Blick auf die USA, Teil 1

26. Dezember 2017 09:01; Akt: 26.12.2017 09:01 Print

Verliert Amerika seine militärische Übermacht?

von Martin Suter - Militärisch, wirtschaftlich und kulturell scheint es mit der Supermacht USA bergab zu gehen. Stimmt dieser Eindruck? Eine Antwort in zwei Teilen.

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Die USA leisten sich die grössten Streitkräfte der Welt. Insbesondere auf den Weltmeeren ist ihre Vorherrschaft vorläufig noch ungefährdet. Bild: Die Flugzeugträger USS Ronald Reagan und USS Bonhomme Richard führen Schiffe der US Navy am 23. Septemer 2016 durch das Philippinische Meer. Kritiker sagen, die US Navy könne ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen. Sie verfüge über zu wenig Schiffe. Auf dem Bild: USS Carl Vinson am 22. April 2017 im Philippinischen Meer. US-Präsident Donald Trump will die Zahl der Schiffe aufstocken, doch in seinem Budget ist nicht genug Geld dafür vorgesehen. Im Bild: US-Flugzeugträger im Juni 2017 im Japanischen Meer. Die US-Streitrkäfte sind auf allen Kontinenten präsent. Bild: Übung der 173. Luftlandebrigade der US Army zusammen mit Fallschirmspringern der serbischen Armee am 17. November 2017 beim Lisicji-Flughafen. Längerfristig fehlen den USA die Mittel für die Streitkräfte. Am 26. August 2015 übten US-Soldaten in Hohenfels, Deutschland ... ... am 7. November 2017 in Südkorea ... ... am 22. Januar 2015 in Sojeve, Kosovo. Während die USA an ihre finanziellen Grenzen stossen, vergrössert China seine Streitkräfte rasend schnell. Im Bild: US-Präsident Donald Trump trifft Chinas Präsidenten Xi Jinping am 7. April 2017 in Florida. China baut in umstrittenen Zonen des Südchinesischen Meers künstliche Inseln. Sie werden mit Waffen bestückt und sollen chinesische Gebietsansprüche sichern. Bild: Subi-Riff bei den Spratly-Inseln am 21. April 2017. China baut auch neue Flugzeugträger und Lenkwaffen, die US-Schiffe angreifen können. Bild: Der Flugzeugträger Liaoning vor Hongkong am 7. Juli 2017. Im Nahen Osten versucht Präsident Trump, die Stellung der USA über einen engen Schulterschluss mit Saudiarabien zu halten. Bild: Trump empfängt den damaligen Vize-Kronprinzen und heutigen Machthaber Mohammed bin Salman am 14. März 2017 im Weissen Haus. Doch der Iran hat im Nahen Osten auf Kosten der USA viel Boden gutgemacht. Bild: Irans oberster Führer, Ayatolla Ali Khamenei, am 21. September 2017 an einem Treffen in Teheran. Unter Präsident Wladimir Putin hat Russland im Syrienkonflikt die Rolle einer Ordnungsmacht übernommen. Bild: Putin spricht am 1. November 2017 in Teheran mit Khamenei. Die Rolle der USA im Nahen Osten wie im Ostpazifik ist geschrumpft.

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In unregelmässigen Abständen bricht unter Amerikas Vordenkern Unruhe aus. Immer wieder ertönt die Wehklage, die Vereinigten Staaten von Amerika seien daran, ihre Vormachtstellung in der Welt zu verlieren.

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Sind die USA militärisch auf dem absteigenden Ast?

Nach bald einem Jahr unter Präsident Donald Trump erschallt der Jammerchor besonders laut. Tatsächlich weisen einige Trends darauf hin, dass die relative Position Amerikas schwächer wird. Das lässt sich in sieben Punkten darstellen. Die ersten drei betreffen Militär und Aussenpolitik:

1. US-Militär wird zunehmend unerschwinglich

Präsident Trump ist angetreten, die US-Streitkräfte zu stärken, denn der teure Irak-Krieg unter George W. Bush und Sparmassnahmen unter Barack Obama haben die Schlagkraft des Militärs herabgesetzt. Die USA geben zwar immer noch rund 600 Milliarden Dollar jährlich für ihre Streitkräfte aus. Doch die US Navy hat so wenige Schiffe wie seit langem nicht mehr, und die Flugzeuge der US Air Force sind betagt und nur beschränkt einsatzfähig.

Trump möchte sowohl Amerikas Nuklearwaffen erneuern wie die Zahl der Kriegsschiffe von gegenwärtig 308 auf 350 erhöhen. Doch mit den in seinem Budget vorgesehenen Zusatzausgaben von 3 Prozent lässt sich das nicht finanzieren. Und künftig werden fest einprogrammierte Sozialausgaben den Spielraum für Investitionen ins Militär weiter begrenzen. Unter dem Strich wird die Supermacht ihre Vormachtstellung in der Welt graduell verlieren.

2. China etabliert seine Macht, regional und global

Am meisten zu fürchten haben sich die USA vor China. Seit den Nullerjahren arbeitet diese aufsteigende Weltmacht energisch daran, die Meere in ihrer weiteren Umgebung militärisch zu kontrollieren. Im Südchinesischen Meer baut die kommunistische Regierung künstliche Inseln und bestückt sie mit Landebahnen und Artilleriestellungen. Chinas technisch hochstehende Lenkwaffen sind dazu gedacht, US-Flugzeugträger ausser Gefecht zu setzen. Beobachter vermuten, dass China die amerikanische Vorherrschaft über die Weltmeere bald im weiteren Pazifik und im Indischen Ozean herausfordern wird.

