«Sehr undankbar!»

21. November 2017 22:40; Akt: 21.11.2017 22:48 Print

US-Präsident kritisiert schwarze Sportler

Erst wirft Donald Trump dem Vater eines Basketballers Undankbarkeit vor, dann rügt er einen protestierenden Footballer. Spielt deren Hautfarbe eine Rolle?

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Donald Trump rügt den Vater des Basketballspielers LiAngelo Ball in einem Tweet.

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Verletzte Eitelkeit? Aufruf zum Patriotismus? Oder Rassismus? Diese drei möglichen Erklärungen kommen für US-Medien infrage, nachdem US-Präsident Donald Trump am Wochenende und am Montag erneut schwarze Sportler auf Twitter kritisiert hat.

Möglicherweise treffen alle drei Gründe zu. Trump mag es nicht, wenn man ihn missachtet. So musste es ihn kränken, als der Vater eines der drei in China verhafteten Basketball-Studenten Trumps Beitrag an der Befreiung herunterspielte. «Wer?», stellte LaVar Ball die Rolle des Präsidenten infrage. «Weshalb war er dort drüben? Sag' mir nichts. Alle möchten es so darstellen, als hätte er mir geholfen.»

«Ich habe Schlimmeres erlebt»

Balls Sohn LiAngelo hatte zusammen mit Cody Riley und Jalen Hill in Hangzhou in Luxusboutiquen Sonnenbrillen und anderes gestohlen. Nach der Verhaftung drohte den drei Studenten der Universität von Kalifornien eine längere Haftstrafe. Vater Ball wehrte ab: «Ich komme aus L.A. Ich habe viel Schlimmeres erlebt als einen Typen, der Brillen abgreift.»

Trump schien letzte Woche beruhigt, als ihm alle drei UCLA-Spieler nach ihrer Rückkehr in die USA dankten. Doch auf LaVar Balls Wortmeldung musste er reagieren. In einem Tweet beklagte er, dass der Vater «nicht akzeptiert, was ich für seinen Sohn getan habe … Ich hätte sie im Knast lassen sollen!»:

«Sehr undankbar!»

Am Abend twitterte Trump: «Ladendiebstahl ist in China etwas Schwerwiegendes, was es auch sein sollte.» Er hätte die drei Spieler erst bei seiner nächsten Chinareise herausholen sollen, fährt er fort. «Sehr undankbar!»

Der US-Präsident sieht seine Rolle als Repräsentant des ganzen Volks. Daher ist für ihn die Undankbarkeit von Vater Ball ein Affront gegen das ganze Land.

«Grosse Respektlosigkeit»

Als Verstoss gegen das Gebot des Patriotismus interpretierte Trump am Montag auch das Verhalten des Footballspielers Marshawn Lynch vom Vortag. Auf Fotos war zu sehen, dass der «Running Back» der Oakland Raiders während der amerikanischen Nationalhymne sitzen blieb, aber beim Abspielen der mexikanischen stramm stand. «Grosse Respektlosigkeit», twitterte Trump. Von der Football-Liga NFL forderte er: «Das nächste Mal sollte die NFL ihn für den Rest der Saison suspendieren. Zuschauerzahlen und Einschaltquoten sind im Keller.»

«Im besten Fall unreif»

Mit der neuen Rüge nahm Trump ein Thema auf, das in den letzten Monaten das ganze Land gespalten hatte. Er machte keinen Hehl daraus, dass er Protestaktionen von Spitzensportlern in patriotischen Momenten ablehnt. Ursprünglich aus Protest hatten Footballer damit begonnen, während des Absingens der Nationalhymne niederzuknien. Doch bald drückte sich in den Aktionen bloss die Ablehnung gegenüber Trump aus.

Da Trump so heftig gegen die vorwiegend afroamerikanischen Sportler wetterte, erhielt sein Gegenprotest einen rassistischen Beigeschmack. Kritiker verdächtigen den Präsidenten heute, er wolle Ressentiments gegen Schwarze hervorkitzeln, um seine Anhängerschaft zufriedenzustellen. «Im besten Fall ist es unreif», sagte etwa der CNN-Medienkritiker Brian Stelter über Trumps Twitterei. «Doch für viele Leute erscheint es wie Rassenhetze.»

