einem Helfer. Der Täter hatte bei dem Einkaufszentrum ein regelrechtes Blutbad veranstaltet. Ein Augenzeuge beschrieb die Szene während der Schiesserei als ein «komplettes Chaos». Der bewaffnete Täter habe das Feuer auf Giffords und ihren Bezirksdirektor eröffnet. Dann habe er damit angefangen, wahllos auf Mitarbeiter der Demokratin und Menschen zu schiessen, die sich angestellt hätten, um mit der Kongressabgeordneten zu sprechen. Das Büro des Sheriffs in Pima County erklärte, der Attentäter habe mit einer Pistole geschossen. Noch Stunden nach dem Anschlag war das Einkaufszentrum abgeriegelt.

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Knapp zwei Jahre nach dem Attentat auf die damalige US-Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords ist der Täter zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Strafe ist nach der Entscheidung des Bundesgerichtes in Arizona vom Donnerstag nicht zur Bewährung ausgesetzt.

Jared Lee Loughner hatte im Januar 2011 bei einer Veranstaltung in Tucson im US-Bundesstaat Arizona ein Massaker mit sechs Toten und zwölf Verletzten angerichtet. Giffords schoss er aus nächster Nähe in den Kopf. Die damalige demokratische Kongressabgeordnete überlebte mit schweren Verletzungen.

Loughner werde «nie mehr die Möglichkeit haben, eine Waffe anzufassen», sagte Richter Larry Burns nach Angaben von US-Medien bei der Verkündung des Strafmasses am Donnerstag. Der 24-jährige Täter hatte sich im August schuldig bekannt, um einer Verurteilung zum Tode zu entgehen.

Siebenmal lebenslänglich

Richter Burns verurteilte den Attentäter nun zu insgesamt sieben Mal lebenslänglich. Dies stehe für jedes einzelne Todesopfer sowie den versuchten Mord an Giffords, sagte er. Burns betonte die Schuldfähigkeit des Attentäters: «Die Beweise zeigen klar, dass Sie trotz Ihrer Geisteskrankheit wussten, was Sie taten».

Loughner zeigte sich ungerührt, als ihn mehrere Verwandte im Gerichtssaal auf die Tat ansprachen. Auf die Frage des Richters, ob er auf eine Äusserung verzichten wolle, antwortete er: «Yes, Sir.» Dann schwieg Loughner für den Rest der Sitzung.

Emotionale Ansprache

Anfang des Jahres hatte Giffords ihr Mandat im Repräsentantenhaus niedergelegt, um ihren Heilungsprozess zu begünstigen. Giffords wurde am Donnerstag im Gerichtssaal von ihrem Ehemann, dem Astronauten Mark Kelly, begleitet.

Kelly berichtete dabei auch über das Leiden seiner Frau. «Jeder Tag ist ein andauernder Kampf, die Dinge zu erledigen, die sie einst so gut konnte», sagte er und fügte an Loughner gerichtet hinzu: «Gabby würde ihr eigenes Leben gegen eines jener Leben eintauschen, die Sie an diesem Tag genommen haben.»

Kelly nutzte die Gelegenheit auch, das von der Verfassung garantierte Recht auf Waffenbesitz in den USA zu kritisieren. Die Politik gehe einer Auseinandersetzung über das Thema ständig aus dem Weg, statt das offensichtliche Problem anzupacken.

(pre/dapd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Inspiring Gabby am 08.11.2012 22:56 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich!

    Nach beinahe zwei Jahren konnten die Opfer Loughner in die Augen schauen und ihm sagen, was er ihnen angetan hat. Vielleicht können sie Frieden finden und diese Tragödie abschliessen. Gabrielle Giffords war eine begnadete, freundliche Politikerin, die parteiübergreifend gearbeitet hat. Sie fehlt schmerzlich im Kongress. Aber sie arbeitet hart an ihrer Genesung. Sie hat sehr Mühe beim Sprechen, Gehen und ihr rechter Arm ist teilweise gelähmt. Ihr Intellekt ist jedoch intakt!! Ich durfte sie im Sommer persönlich kennenlernen. Wow! Eine aufgestellte, liebenswerte, warmherzige Frau. Go Gabby, go!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Inspiring Gabby am 08.11.2012 22:56 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich!

    Nach beinahe zwei Jahren konnten die Opfer Loughner in die Augen schauen und ihm sagen, was er ihnen angetan hat. Vielleicht können sie Frieden finden und diese Tragödie abschliessen. Gabrielle Giffords war eine begnadete, freundliche Politikerin, die parteiübergreifend gearbeitet hat. Sie fehlt schmerzlich im Kongress. Aber sie arbeitet hart an ihrer Genesung. Sie hat sehr Mühe beim Sprechen, Gehen und ihr rechter Arm ist teilweise gelähmt. Ihr Intellekt ist jedoch intakt!! Ich durfte sie im Sommer persönlich kennenlernen. Wow! Eine aufgestellte, liebenswerte, warmherzige Frau. Go Gabby, go!

    • Rolf Raess am 09.11.2012 02:59 Report Diesen Beitrag melden

      Für die Teaparty und Co. Ein voller

      Erfolg. Damit ist eine weitere Demokratin aus dem Rennen. Es ist dort ähnlich wie bei uns mit den Plakaten einer gewissen Partei (Teaparty = Buurezmorge)! Und die Hintermänner sind jeweils schuldlos.

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