Syrien

05. März 2018 21:41; Akt: 05.03.2018 21:58 Print

Uno-Hilfskonvoi am Ziel, aber wichtige Güter fehlen

Der unter Beschuss geratene Hilfskonvoi für die Einwohner der belagerten Rebellenhochburg Ost-Ghuta hat seine Mission vorzeitig beendet.

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Der Bundesrat soll sich in der UNO gegen Menschenrechtsverletzungen in Syrien einsetzen. Von der Türkei unterstützte Soldaten feiern die verkündete Einnahme der syrischen Stadt Afrin. (18. März 2018) Die Erklärung richtet sich nicht nur an die Türkei, sondern an alle Konfliktparteien. Elisabeth Schneider-Schneiter verfolgt eine Debatte während der Frühlingssession 2018. 2017 war laut Unicef das schlimmste Jahr für Kinder in Syrien. Allein in dieser Zeitspanne wurden 910 Mädchen und Jungen getötet und 361 weitere verwundet. Durch den Bürgerkrieg in Syrien haben mehr als 1,5 Millionen Menschen bleibende seelische oder körperliche Schäden erlitten. Ein Mann sitzt in Trümmern der Stadt Hamouria, die von den Rebellen gehalten wird. (9. März 2018) Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist ins Ausland geflüchtet oder innerhalb Syriens vertrieben worden. Ein Mann fährt durch die Stadt Hamouria in der Region Ost-Ghuta. (9. März 2018) Wie aus einem Unicef-Bericht hervorgeht, gibt es in Syrien 86'000 Menschen, denen als Folge des Krieges Gliedmassen amputiert werden mussten. Zerbombte Häuser in der Stadt Douma in Ost-Ghuta. (5. März 2018) Ein Ende des Kriegs ist nicht in Sicht. Blick auf die Stadt Arbin in Ost-Ghuta nahe der Hauptstadt Damaskus während sie von Regierungstruppen bombardiert wird. (11. März 2018) Ein Fahrzeug der Vereinten Nationen fährt durch Duma. (5. März 2018) Der für Syrien zuständige UNHCR-Vertreter Sadschad Malik schreibt auf Twitter: «Wir haben während des Beschusses so viel geliefert, wie wir konnten.» Das türkische Militär beschoss das Kurdengebiet Afrin mit Artillerie. Syrische Regierungskräfte waren in Afrin eingerückt. Die syrischen Regierungstruppen wollen sich dem Kampf gegen die türkische Armee anschliessen. In Ost-Ghuta griff die syrische Armee Stellungen der Rebellen an. Mehr als 1000 Menschen sind bei den Angriffen verletzt worden.

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Erstmals seit der Eskalation der Gewalt im belagerten Ost-Ghuta hat eine grosse Hilfslieferung die syrische Region am östlichen Stadtrand von Damaskus erreicht. Einige lebensrettende medizinische Produkte allerdings liess die syrische Regierung nicht durch.

Ein Konvoi aus Dutzenden Lastwagen sei am Montag in das heftig umkämpfte Gebiet bei Damaskus nahe der Stadt Duma eingefahren, sagte die Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Ingy Sedki, der Nachrichtenagentur DPA. Die Lieferung besteht nach Angaben des Uno-Nothilfebüros Ocha unter anderem aus Nahrung für 27'500 Menschen.

Viele medizinische Güter mussten auf Druck der syrischen Regierung aus der Lieferung genommen werden, wie Ocha berichtete. Sie durften auch nicht durch andere Gegenstände ersetzt werden. Dadurch seien drei der 46 Lastwagen, die am Morgen losgefahren waren, fast leer gewesen.

Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge waren unter den blockierten Hilfsgütern das gesamte Material für die Behandlung von Verletzungen und für Operationen sowie Insulin und andere Dialyse-Artikel.

Am Abend teilte das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit, der Hilfskonvoi habe seine Mission am Montag vorzeitig beenden müssen. «Wir haben während des Beschusses so viel geliefert, wie wir konnten», schrieb der für Syrien zuständige UNHCR-Vertreter Sadschad Malik im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Keine Ende der Bombardierungen

Ost-Ghuta vor den Toren der Hauptstadt Damaskus hat seit Mitte Februar die heftigsten Luftangriffe der Regierung seit Beginn des Syrien-Krieges im Frühjahr 2011 erlebt. Auch am Tag der Hilfslieferung gingen die Bombardements weiter: Nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden mindestens 68 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt.

Insgesamt starben nach Angaben der Beobachtungsstelle in den vergangenen beiden Wochen mehr als 760 Zivilisten durch Bombardements und Artilleriebeschuss, darunter mindestens 172 Kinder. Fast 4000 Menschen - meist Frauen und Kinder - seien verletzt worden und auf medizinische Versorgung angewiesen. Über gefallene Kämpfer dort gibt es keine entsprechenden Angaben.

