Deutschland

27. Dezember 2017 12:53; Akt: 27.12.2017 18:25 Print

40 Salafistinnen hetzen mit Schwestern-Netzwerk

Der Verfassungsschutz im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen beobachtet etwa 40 Salafistinnen. Sie sollen ein Schwestern-Netzwerk betreiben.

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Da viele männliche Führungspersonen der salafistischen Szene im Gefängnis sitzen, springen in Nordrhein-Westfalen offenbar vermehrt Frauen in die Bresche. Der Verfassungsschutz des deutschen Bundeslands beobachtet derzeit rund 40 Salafistinnen.

Sie sollen ein «Schwesternnetzwerk» betreiben, sagt der Chef der Behörde, Burkard Freier, der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Die Frauen hätten teilweise mehrere Hundert Follower auf Facebook und seien in der Szene mittlerweile akzeptiert.

«So entstehen salafistische Gesellschaftsteile»

Laut Freier bietet dieses Netzwerk ein salafistisches Komplettprogramm an, etwa mit Koch- und Erziehungstipps, aber auch Hetze gegen «Ungläubige». Die Salafistinnen seien «Ideologieproduzentinnen», die im Internet neue Mitglieder anwerben und versuchen würden, zu missionieren.

«Die Männer haben gemerkt, dass Frauen viel besser netzwerken können und deshalb viel stärker in der Lage sind, die Szene zu binden und am Leben zu halten», so Freier. Dazu komme, dass sie ihre Kinder von klein auf indoktrinieren würden. «So entsteht etwas, das sehr viel schwerer aufzulösen ist: salafistische Gesellschaftsteile», sagt er.

Ersetzen die Frauen in den salafistischen Gemeinschaften jetzt die inhaftierten Männer? Nicht eins zu eins, sagt Urs Gösken, Islamwissenschaftler an der Uni Bern: «Die weiblichen Aufgaben sind ergänzend zu denen der Männer.» Von Gleichberechtigung, so wie sie in westlichen Verfassungen ausgelegt wird, könne zwar keine Rede sein: «Doch die Frau spielt im Salafismus durchaus eine aktive Rolle und ist nicht unbedingt weniger wichtig als der Mann», so Gösken.

Immer mehr Rückkehrer

Durch repressive Aktionen wie das Verbot der Koran-Verteilaktion «Lies!» seien die Behörden zwar erfolgreich gewesen, so Freier. «Aber dadurch findet jetzt mehr im Verborgenen statt. Es gibt eine immer grössere Zahl von minderjährigen Salafisten, die von Gewalt fantasieren.»

Durch die militärische Niederlage des IS habe sich der Salafismus zum Inlandsextremismus entwickelt. Die Zahl der Ausreisen nach Syrien und in den Irak tendiere schon seit einem Jahr gegen null, dafür nehme die Zahl der Rückkehrer zu. Unter ihnen seien zunehmend Frauen.

720 Gefährder erfasst

Die deutschen Sicherheitsbehörden haben in den letzten Jahren etwa 720 Gefährder erfasst. Dabei handelt es sich um Personen, die als radikale Islamisten eingestuft werden, oder Kontakte zu solchen pflegen.

Von fast der Hälfte geht nach einer Untersuchung des Bundeskriminalamts aber kein besonderes terroristisches Risiko aus. Unter ihnen sind nach DPA-Informationen mehrere Dutzend Frauen und Jugendliche.

(nk)