NRA ist «schockiert»

19. Dezember 2012 03:29; Akt: 19.12.2012 09:56 Print

US-Waffenlobby bricht ihr Schweigen

Endlich hat auch die US-Waffenlobby zum Massaker von Newtown Stellung genommen. Man sei «schockiert, traurig und todunglücklich» und wolle dazu beitragen, dass solche Morde nicht mehr passieren.

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Die britische «Sun» berichtet am Dienstag, 18. Dezember 2012, über den fensterlosen, bunkerähnlichen Raum, in dem Adam Lanza im Haus seiner Mutter gelebt hat. Der Täter auf einem undatierten Bild aus einem Jahrbuch der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown, Connecticut. Ryan Kraft war vor rund zehn Jahren der Babysitter von Adam Lanza. Dessen Mutter Nancy Lanza hatte den damals 14- oder 15-Jährigen vor ihrem Sohn gewarnt: «Kehre ihm bloss nie den Rücken zu.» Dieses Bild von Adam Lanza wurde von den Strafverfolgungsbehörden veröffentlicht und von NBC News verbreitet. US-Präsident Barack Obama spricht am 16. Dezember 2012 an einer Gedenkfeier für die Opfer der Sandy-Hook-Schule den Trauernden sein Beileid aus. In seiner Rede zeigt er sich auch selbstkritisch: Die USA hätten ihre Kinder nicht ausreichend geschützt und das müsste sich nun ändern, erklärte Obama. Vor seiner Rede hat Obama die Angehörigen der 26 Todesopfer (insgesamt 27, Adam Lanzas Mutter eingerechnet) getroffen und lange mit ihnen gesprochen. Es herrscht eine bedrückende Stimmung im Saal, die Trauer um die 27 Opfer ist allgegenwärtig. Überall versuchen sich die Menschen gegenseitig Trost zu spenden. Die US-Flagge vor der Sandy-Hook-Grundschule weht wie alle Flaggen im Land auf Halbmast. Die Einwohner von Newtown warten auf den Präsidenten. Alle wollen bei der Gedenkfeier dabei sein. Decken vom Roten Kreuz helfen gegen das nasskalte Wetter. Tagelang wird in Newtown um die Opfer des Amoklaufs getrauert. Die Betroffenheit ist grenzenlos. Die Mutter des Täters, Nancy Lanza, war das erste Opfer. Sie soll eine Waffennärrin gewesen sein. Waffen waren ihr Hobby, sagte ein Bekannter. Das Bild ist zur Ikone des Dramas geworden und auf zahlreichen Zeitungs- und Onlinefronten auf der ganzen Welt erschienen. Es zeigt Jillian Soto, die per Telefon über den Tod ihrer Schwester Victoria Soto informiert wird. Die 27-jährige Victoria Soto war Lehrerin an der Sandy Hook-Grundschule. Sie hat sich heldenhaft zwischen den Täter und ihre Schüler gestellt. Sie starb im Kugelhagel. Der Amokläufer Adam Lanza mit Kameraden aus dem Techclub, einer Vereinigung technikinteressierter Schüler. Das Foto stammt aus einem Jahrbuch der Newtown Highschool. Der 20-Jährige erschoss am 14. Dezember 2012 erst seine Mutter zu Hause und danach in der Schule 20 Kinder und 6 Erwachsene. Danach tötete er sich selbst. An Mahnwachen gedenken schockierte Amerikaner der Opfer, wie hier am New Yorker Times Square. Die Kirche Saint Rose of Lima in Newtown kann nicht alle Teilnehmer einer Mahnwache fassen, einige Trauernde müssen draussen bleiben. In Hoboken, New Jersey, berichten Reporter von einem zweiten Tatort. In Hoboken lebt der ältere Bruder des Täters, der erst selbst als Todesschütze bezeichnet worden war. Ryan Lanza wurde von der Polizei zur Befragung abgeführt. US-Präsident Barack Obama wandte sich noch am selben Tag aus dem Weissen Haus an die Angehörigen der Opfer. Der Präsident, der selber zwei Töchter hat, musste sich immer wieder eine Träne aus dem Auge wischen, als er sagte: «Unsere Herzen sind gebrochen.» Dannel P. Malloy (r.), der Gouverneur von Connecticut, besucht den Tatort. In der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown, US-Stadt Connecticut, hat am 14. Dezember 2012 ein bewaffneter Mann das Feuer auf Schüler und Lehrer eröffnet Newtown ist eine Stadt im US-Bundesstaat Connecticut. Sie liegt rund 125 Kilometer nordöstlich von New York. Die Zahl der Toten war lange Zeit unklar. In ersten Meldungen hiess es noch, ein Mensch sei ums Leben gekommen. Erst viel später wurde das eigentliche Ausmass der Katastrophe bekannt. Laut CNN wurde die Leiche des Täters auf dem Schulgelände entdeckt. Der Mann soll gegen 9.40 Uhr die Schule betreten haben - eine halbe Stunde nach Schulbeginn. In den Aufzeichnungen des Notrufs hat ein Augenzeuge berichtet, dass sich der Schütze zusammen mit Kindern in einem Schulzimmer eingeschlossen habe. Er soll mit zwei bis vier Waffen bewaffnet gewesen sein. Polizeibeamte führen die Kinder weg vom Schulgelände. Ein Polizist rennt mit zwei Frauen und einem Mädchen weg von der Schule. Die Polizei hat eine Besammlungsstelle eingerichtet, wo Eltern und Kinder zusammengeführt werden. Eine Luftaufnahme von der Sandy Hook Elementary School in Newtown. Besorgte Eltern sprechen mit Polizeibeamten. Die Polizei ist mit einem Grossaufgebot vor Ort. Auch die Umgebung der Schule wird überwacht. Die Beamten sperren alles ab, was noch genauer untersucht werden muss- etwa dieses parkierte Auto. Die Kinder stehen unter Schock, sie warten auf ihre Eltern. Glücklich diejenigen, die ihre Kinder in die Arme schliessen können.

