Krisenstimmung nach Strafzoll-Entscheid

03. Juni 2018 02:03; Akt: 03.06.2018 08:43 Print

USA isolieren sich bei G7-Gipfel

Das Treffen der G7-Finanzminister in Kanada ist zu Ende gegangen - und anders als üblich.

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Der US-Finanzminister glaubt an die G7: Steven Mnuchin telefoniert, bevor es zu einem Treffen der G7-Finanzminister in Whistler geht. (1. Juni 2018) (Bild: Keystone/Jonathan Hayward/The Canadian Press via AP)

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Mit ihrer Strafzoll-Entscheidung haben sich die USA im Kreis der G7-Staaten völlig isoliert. Das Treffen der G7-Finanzminister in Kanada endete am Samstag ohne Annäherung: Die Minister und Notenbankchefs hätten gegenüber US-Finanzminister Steven Mnuchin ihre «einhellige Sorge und ihre Enttäuschung» übermittelt.

Dies sagte Kanadas Ressortchef Bill Morneau zum Abschluss der Beratungen in Whistler. Anders als sonst bei solchen Treffen üblich veröffentlichten die G7-Minister keine gemeinsame Abschlusserklärung - ein Ausdruck der tiefen Verwerfungen nach der Strafzoll-Entscheidung der USA.

Strafzölle seien rechtswidrig

Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire sprach nach dem Ende der Beratungen von einer «G6»-Gruppe, die dem siebten Land - den USA - eine gemeinsame Botschaft zu den Strafzöllen mitgegeben habe: «Wir sind bereit zu reagieren, aber wir bevorzugen einen anderen Weg.»

Der deutsche Finanzminister Olaf Scholz warf den USA in Whistler einen Verstoss gegen gültige Vereinbarungen vor. Die Strafzölle seien «unverändert nach Sicht aller Beteiligten mit der Regulierung, mit den Regeln, die wir weltweit gefunden haben, nicht vereinbar und rechtswidrig».

Nur positive Worte

US-Finanzminister Mnuchin zeigte nach Teilnehmerangaben in den Beratungen keine Bereitschaft zum Einlenken. Vor Journalisten bemühte er sich aber darzulegen, dass sein Land der G7-Gruppe nicht den Rücken kehren wolle. «Wir glauben an die G7», sagte Mnuchin zum Abschluss. «Das sind unsere wichtigsten Verbündeten oder einige unserer wichtigsten Verbündeten.»

Mnuchin widersprach direkt der Einschätzung des Franzosen Le Maire: «Das waren hier nicht G6 plus eins, sondern G7.» Sein Land halte aber am Ziel eines «fairen und ausgeglichenen Handels» fest, betonte der US-Minister.

«Angespannte und schwierige» Gespräche

Kanadas Finanzminister Morneau liess in der geschlossenen Sitzung einen Finanzminister nach dem anderen zu Wort kommen, damit diese ihre Kritik direkt an Mnuchin richten konnten, wie aus kanadischen Kreisen verlautete. Mnuchin habe sich die Einwände angehört, aber wenig dazu gesagt, hiess es. Der US-Minister habe lediglich darauf verwiesen, dass das Thema beim G7-Gipfel kommende Woche in Kanada weiter verhandelt werde.

Der französische Minister Le Maire berichtete von «angespannten und schwierigen» Gesprächen. Er forderte die US-Regierung auf, «in den kommenden Tagen und Stunden» ein «positives Signal» an die G7-Partner zu senden, um eine Eskalation im Handelsstreit abzuwenden.

Überall Zeitdruck

«Es liegt nun an der US-Regierung, die richtigen Entscheidungen zu treffen, um die Lage zu beruhigen und die Schwierigkeiten auszuräumen», sagte Le Maire. Die Zeit dränge.

Bei dem Treffen der sieben führenden Industriestaaten (G7) im Wintersportort Whistler waren die Strafzölle der USA auf Stahl- und Aluminiumimporte ein zentrales Thema. Trump hatte die Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahl und zehn Prozent auf Aluminium bereits im März verhängt, die EU und die beiden US-Nachbarländer Kanada und Mexiko aber zunächst davon ausgenommen. Am Donnerstag hatte die US-Regierung dann angekündigt, ab Freitag doch Strafzölle zu erheben.