Auch wirtschaftlich verfolgt China eine Machtstrategie: Das bevölkerungsreichste Land der Erde wird in wenigen Jahren über die grösste Volkswirtschaft verfügen, baut mit der «neuen Seidenstrasse» Handelsrouten über den eurasischen Kontinent und sichert seinen Rohstoffbedarf mit Milliardeninvestitionen in Afrika. All dies untergräbt die maritim orientierte Weltmacht USA.

3. Im Nahen Osten übernehmen andere die Regie

Nach dem von Bush angezettelten Irak-Krieg und dem Rückzug unter Obama haben sich der Iran und Russland als wichtigste Akteure im Nahen Osten etabliert. Trump versucht, über einen Schulterschluss mit Saudiarabien und anderen sunnitischen Staaten die früher dominante Stellung der USA in der muslimischen Stammregion zu halten.

Die vom neuen saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman im konservativen Königshaus angezettelte Palastrevolution beschert den US-Alliierten jedoch viel Unsicherheit. Im Vergleich beweist der Iran mit seinen Interessen in Syrien, Jemen und im Libanon strategische Entschlossenheit. Dass die Widersacher der USA in Teheran ihren territorialen Machtzuwachs rückgängig machen, ist nicht absehbar. Gleichzeitig strengt sich Russlands Präsident Wladimir Putin an, seine Rolle als neuer Machtmakler zu festigen. Im Nahen Osten, im Westpazifik und in anderen Regionen verlieren Trump und die USA das Zepter.

Lesen Sie morgen Teil 2:
Amerika als Vorbild für die Welt – aus, vorbei?


Die Flugzeugträger USS Vinson und USS Reagan im Japanischen Meer:


(Quelle: YouTube/AiirSource Military)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mrfiveduck am 26.12.2017 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vormacht

    Die Alternativen zur VorMACHT stellung der USA sind düster, weil alle ihre Macht zu ihren ureigensten Interessen ausnutzen werden und nicht das globale Wohlergehen zum Ziel haben.

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  • Karl Martell am 26.12.2017 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einige mag es freuen

    Vergesst aber nicht, dass die USA immerhin mehr oder weniger demokratisch sind im Vergleich zu den anderen aufstrebenden Militärmächten.

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  • Georg H. am 26.12.2017 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessante Sichtweise

    Ich mag Sutter. Habe wohl die meisten seiner Bücher gelesen. Ob er als Politik-Experte die erste Adresse ist? Ehrlich gesagt, kann ich es nicht beurteilen. Die Punkte scheinen logisch. China macht mir Angst.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • gogg am 27.12.2017 15:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder seine Region

    Wenn alle ihre Regionen verwalten ist das völlig okay aus meiner Sicht. Schlimm wirds wenn die stärkste Weltmacht Expansionsgelüste bekommt. Kann ich mir bei einem kommunistischen Land wie China durchaus vorstellen, wenn keine andere Grossmacht mehr dazwischen steht. Die EU hat unter der Bevölkerung durch ihr Diktaturgehabe immer weniger Anhänger. Bleibt demnach noch Russland. Das ist keine Karte auf die man setzen sollte. Russland hat kaum interesse an Expansionskriegen. Jaja, Krim. Mehrheitlich eh Russen die dort leben.

  • Friedlicher am 27.12.2017 14:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wunschtraum Frieden!

    Was soll ich sagen, mir gefallen weder China noch Amerika als Weltmacht,beide treten Menschenrechte mit Füssen, was heute bald in vielen Ländern vorkommt!Weit hat es die Menschheit gebracht,....Habgier und Korruption regiert die Welt!

    • gogg am 27.12.2017 15:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Friedlicher

      China tritt die Menschenrechte aber wesentlich schlimmer als Amerika. Da ziehe ich die USA tausendmal vor.

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  • Kall am 27.12.2017 14:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vor der Tür

    Man muss nicht nach Amerika schauen! Europa hat genügend eigene Probleme zu lösen! Unsere Politiker sind auch nicht besser als Trump!!

  • Dr. Ing. ETH am 27.12.2017 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Und die Schweiz?

    Wischen wir doch lieber mal vor der eigenen Haustüre. Die Schweiz hat in den letzten Jahren so ziemlich alles verspielt, was unseren Wohlstand gesichert hat. Bankgeheimnis? Abgeschafft, Kunden ziehen Milliarden ab. Firmenzuwanderung dank tiefer Steuern? Vorbei, die gehen jetzt (zurück) in die USA. Starke Währung? Endgültig zerstört, 10-20% Abwertung in 6 Monaten. Stabile Altersvorsorge? Mit Negativzinsen ruiniert. Viel Glück für die Zukunft, ich wandere 2018 aus.

  • Wörni am 27.12.2017 13:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bibel lesen als Empfehlung

    Die Mächte dieser Welt werden ins Leere laufen, weil der Gott der Bibel das letzte Wort hat. Meine Empfehlung wäre zu diesem Thema, dass wir das Neue Testament zur Hand nehmen und durchlesen.

    • jimmy am 27.12.2017 15:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Wörni

      Wir alle sind ein teil gottes, gott aleine existiert nicht. Der Mensch lebte schon vor der bibel oder sonst welchen schriften..

    • Markus im AG am 27.12.2017 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Wörni

      Wörni nicht verzagen das Verhältniss ist etwa 1:3 gegen die Wahrheit. Und ca 3 Wochen hält das Daumen unten aus Gewohnheit gegen den Nick.

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