Zum Thema
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Vier Tage nach dem Amoklauf an einer amerikanischen Schule hat sich die US-Waffenlobby erstmals zu Wort gemeldet. Sie sei «schockiert, traurig und todunglücklich» über die «schrecklichen und sinnlosen Morde», teilte die National Rifle Association (NRA) mit.

Sie wolle dazu beitragen, dass sich solche Morde nicht wiederholten, schrieb die NRA weiter. Allerdings sagte die Organisation nicht, welche möglichen Schritte sie damit konkret im Auge hat. Wörtlich heisst es in der kurzen Stellungnahme: «Die NRA ist bereit, sinnvolle Beiträge zu leisten, um zu helfen, dass so etwas nie mehr geschieht.»

Auffällige Ruhe

In den vergangenen Tagen war es um die mächtigste Stimme der Waffenlobby in den USA vor allem in den sozialen Netzwerken im Internet auffällig ruhig gewesen. Sie habe sich aus Respekt vor den Angehörigen der Toten und ihrer Trauer nicht zuvor äussern wollen, versuchte die NRA in der Stellungnahme ihr langes Schweigen zu erklären.

Die NRA tritt seit Jahrzehnten kompromisslos für das Recht auf Waffentragen in den USA ein. Sie kämpfte bisher auch energisch gegen alle Versuche, strengere Waffengesetze einzuführen.

Obama will Sturmgewehre verbieten

Nun aber droht der NRA harter Gegenwind: Nach dem Amoklauf wächst in den USA die Unterstützung für eine schärfere Waffenkontrolle. US-Präsident Barack Obama will sich für ein Verbot von Sturmgewehren einsetzen.

Obama werde eine entsprechende Initiative der Senatorin Dianne Feinstein unterstützen, sagte ein Sprecher von Obama am Dienstag in Washington. Feinstein hatte für Januar einen entsprechenden Gesetzesvorstoss angekündigt.

Zudem sei der Präsident offen für ein Gesetz, mit dem der Verkauf von Waffen auf sogenannten Gun Shows strenger kontrolliert werden solle. Hier gelte es, Schlupflöcher zu schliessen.

Erfreut über Umdenken

Generell sei Obama erfreut darüber, dass zahlreiche Demokraten und Republikaner ihre Meinung zu dem Thema geändert und nun strengere Waffengesetze befürworteten, sagte der Sprecher.

