Täter auf freiem Fuss

22. Februar 2013 18:00; Akt: 22.02.2013 18:00 Print

Video zeigt, wie Polizisten einen Mann totschlagen

Ein Video schockiert Belgien: Darauf ist zu sehen, wie Polizisten im Januar 2010 einen verwirrten Häftling zu Tode prügelten. Keiner der Beamten wurde bisher vom Dienst suspendiert.

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Eine Fernsehreportage hat am Donnerstagabend die Öffentlichkeit in Belgien entsetzt: In der Sendung «Panorama» des Fernsehsenders VRT wurden die letzten Stunden im Leben von Jonathan Jacob nachgezeichnet, der vor drei Jahren in einer Polizeizelle im flämischen Mortsel zu Tode gekommen war.

In der Reportage wurden erstmals auch die Bilder der Überwachungskamera gezeigt, auf denen zu sehen ist, wie Jacob von Beamten des «Bijzondere Bijstandsteam (BBT)», einem Einsatzkommando der Polizei, schwer misshandelt wird.

«Vollkommen inakzeptabel»

Der Fall dominierte am Freitag die Schlagzeilen der flämische Presse. Die belgische Innenministerin Joëlle Milquet sagte den Medien, was passiert sei, sei fürchterlich. Es sei «vollkommen inakzeptabel, dass bisher kein einziger Polizist suspendiert wurde.» Der christdemokratische Parlaments-Abgeordnete Michel Domst sagte laut HLN.be, dieses Ereignis habe «einen gesellschaftlichen Schock verursacht.»

Der 26-jährige Jonathan Jacob war am 6. Januar 2010 von Polizisten aufgegriffen worden, weil er offenbar unter Drogeneinfluss stand. Die Beamten brachten den jungen Mann, der Amphetamin genommen hatte, auf den Polizeiposten von Mortsel, einem Vorort von Antwerpen. Dort wurde Jacob von einem Hausarzt untersucht und auf dessen Anweisung in ein psychiatrisches Zentrum verlegt. Da er sich dort aber nicht in eine Zelle einschliessen lassen wollte und sich aggressiv verhielt, verweigerte das Zentrum die Aufnahme. Man brachte ihn darauf zurück auf den Polizeiposten und schloss ihn in einer Zelle ein.

Blendgranate und Faustschläge

Da der verwirrte, verängstigte und aggressive Mann sich nicht beruhigte und einen Polizisten leicht verletzte, wurde entschieden, ihm ein Beruhigungsmittel zu spritzen, um ihn doch noch in das psychiatrische Zentrum verlegen zu können. Dazu forderten die Polizisten das «Bijzondere Bijstandsteam (BBT)» aus Antwerpen an. Diese Spezialeinheit warf eine Blendgranate in die Zelle und stürmte sie dann. Sechs mit Schilden und Helmen ausgerüstete Beamte warfen sich auf den nackten Mann und drückten ihn nieder, um ihn zu immobilisieren und ihm die Spritze zu verabreichen. Ein Polizist schlug ihn dabei fünfmal hart mit der Faust. Erst nachdem der Arzt ihm die Spritze gegeben hatte, stellte man fest, dass Jacob nicht mehr atmete. Aus dem Autopsiebericht ging hervor, dass er an inneren Blutungen starb, verursacht durch einen Leber- und Bauchaderriss.

Erst Anfang Februar dieses Jahres hat die belgische Justiz reagiert und endlich mehrere Betroffene vor Gericht geladen: einen Psychiater und den ehemaligen Direktor des psychiatrischen Zentrums, die sich geweigert hatten, Jacob aufzunehmen, sowie den Polizisten, der ihm die Faustschläge verabreicht hatte.

Video: Die Reportage des flämischen Senders VRT

(dhr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Phil Locher am 23.02.2013 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Ausbildung

    Die Polizisten haben offenbar keine Ahnung, wie mit Menschen umzugehen ist, die auf Drogen sind! Höchste Zeit, dies in die Ausbildung miteinzubeziehen! Es wäre so einfach gewesen!

  • maffessanti am 23.02.2013 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    türe zu und warten

    er war renitent? stand unter Drogeneinfluss? - dann war er doch in der verschlossenen Zelle am richtigen Ort. jede Wette: nach 24 Stunden Einschluss wäre der Spuk vorbei gewesen.