Uno-Generalsekretär António Guterres hatte die Lage in Ost-Ghuta als «Hölle auf Erden» bezeichnet. Bewohner berichteten, es fehle an Essen, Wasser und Strom. Ärzten mangele es an Material, sie müssten wegen der grossen Anzahl Verletzten sehr lange ohne Unterbrechung arbeiten. In dem seit 2013 von der Regierung belagerten Ost-Ghuta sollen etwa 400'000 Menschen eingeschlossen sein.

Regierungstruppen auf dem Vormarsch

Am Wochenende verschärften sich auch die Bodenkämpfe in der Region. Der Beobachtungsstelle zufolge konnten Einheiten der Streitkräfte von Präsident Baschar al-Assad etwa 35 Prozent des Rebellengebietes im Osten erobern.

Nach den heftigen Bombardierungen des Gebietes will die syrische Armee Ost-Ghuta nun offensichtlich erobern. Die Lage erinnert an das 2016 von Assads Truppen gestürmte Aleppo. Hunderte Familien flohen vor den Kämpfen in andere Teile der Region.

Der Uno-Menschenrechtsrat verlangte angesichts der Gewalt eine Untersuchung. In einer Resolution forderte er, dass diejenigen zur Rechenschaft gezogen werden müssten, die Menschenrechte verletzt hätten. Uno-Hochkommissar Said Raad al-Hussein hatte die Angriffe auf Zivilisten als mögliche Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet.

Die syrische Regierung wirft den Rebellen dagegen immer wieder vor, die Hauptstadt Damaskus zu beschiessen. Ost-Ghuta wird von verschiedenen, mehrheitlich islamistischen Rebellengruppen kontrolliert. Unter ihnen sind auch Kämpfer von Gruppen mit Verbindung zum Terrornetzwerk al-Qaida.

Weitere Hilfslieferungen sollen folgen

In den kommenden Tagen sollen weitere Hilfslieferungen nach Ost-Ghuta folgen. «Die Uno und ihre Partner haben die Genehmigung erhalten, Hilfe für 70'000 Menschen in Not zu liefern», hiess es in einer Ocha-Mitteilung. An dem Konvoi vom Montag waren auch der Syrische Rote Halbmond und mehrere Uno-Agenturen beteiligt. Die Vereinten Nationen lieferten das letzte Mal am 14. Februar Hilfe für etwa 7200 Menschen nach Ost-Ghuta.

Die Forderung des Uno-Sicherheitsrates Ende Februar nach einer 30 Tage langen Waffenruhe für ganz Syrien zeigte bislang kaum Wirkung. Allerdings vermindert die syrische Regierung nach Ankündigung ihres Verbündeten Russland ihre Angriffe seit einer Woche täglich für eine fünfstündige Feuerpause. Während dieser Feuerpause traf am Montag auch die Hilfslieferung ein. Die Vereinten Nationen hatten wiederholt beklagt, dass das Zeitfenster für grössere Hilfslieferungen zu kurz sei.

(nag/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • BiChaDe am 06.03.2018 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sprachlos

    Wie kann man ausgerechnet medizinische Hilfe verweigert... Ich fass es nicht!

  • Cavi33 am 06.03.2018 08:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dauerproblem dank dem Westen

    Zeigt einmal mehr dass die UNO eine mehr oder weniger zahnlose Organisation ist. Dieser Krieg war und ist noch sinnloser als das Debakel im Irak. Die Russen brauchen Syrien weil das das verlässlichste Regime im Nahen Osten ist und einen wichtigen Mittelmeerhafen hat.

  • der schlaue am 06.03.2018 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht normal so schlimm

    Das ist doch nicht normal die leute die in der schweiz leben und sagen ja nicht helfen müssen mal selber dort wohnen

Die neusten Leser-Kommentare

  • BiChaDe am 06.03.2018 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sprachlos

    Wie kann man ausgerechnet medizinische Hilfe verweigert... Ich fass es nicht!

  • Cavi33 am 06.03.2018 08:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dauerproblem dank dem Westen

    Zeigt einmal mehr dass die UNO eine mehr oder weniger zahnlose Organisation ist. Dieser Krieg war und ist noch sinnloser als das Debakel im Irak. Die Russen brauchen Syrien weil das das verlässlichste Regime im Nahen Osten ist und einen wichtigen Mittelmeerhafen hat.

  • der schlaue am 06.03.2018 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht normal so schlimm

    Das ist doch nicht normal die leute die in der schweiz leben und sagen ja nicht helfen müssen mal selber dort wohnen