Auslöser der Debatte war der Amoklauf von Adam Lanza in Newtown im Bundesstaat Connecticut. Der 20-Jährige hatte am Freitag in einer Schule 20 Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren sowie sechs Erwachsene erschossen.

Danach tötete er sich nach Angaben der Polizei selbst. Auch die Mutter des Täters wurde umgebracht. Das Motiv des Täters ist noch unklar.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Glaubnichtdaran am 19.12.2012 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    Massnahmen für kurze Zeit ?

    Schauen wir doch wieder mal in 4 Monate (wenn wir den 21.12.2012 überleben) dann ist alles wieder beim alten, und es werden weiterhin frei Waffen verkauft in der USA. Warum gibt es keine Rating Agenturen in Europa die jetzt aufstehen und America als Triple ZZZ der unsichertsten Ländern der Welt herabstuft ?

  • Sise am 19.12.2012 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    Die NRA-Lösung

    Wahrscheinlich wollen sie nun alle Lehrer mit M16 bewaffnen und dem Schuldirektor eine Panzerabwehrlenkwaffe spendieren...

  • Jaco. F am 19.12.2012 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Etwas ist Faul hier

    Die ganze Geschichte stinkt zum himmel. Er hat anscheinend laut der Untersuchungs Mediziner alle und sich selbst mit dem Sturmgewehr umgelegt, es lag .233 cal. hülsen überall aber den Sturmgewehr fand die Polizei im kofferraum seines Autos. Wie geht das den ? Es ist noch night völlig konkret was dort abgelaufen ist aber all greift schnell zur meinung aka. emotionelle gesteurte wahrnemung der wahrheit.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lexometer am 20.12.2012 07:30 Report Diesen Beitrag melden

    Unrealistisch.

    Und was passiert mit den 270 Millionen Waffen welche in Amerika bereits im Umlauf sind? Das Problem ist der Mensch und nicht die Waffen, denn dort müsste man etwas bewirken.

  • Paul Schmied am 20.12.2012 01:39 Report Diesen Beitrag melden

    Mal sehen, welchen Effekt das hat

    Naja, das mit der Kontrolle war ja bisher von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden. Da gab es ja vorher schon in einigen Verbote für Sturmgewehre. Eingesammelt wurden die nicht, man darf einfach keine neuen mehr kaufen. Der Preis für Pre-Ban-Kalaschnikovs z.B. ist in diesen Staaten exorbitant gestiegen. Ich würde mich jetzt eindecken, könnte eine lohnende Investition sein. Aber vielleicht liefert das Verbot ja gutes Zahlenmaterial für die Argumentation in Schweizer Entwaffnungsdebatten. Mehr Sicherheit verspreche ich mir auf jeden Fall nicht, siehe England...

  • Fritz am 20.12.2012 00:21 Report Diesen Beitrag melden

    Warum keine Sicherheitstüre zur Klasse?

    Ich habe meine Frage schon so oft gestellt und leider niemals richtig Antwort bekommen. Daher nochmal: Wieso ist es nicht möglich, die Türen zu den Klassenzimmern, stabil und schussfest und von innen, abschliesbar zu bauen? Der Lehrer könnte während des Unterrichts die Klassenzimmertüre von innen abschliessen. Hätte man dies nach dem ersten in den Medien bekannten Amoklauf von Colombine so gemacht, wären insgesamt bis heute, fast 100 Schüler gerettet worden.

  • H. Müller am 19.12.2012 20:46 Report Diesen Beitrag melden

    Entwaffnet werden die falschen...

    Nur noch dem Staat dürfen dann Waffen anvertraut werden welche diese dann nach Mexico an die Drogenkartelle liefert oder tausende in einem Angriffskrieg auslöscht. Super Sache sowas, die Millionen von hollow-point Munition wurde ja bereits vor kurzem eingelagert welche natürlich niemals vom department of homeland security zur unterdrückung der eigenen Bevölkerung eingsetzt werden wird!

  • John Doe am 19.12.2012 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    Man wird mit dem Risiko leben müssen

    Ein strengeres Waffengesetz verhindert doch bloss Affekthandlungen und Unfälle, aber keine geplanten Taten wie hier. "Komische" Leute prophylaktisch einsperren geht auch nicht. Ergo wird man solche Amokläufe kaum verhindern können. Schlaue Alarmsysteme an Schulen würden wohl mehr bringen.