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  • MK am 23.02.2013 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig..

    Die Menschheit wird immer wie schlimmer. jeder denkt nur an sich..

Die neusten Leser-Kommentare

  • Walter-R am 25.02.2013 02:12 Report Diesen Beitrag melden

    Wer ist verantwortlich?

    Natürlich hätte so etwas nicht passieren dürfen, natürlich muss den an den an diesem Fall beteiligten Personen Fehlverhalten vorgeworfen werden. Es ist aber falsch und unangemessen, nicht nur die an diesem Fall direkt beteiligten Personen zu kritisieren, sondern DIE POLIZEI generell. Mitverantwortlich für den Tod dieses Mannes ist auch die Tatsache, dass noch immer viele Menschen die Gefahren durch Drogen und das Unheil, das diese anrichten nicht wahrhaben wollen sondern diese verharmlosen und herunterspielen. Er stand schliesslich unter Drogen, war dadurch aggressiv, renitent, unberechenbar und gefährlich.

  • Hans Wurst am 24.02.2013 22:32 Report Diesen Beitrag melden

    Gewaltmonopol darf wohl alles.

    Der Staat will mit der Polizei verhindern, dass Privatpersonen Gewalt ausüben. Also baut er mit der Polizei ein Monopol der psychischen Gewalt auf und somit hat nur die Polizei die Rechte gewalttätig zu sein. Doch womit werden diese Sonderrechte legitimiert? Sind Polizisten wirklich bessere Menschen und setzten ihre Rechte für Ordnung ein? Stell dir diese Frage und du wirst merken das die Polizei sehr häufig falsch reagiert, anstatt die wahren Verbrechen zu verhindern!

    • Michi am 25.02.2013 01:25 Report Diesen Beitrag melden

      Haare zu Berge stehend

      Schon der Titel... Bilden Sie Ihre Meinung aufgrund einer Meldung? Hoffe ja nicht. Es ist aber ja klar, dass all die guten "Taten" von der Polizei nicht wahrgenommen werden und die Ausrutscher fürchterlich publik gemacht und aufgebauscht werden. Hier waren 6 Polizisten entgleist, wie es dazu kam, kann niemand hier wahrheitsgemäss beantworten. Vielleicht war er ja Kampfsportler?? Ich habe mich gegenüber der Polizei bisher immer korrekt verhalten und wurde auch entsprechend behandelt. Es stimmt halt: Wie es in den Wald schreit...

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  • John Arnold am 24.02.2013 19:04 Report Diesen Beitrag melden

    Na ja!

    Und nun gibt man wieder der Polizei die Schuld? Ist ja klar! Er hätte ja keine Drogen nehmen müssen! Jeder ist für sich selber verantwortlich.

    • Levis Stoffer am 24.02.2013 20:30 Report Diesen Beitrag melden

      schwachsinn

      sie hätten ihn ja auch einfach in der zelle runterkommen lassen können. niemand verdient das und schauen sie bitte das nie jemand in ihrem umfeld so etwas erlebt oder verursacht dann werden sie anders denken

    • MacDubh am 24.02.2013 20:58 Report Diesen Beitrag melden

      Naja?

      Sie sagen es ja schon. Jeder ist für sich selbst Verantwortlich und in diesem Fall wurde nachgewiesen, dass durch die Gewalt innere Schäden verursacht wurden oder glauben Sie etwa dies sei durch Drogen passiert. Auch hier muss es Konsequenzen geben und leider hat man versucht dies zu vertuschen. Das macht mir eher Sorgen, als der Drogenkonsum...

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  • Kali m am 24.02.2013 18:29 Report Diesen Beitrag melden

    ängstliche -unfähige Polizei

    polizisten haben angst von einem Nackten wehrlosen Mann..?? Muss man da eine Spezialeinheit schicken?? was passiert wenn es um einen Raub geht, und die täter bewaffnet sind? Muss man da das Militär einschalten?

  • Sonne am 24.02.2013 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sprachlos

    Ich sag ietzt nur 2 Wörter : Gestörte Welt Diese 2wörter sagen mehr aus als 100000wörter