«Unter Schock»

18. Juli 2014 20:57; Akt: 18.07.2014 22:40 Print

Weltweite Trauer und Wut nach Flugzeug-Abschuss

Die Flaggen im ganzen Land auf halbmast: Nach dem Flugzeugabsturz stehen die Niederländer unter Schock – und mit ihnen die ganze Welt.

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Die Niederlande ist in Trauer: Am Flughafen Schiphol bei Amsterdam legen Menschen Blumen nieder. Ein Meer von Blume auch in Kiew... ... In Gedenken der Opfer haben viele Blumen vor die niederländische Botschaft gelegt. Blumen, Kerzen, Plüschtiere - der Eingang der Botschaft steht im Zeichen der Opfer des Flugzeugunglücks. Schon am Abend zuvor, am 17. Juli 2014, kamen viele Menschen zur Botschaft. 295 Menschen haben im Flug MH17 ihr Leben verloren. Zur Trauer mischt sich auch Wut: Russlands Präsident Wladimir Putin wird als Terrorist dargestellt. Auch in Malaysia gedenken viele der Opfer: Ein Mönch betet in Petaling Jaya, in der Nähe der Hauptstadt Kuala Lumpur. Malaysias Premierminister Najib Razak und zwei weitere Mitglieder der Regierung an einer Schweigeminute in einem Hotel in Kuala Lumpur. Ein Angehöriger eines Opfers weint in einem Bus am Flughafen Schiphol. Auch in Malaysia trauern Angehörige um Opfer . Schweigeminute auch in Moskau bei der russischen Regierung: Wladimir Putin und Teile seines Kabinetts. Angehörige der Opfer in einem Bus auf dem Flughafen in Amsterdam. «Putin ist ein Mörder»: Eine junge Frau macht vor der Niederländischen Botschaft in Kiew deutlich, wer für sie die Schuld am Absturz des Flugzeugs trägt. Verwandte eines Opfers am Flughafen Schiphol. Auch die Radfahrer der Tour de France gedenken der vielen Toten. Die Niederländische Botschaft in London. In Newcastle vor dem Sitz des Fussballclubs Newcastle United wurden Blumen und ein Trikot niedergelegt. Zwei Fans des Vereins, die auf dem Weg zu Testspielen in Neuseeland waren, sind ebenfalls unter den Opfern. Ein Sand-Künstler aus Indien zeigt mit seinem Werk, was er von dem Abschuss des Passagier-Flugzeugs hält. Putin ist auch auf diesem Transparent eine Reizfigur in den Augen vieler Ukrainer. Beten für die Opfer: In einer Kirche ausserhalb von Kuala Lumpur haben sich Christen versammelt.

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Nach dem Absturz der Boeing 777 der Malaysia Airlines über der Ostukraine eilten viele Familienmitglieder der Passagiere zum Flughafen Schiphol bei Amsterdam, wo Flug MH17 am Donnerstag um 12.15 Uhr nach Kuala Lumpur gestartet war. Sie wurden zunächst in ein Restaurant im oberen Stockwerk des Flughafens begleitet, abgeschirmt vor den Medien. Dann wurden sie in Bussen zu nicht genannten Orten gebracht.

Einer der Hinterbliebenen der Katastrophe berichtete der Nachrichtenagentur AFP in Den Haag, er habe noch mit seinem Bruder telefoniert, 20 Minuten bevor dieser an Bord der Unglücksmaschine ging. «Ich kann Ihnen gar nicht sagen, was er zu mir gesagt hat», schluchzte der Mann. Der Bruder hatte mit seiner Frau und den zwei Kindern nach Borneo reisen wollen.

Die Maschine der Malaysia Airlines war am Donnerstagnachmittag mit 298 Menschen an Bord im umkämpften Osten der Ukraine abgestürzt, alle Insassen starben.

«Ich bin tief traurig über diese schreckliche Nachricht», erklärte König Willem-Alexander. «Unsere Gedanken sind bei den Familien, Freunden und Kollegen der Opfer und bei all denen, die noch nicht wissen, ob ihre Freunde an Bord waren.» Ministerpräsident Mark Rutte erklärte, er sei «zutiefst schockiert».

«Welle der Trauer und Verwzeiflung»

Die Regierung in Den Haag drängte nachdrücklich auf Aufklärung darüber, ob und von wem die Boeing 777 abgeschossen wurde. Die ukrainische Armee und die prorussischen Separatisten bezichtigten derweil die jeweilige Gegenseite, die Maschine beschossen zu haben.

In der Zeitung «Volkskrant» heisst es am Freitag: «Alles scheint darauf hinzudeuten, dass es die prorussischen Rebellen waren.» Sollte sich das bestätigen, brächte dies den russischen Präsidenten Waldimir Putin «in Bedrängnis», schreibt das Blatt weiter, das eine «Welle der Trauer und der Verzweiflung» im Land ausmacht. Kürzer fasst es das «Algemeen Dagblad», das titelt: «Unter Schock».

«Was für ein Horror»

Tausende Niederländer drückten ihre Anteilnahme in Kondolenzbüchern im Internet aus. «Was für ein Horror», schreibt ein Nutzer namens Yolanda. Und Gerdi Smale wünscht allen Hinterbliebenen, «ganz egal wo auf der Welt» Mut und Kraft.

Auch in sozialen Netzwerken zeigten sich die Niederländer erschüttert. «Das kann nicht wahr sein!», postete Alicia de Boer auf Facebook, als ihr klar wurde, dass ihr Freund Cor Pan offenbar in der Maschine sass.

Der junge Mann hatte kurz vor dem Start ein Bild des Flugzeugs ins Netz gestellt, offenbar in Anspielung auf den spurlosen Verbleib des Flugs MH370 derselben Fluggesellschaft. Sein zu diesem Zeitpunkt wohl ironisch gemeinter Kommentar zu dem Flugzeug-Bild: «Falls es verschwinden sollte: So sieht es aus.»

Blumen vor der Botschaft

Mit Blumen und Kerzen haben Ukrainer und Russen vor niederländischen und malaysischen Botschaften in ihren Ländern der Opfer des Flugzeugabsturzes im Konfliktgebiet Donezk gedacht. In Kiew legten Trauernde auch Plüschtiere an den diplomatischen Vertretung ab.

Kiews Bürgermeister, der frühere Profiboxer Vitali Klischko, kam mit Blumen zur Botschaft der Niederlande. Auch in Moskau und in der russischen Metropole St. Petersburg lagen viele Blumen vor Botschaft und Konsulat.

(sda)