(sut)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • fintehausi am 21.11.2017 23:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egal ob schwarz oder weiss

    Ich mag Trump nicht unbedingt, aber dass der Vater des einen Basketballers den Ladendiebstahl herunterspielen will, darf durchaus kritisiert werden!

  • Expat am 22.11.2017 03:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strafe absitzen

    Die drei dreisten Diebe hätten ruhig 1-2 Jahre in einem chinesischen Gefängniss bleiben sollen. Das hätte die unreifen Bürschchen vielleicht zu verantwortungsvollen Menschen heranreifen lassen. Mit diesen Gehältern noch Ladenbesitzer in China zu bestehlen ist nicht nur unreif sondern Menschenverachtend

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  • fjuinperu am 21.11.2017 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diebstahl = Diebstahl?

    Und das sollen Vorbilder für die Jugend sein? Diebstahl ist Diebstahl! Ich mag den US-Präsi auch nicht, aber in diesem Fall stimme ich zu, dass Diebstahl geahndet werden soll. Es waren keine armen Kerle und Lausbubenstreich kann man dem auch nicht sagen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Alex am 22.11.2017 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung

    Eigentlich ist es doch egal, was passiert ist. Hauptsache Trump-Bashing. Wer hat noch nicht, wer will noch mal? Für mich nimmt dieser Rufmord (was solches Bashing aus meiner Sicht ist) einfach nur noch kranke Züge an.

    • Cartman1993 am 22.11.2017 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Alex

      Bashing wäre es, wenn er unschuldig wäre, ist er aber nicht. Er äussert sich zu einem Thema und wird dafür kritisiert. Wenn er nicht kritisiert werden will, soll er 1. zurücktreten, 2. seinen twitteraccount löschen und 3. mal einfach schweigen

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  • Paul am 22.11.2017 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Trump hat recht.

    Der Vater ist undankbar und arrogant. Das hat mit der Hautfarbe nichts zu tun. Aber Natürlich verkauft sich das Wort Rassismus besser.

  • carmen diaz am 22.11.2017 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    naja, sagen wir es mal so...

    ..., die ganzen rednecks, die wähler und unterstützer von trump, haben ihn sicher nicht gewählt weil trump etwas von gleichberechtigung zwischen mann und frau oder weissen und schwarzen hält...

  • chrigi am 22.11.2017 11:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    langweilig

    Der Vater ist schon ziemlich undankbar, wenn er sich auf Kosten von Trump profiliert, der seinen Sohn vor dem Gefägniss bewahrt hat. Da könnte man auch mal aufs Maul sitzen. Das mit der NFL ist ein anderes Thema. Ich verstehe dieses Nationalismus-Techtelmechtel auch nicht, aber wenn es nun mal Tradition ist, sollte man sich als bezahlter Spieler nicht permanent dagegen auflehnen. Aber Trump sollte trotzdem einsehen, dass man in der westlichen Welt Minderheiten nicht kritisieren sollte, wenn man nicht als Rassist abgestempelt werden will. Das gilt auch hier, obwohl er gar nicht die Minderheit an sich kritisiert, sondern die Kritisierten sich einfach nur aus Minderheiten zusammensetzen.

  • Rüedu am 22.11.2017 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Das Dünnhäutchen

    Natürlich ist es unverschämt von Vater LaVar Ball so undankbar zu sein, natürlich bringt Danke sagen keine mediale Aufmerksamkeit, natürlich weiss man wie unbeherrscht Trump auf sowas reagiert, natürlich tappt Trump in diese Falle und beweist wieder einmal mehr wie nötig er Applaus braucht. Bedenklich ist nicht die Aussage des Vaters, Der disqualifiziert sich ganz alleine. Bedenklich ist der Mangel an präsidialem "Ueber der Sache stehen" von Trump und die Anfälligkeit für manipulatives Zustimnen . Man hat ja gesehen, Putin, China, Saudis wie wenig es braucht um Trump zu führen.