Die Europäer legten daraufhin am Freitag bei der WTO offiziell Beschwerde ein und trieben die Vorbereitung von Gegenzöllen auf US-Waren voran. Kanada reagierte ähnlich. Die Entwicklung lässt die Sorge vor einem umfassenden Handelskrieg wachsen. Zur G7-Gruppe zählen die USA, Deutschland, Kanada, Japan, Grossbritannien, Frankreich und Italien.

(roy/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus Kämpf am 03.06.2018 08:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    G7 ist veraltet

    Die G7 muss neu überdenkt werden. Italian zum Beispiel gehört schon lange nicht mehr zu den 7 grössten Industrie-Nationen dieser Welt. Da müsste China berücksichtigt werden, evt. auch noch andere.

  • Morlem am 03.06.2018 09:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    G6 1/4

    Merkt der Mann eigentlich nicht, dass er seine eigene Wirtschaft torpediert? Wer Strafzölle über die halbe Welt verhängt, nachdem die wirtschaftliche Globalisierung von eben diesem Land vorangetrieben wurde, hat etwas falsch verstanden. Die Welt ist nicht Abhängig von Amerika, sondern doch eher umgekehrt.

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  • gloria derungs am 04.06.2018 09:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    falsch wiedergegeben

    bitte richtig verstehen, es sind keine strafzölle. es sind schutzzölle der usa. man will die usa an den pranger stellen. nun, bei uns gibt es auch solche schutzzölle, versucht mal 10kg fleisch von deutschland in die schweiz zu bringen. da schlägt unser zoll auch happige gebühren drauf pro kg, das ist dann aber in der welt der scheinheiligen in ordnung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • gloria derungs am 04.06.2018 09:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    falsch wiedergegeben

    bitte richtig verstehen, es sind keine strafzölle. es sind schutzzölle der usa. man will die usa an den pranger stellen. nun, bei uns gibt es auch solche schutzzölle, versucht mal 10kg fleisch von deutschland in die schweiz zu bringen. da schlägt unser zoll auch happige gebühren drauf pro kg, das ist dann aber in der welt der scheinheiligen in ordnung.

    • Steinwerfer am 04.06.2018 13:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @gloria derungs

      Das kommt wohl auf die Sichtweise an. Aus US-Sicht sind es Schutzzölle. Aus Sicht aller die in die USA exportieren sind es Strafzölle. Das ändert jedoch nichts daran, dass sich die USA bzw. deren Regierung ins Abseits bugsiert. Nehmen wir nur einmal das Beispiel Aluminium. Die USA verfügt über keine eigenen nennenswerten Bauxit-Vorkommen. Nun kann natürlich die USA mehr Bauxit importieren... Dumm nur, dass einige der grössten Förderländer von Trump's "Schutzzöllen" betroffen sind und andere wiederum zu Trump's Liste der sog. SH in Afrika gehören. Kurzum letztlich schiessen sich die Amerikaner selbst ins Bein.

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  • UNIHOC31 am 04.06.2018 06:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fairer Handel ???

    Mr Mnuchin fairer Handel heisst nicht das wenn ein Präsident keine klare Bevorzugung / Vorteile für sein Land sieht diese einfach per Strafzöllen erschafft. Und zugleich erwartet das die anderen Länder dies einfach so hinnehmen. Sobald die anderen Länder mit Strafzöllen auf US Waren antworten wird er wieder auf Twitter Jammern wie Ungerecht die anderen Nationen im Handel mit der USA seien. Sollte dies so weitergehen, denke ich das die Russen als Handelspartner attraktiver werden. Jedoch sollte verhindert werden das ein solches Regime als zentraler Handelspartner etabliert.

  • 666777 am 03.06.2018 22:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachdenken und nachprüfen mit Fakten !

    Im Moment und schon seit langer Zeit gibt es keinen fairen Handel Weltweit. Vor allem für die USA nicht. Auch wenn man das hier nicht gerne hört! Das müsste schon lange, neu ausgehandelt werden.

  • Spongi am 03.06.2018 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Immer das scheinheilige Gerede. Wieso tun sich nicht einfach mal alle gegen die USA stellen? Die merken shr schnell das Ihnen der Daft ausgeht da ihre Wirtschaftspolitik nichts zu stande bringt im eigenen Land.

  • Death Parade am 03.06.2018 10:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jaja

    naja eigentlich ist es nicht rechtswidrig es ist amerika die dürfen alles machen ohne konsequenzen