Botschafterposten

15. April 2009 14:32; Akt: 15.04.2009 15:01 Print

Vatikan sagt Nein zu Caroline Kennedy

Zwischen Washington und dem Vatikan herrscht dicke Luft: Der Kirchenstaat hat drei mögliche Kandidaten für den Botschafterposten der USA als zu liberal abgelehnt, darunter auch Caroline Kennedy.

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Die Tochter des ermordeten Präsidenten John F. Kennedy sollte offenbar als Dank für ihre Unterstützung von Barack Obama im US-Wahlkampf zur Botschafterin im Vatikan ernannt werden, berichten verschiedene Medien. Zuvor war Caroline Kennedy mit ihrem Versuch gescheitert, Nachfolgerin von Hillary Clinton als Senatorin von New York zu werden. Sie hatte sich bei ihrer Bewerbung schlicht als zu unbedarft erwiesen.

Auch aus dem Job in Rom dürfte nichts werden. Wegen ihrer liberalen Ansichten zu Abtreibung und gleichgeschlechtlicher Ehe hat der Heilige Stuhl gemäss Insidern sein Veto gegen die Katholikin eingelegt. Zwei andere potenzielle Bewerber seien ebenfalls als nicht genehm eingestuft worden. Offiziell dementiert der Vatikan: Es sie niemand zurückgewiesen worden, weil Präsident Obama noch niemanden offiziell nominiert habe.

Bischöfe gegen Obama

Für Insider ist jedoch klar, dass der Kirchenstaat sich aktiv in den Streit zwischen konservativen Katholiken und der neuen Regierung in Washington einmischt. Entzündet hat er sich an Obamas Entscheidung, das von der Bush-Regierung verhängte Verbot der Stammzellenforschung aufzuheben, und an seiner liberalen Abtreibungspolitik. Ein US-Botschafter im Vatikan müsse die moralischen Werte der katholischen Kirche vertreten, so die Haltung der überwiegend konservativen US-Bischöfe.

Für zusätzlichen Ärger sorgte die Universität Notre Dame in South Bend (Indiana), die führende katholische Hochschule Amerikas. Ihr Rektor will Präsident Obama im Mai die Ehrendoktorwürde verleihen. Kardinal Francis George, Erzbischof von Obamas Wahlheimat Chicago und derzeitiger Präsident der amerikanischen Bischofskonferenz, attackierte darauf öffentlich die Leitung von Notre Dame, die «nicht verstanden hat, was es bedeutet, katholisch zu sein».

Basis ist liberaler

Allerdings besteht in den USA wie in vielen Ländern eine Kluft zwischen konservativer Kirchenführung und katholischer Basis, die im letzten November mehrheitlich für Obama gestimmt hatte. Gemäss einer kürzlich veröffentlichten Umfrage befürworten 63 Prozent der US-Katholiken die Forschung an embryonalen Stammzellen. Der Streit um den Botschafterposten soll bis Anfang Juli bereinigt werden. Dann wird Barack Obama im Vorfeld des G-8-Gipfels auf Sardinien mit Papst Benedikt XVI. zusammentreffen.

(pbl)