Massaker von Las Vegas

05. Oktober 2017 21:08; Akt: 06.10.2017 03:17 Print

US-Waffenlobby will schärfere Vorschriften

Die NRA und die Republikaner befürworten zusätzliche Regeln für Dauerfeuer-Vorrichtungen, wie sie der Schütze von Las Vegas eingesetzt hat.

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Abgeschiedenheit und Privatsphäre bevorzugt: Das Haus des Todesschützen in Mesquite, Nevada. Eine Zusammenstellung dreier geleakten Polizeiaufnahme aus dem Hotelzimmer, kurz nach der Tat – zu sehen sind verschiedene Gewehre, die Leiche Paddocks (rechts unten) und vermutlich die von der Polizei erwähnte Notiz (rechts in der Mitte). (1. Oktober 2017) Bilder: Twitter, Zusammenstellung: Tamedia Wettlauf gegen die Zeit: Bis die Polizei das Hotelzimmer des Schützen von Las Vegas erreichte, vergingen 75 Minuten. Von hier aus hat der Schütze das Feuer eröffnet: Scheiben des Mandalay-Bay-Hotels gingen in die Brüche. Trauernde an einer Mahnwache in Las Vegas. Führte ein unauffälliges Leben: Der Täter Stephen Paddock. Reiste zurück in die USA und wurde vom FBI verhört: Die Freundin des Schützen, Marilou Danley. (Archiv) Bild: Police Handout Danley arbeitete von 2010 bis 2013 als Casino-Hostess in Reno im US-Bundesstaat Nevada, wo sie und Stephen Paddock sich kennenlernten. (Archiv) Bild: Facebook/Twitter Eine Woche vor dem Anschlag hatte Paddock hier ein Zimmer gemietet: Das Ogden-Hotel in Las Vegas (oben links im Bild). Ermittler suchen auf dem verlassenen Festivalgelände nach Hinweisen. In Gedenken an die Opfer von Las Vegas: Am Eiffelturm in Paris wurden die Lichter gelöscht. (2. Oktober 2017) In Mesquite, rund 120 Kilometer von Las Vegas entfernt, lebte Paddock mit seiner Freundin. Der Schock ist ihr ins Gesicht geschrieben: Eine Überlebende in Las Vegas. Schüsse bei Open-Air-Konzert: Leute gehen in Deckung. Zwei der Tatwaffen waren mit Vorrichtungen, so genannten «Bump Stocks», versehen, mit denen eigentlich halbautomatische Waffen automatisch Schüsse abfeuern. So konnte Paddock gegen tausend Schüsse in nur wenigen Minuten abgeben. Der Schütze habe sich selbst getötet, sagt Sheriff Joe Lombardo. Der Vater des Schützen war Bankräuber: Eine Aufnahme von Benjamin Hoskins Paddock aus dem Jahr 1979. Er starb, als er das Leben seiner Frau rettete: Sonny Melton ist eines der Todesopfer. Adrian Murfitt aus Alaska ist ein weiteres Opfer. Schweigeminute im Weissen Haus. «Akt des reinen Bösen»: US-Präsident Donald Trump gibt im Weissen Haus ein Statement ab. Die Gewehre hatte Paddock an zwei Fenstern platziert. (2. Oktober 2017) Der Angreifer feuerte wahllos in die Menge: Helfer tragen eine verletzte Frau im nahe dem Tatort gelegenen Hotel Tropicana in Las Vegas. Mehr als hundert Menschen wurden verletzt: Konzertbesucher rollen eine verletzte Person auf einem Bürostuhl zu Sanitätern. Ein Mann versorgt Personen mit Wasser. Die Einsatzkräfte sperrten den Strip, die zentrale Strasse in der Glückspielstadt, ab. Zunächst ging die Polizei von mehreren Schützen aus, die Nervosität war gross: Polizisten stoppen einen Mann, der die Tropicana Avenue hinunterfuhr. Polizisten in Aktion. Viele Bilder zeigen Menschen, die offenbar geschockt sind vom gerade Erlebten. Schüsse auf Konzertbesucher: Menschen versuchen, sich in Sicherheit zu bringen. (1. Oktober 2017) Menschen tragen einen Verletzten vom Festivalgelände beim Mandalay Bay Resort weg. Eine verletzte Person wird in Sicherheit gebracht. Berichten zufolge schiessen zwei bis drei Schützen aus einem Hotelzimmer: Fliehende Festivalbesucher. Die Polizei ist mit einem grossen Aufgebot vor Ort. Die Einsatzkräfte durchkämmen das Gelände. In den sozialen Medien berichten Leute, die den Polizeifunk mithören, zwei bis drei Schützen feuerten aus dem Fenster eines Hotelzimmers. Eine Polizistin geht hinter einem Polizeiauto in Deckung. Am Route 91 Harvest Country Music Festival ist Panik ausgebrochen. Ersten Berichten zufolge muss mit vielen Opfern gerechnet werden. Ein Mann und eine Frau halten sich aneinander fest. Ein Mann im Rollstuhl versucht zu fliehen. Polizisten halten eine Stellung beim Mandalay Bay Resort. Ein Mann geht hinter einem Logo in Sicherheit. Konzertbesucher gehen in Deckung. Festivalgelände beim Mandalay Bay Resort. Die Zeitverschiebung zwischen der Schweiz und der Casino-Stadt im Westen der USA beträgt 9 Stunden. In Las Vegas war es 23 Uhr, als der Angriff begann. Das Mandalay Bay Resort und Casino auf einer undatierten Werbeaufnahme.

