Krieg in Jemen

13. Dezember 2016 22:02; Akt: 13.12.2016 22:13 Print

USA stoppen Waffendeals mit Saudiarabien

Die Amerikaner kritisieren die Art und Weise, wie Riad im Jemen militärisch vorgeht – dabei stehen sie selbst in der Kritik.

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Krieg in Jemen: Die Explosion eines saudischen Luftangriffs auf ein Waffendepot in Sanaa. (11. September 2015) (Bild: Keystone/Hani Mohammed/AP)

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In einem ungewöhnlichen Schritt haben die USA die Lieferung von Munition an den traditionellen Sicherheitspartner Saudiarabien gestoppt – Grund ist der Konflikt im Jemen. Ein hochrangiger Regierungsvertreter in Washington kritisierte am Dienstag die Art und Weise, in der Saudiarabien in dem Bürgerkriegsland militärisch vorgeht. Er liess durchblicken, dass sich die USA wegen der hohen Zahl von Zivilopfern durch die Luftangriffe sorgten.

Die US-Militärkooperation mit Riad sei «kein Blankoscheck», sagte der Regierungsmitarbeiter, der anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur AFP. Die USA hätten «andauernde, starke Sorgen» wegen der Mängel in den Luftangriffen durch die von Saudiarabien angeführte Militärkoalition im Jemen.

USA stehen selbst in der Kritik

Der Lieferstopp betrifft nach Angaben aus anderen US-Kreisen Präzisionsmunition des US-Konzerns Raytheon. Von saudiarabischer Seite gab es zunächst keine Stellungnahme zum Beschluss der scheidenden Regierung von Präsident Barack Obama. Ein Sprecher der von Saudiarabien angeführten Militärkoalition, General Ahmed Assiri, sagte: «Wir kommentieren anonyme Erklärungen nicht.»

Ausschlaggebend für den Lieferstopp war anscheinend der Luftangriff des Militärbündnisses im Oktober auf eine Beerdigung in Sanaa mit mehr als 140 Toten. Nach dem Angriff hatten die USA eine Überprüfung ihrer Unterstützung für die Koalition angekündigt. Es solle sichergestellt werden, dass die Unterstützung «im Einklang mit den Zielen und Werten unserer Aussenpolitik» stehe, hiess es damals.

Die USA stehen allerdings selbst wegen ziviler Opfer ihrer Militäroperationen im Nahen Osten in der Kritik. Erst Anfang Dezember hatte die US-geführte Militärkoalition gegen die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) eingeräumt, in den vergangenen Monaten bei Luftangriffen mehr als 50 Zivilisten getötet zu haben.

Militärische Unterstützung geht weiter

US-Regierungsmitarbeiter stellten am Dienstag klar, dass trotz des Lieferstopps bei der Munition die militärische Unterstützung der USA für die von Saudiarabien geführte Allianz im Jemen weitergehe. Diese sei aber ohnehin «sehr begrenzt» und bestehe im Wiederauftanken von Flugzeugen und in gewissem Masse auch in Beratung zu Luftangriffen, sagte Pentagon-Sprecher Jeff Davis.

Saudiarabien ist seit März 2015 in den Jemen-Konflikt involviert. Das von dem Land angeführte Militärbündnis fliegt Luftangriffe gegen die schiitischen Huthi-Rebellen. Diese vom Iran unterstützten Rebellen halten dem ehemaligen Staatschef Ali Abdallah Saleh die Treue. Saudiarabien steht auf der Seite des ins Exil geflüchteten sunnitischen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi.

(mch/afp)