Zaunspringer

21. September 2014 01:30; Akt: 22.09.2014 09:16 Print

Weisses Haus wird nach Vorfall massiv abgeriegelt

Peinlich für den Secret Service: Ein Mann springt über den Zaun und schafft es bis ins Weisse Haus. Er hatte ein Klappmesser dabei. Der Vorfall hat nun Konsequenzen.

Ein Video zeigt den Zaunspringer und die Reaktion der Sicherheitsleute.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Nach dem Eindringen eines mit einem Messer bewaffneten Mannes ins Weisse Haus hat der Secret Service am Wochenende den Schutz der US-Regierungszentrale verstärkt. Der Sicherheitsdienst erwägt offenbar die Einrichtung von Kontrollpunkten auf öffentlichem Grund rund um die US-Regierungszentrale in Washington. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur AP am Sonntag aus Sicherheitskreisen.

Dem 42-Jährigen war es gelungen, über den Zaun des Anwesens zu klettern, über den Rasen zu rennen und durch das Hauptportal bis ins Gebäude zu gelangen. Präsident Barack Obama war zwar nicht da. Dennoch wurde Kritik an seiner Schutztruppe laut, zumal das Weisse Haus teilweise geräumt werden musste.

Deren Chefin Julia Pierson ordnete zusätzliche Patrouillen und Überwachung an. Zudem sollen die Ereignisse vom Freitagabend umfassend durchleuchtet werden. Die Beteiligten würden befragt und alle Sicherheitsvorkehrungen überprüft, hiess es. In einer Erklärung des Secret Service hiess es, dass der Mann es bis ins Hauptportal geschafft habe, sei völlig inakzeptabel.

Eindringling hatte Klappmesser dabei

Ursprünglich wurde davon ausgegangen, dass der aus Texas stammende Eindringling unbewaffnet gewesen sei. Eine Strafanzeige stellte allerdings fest, der 42-Jährige habe ein Klappmesser mit einer neun Zentimeter langen Klinge bei sich getragen. Er kam wegen Schmerzen in der Brust zunächst ins Krankenhaus, sollte aber voraussichtlich am Montag einem Haftrichter vorgeführt werden.

Nach Aussagen ehemaliger Nachbarn des Mannes in Texas soll dieser ein ehemaliger Soldat sein, der aus medizinischen Gründen aus dem Militär ausschied. Er soll Texas schon vor zwei Jahren verlassen haben.

Aus der Strafanzeige gegen ihn geht ein vager Hinweis auf ein mögliches Motiv hervor: Bei seiner Festnahme habe der Eindringling den Beamten des Secret Service gesagt, er «mache sich Sorgen, dass die Atmosphäre kollabiere». Er habe in Kontakt mit dem Präsidenten treten müssen, «damit er den Menschen Bescheid sagen kann».

Mitarbeiter und Journalisten evakuiert

Obama und seine Töchter waren allerdings unmittelbar vor dem Eindringen Mannes mit dem Hubschrauber zum Wochenende nach Camp David abgeflogen. Präsidentengattin Michelle Obama war ebenfalls bereits dorthin gereist. Mitarbeiter und Journalisten wurden hingegen wegen des Eindringlings vom Secret Service durch einen Nebeneingang aus dem Gebäude gebracht. Solche Evakuierungen kommen äusserst selten vor.

Obama sprach seinen Sicherheitsbeamten das Vertrauen aus. Sein Sprecher Frank Benenati sagte: «Der Präsident ist den Männern und Frauen sehr dankbar, die ihn, seine Familie und das Weisse Haus tagein tagaus beschützen.» Man erwarte nun eine professionelle Klärung des Vorfalls. Zuvor war unter anderm aus dem Kongress Kritik am Secret Service laut geworden, der zuletzt wegen Fehlverhaltens einiger Mitarbeiter ohnehin unter Druck stand.

Es ist möglicherweise das erste Mal überhaupt, dass ein sogenannter Zaun-Springer bis ins Weisse Haus vordrang. Zwar kommt es recht häufig vor, dass Menschen über die Gitter des Anwesens mitten in Washington klettern. Normalerweise werden sie sekundenschnell gestoppt und festgenommen.

Nicht einmal 24 Stunden nach dem Eindringen des 42-Jährigen ergriff der Sicherheitsdienst am Samstag einen zweiten Mann, der laut Secret Service mit seinem Auto vor das Tor des Weissen Haus gefahren war und sich anschliessend weigerte, dort wieder wegzufahren. Beide Vorfälle stehen aber offenbar in keinem Zusammenhang.

(sda)