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Nach dem Massaker von Las Vegas haben sich republikanische US-Abgeordnete offen für eine gezielte Verschärfung der Waffengesetze gezeigt.

Am Donnerstag schloss sich der einflussreiche Präsident des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, der Forderung an, ein Verkaufsverbot für sogenannte «bump stocks» zu prüfen. Diese Vorrichtungen am Kolben von halbautomatischen Waffen erlauben ein Schiessen mit Geschwindigkeiten wie bei automatischen. «Bis diese Woche wusste ich überhaupt nicht, was das ist», sagte Ryan im Hörfunk. Das Präsidialamt begrüsste in einer Erklärung eine parteiübergreifende Debatte über ein Verbot.

Die einflussreiche Waffenlobby NRA signalisierte, dass sie sich einem solchen Schritt nicht entgegenstellen würde. Für eine derartige Umrüstung müssten zusätzliche Vorschriften gelten, erklärte sie.

Die US-Behörden müssten «sofort» prüfen, ob die Vorrichtung zur Umrüstung von halbautomatischen auf vollautomatische Waffen «dem Bundesgesetz entspreche», erklärten die Chefs der National Rifle Association (NRA), Wayne La Pierre und Chris Cox, am Donnerstag. Sie gingen davon aus, dass eine «verstärkte Kontrolle» nötig sei.

Republikaner lenken ein

Die Sprecherin des Weissen Hauses, Sarah Huckabee Sanders, begrüsste die Vorschläge der NRA und anderer Gruppen und erklärte, «gerne Teil der Debatte zu sein». Präsident Donald Trump hatte sich nach der Tat grundsätzlich offen für Gespräche über das in den USA überaus laxe Waffenrecht gezeigt. «Wir werden im weiteren Verlauf der Zeit über die Waffengesetze sprechen», sagte er.

Sein Vorgänger Barack Obama war mit diversen Anläufen zur Verschärfung des Waffenrechts am Widerstand der Republikaner im Kongress gescheitert. Dass Trump sich auf weitgehende Restriktionen des privaten Waffenbesitzes einlässt, gilt allerdings als unwahrscheinlich. Während des Wahlkampfs hatte er sich mit der NRA verbündet, welche die Kandidatur des Rechtspopulisten unterstützte.

Aus Schaden klug werden

Unter den 50 sichergestellten Schusswaffen des Attentäters von Las Vegas befanden sich zwölf mit der Vorrichtung. Von einem Hotelzimmer aus hatte er während eines Country-Konzerts 58 Menschen erschossen und 489 verletzt, bevor er sich den Ermittler zufolge selbst das Leben nahm. Nach ihren Angaben ist das Motiv des Täters weiter rätselhaft.

(mch/chk/sda)