Auch nach Newtown

15. Dezember 2012 21:30; Akt: 15.12.2012 21:30 Print

Wenig Hoffnung auf strengere Waffengesetze

Nach dem jüngsten Amoklauf an einer Grundschule in Connecticut ist in den USA wieder einmal eine Debatte über strengere Waffengesetze lanciert. Doch ändern dürfte sich wohl auch diesmal nichts.

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Die britische «Sun» berichtet am Dienstag, 18. Dezember 2012, über den fensterlosen, bunkerähnlichen Raum, in dem Adam Lanza im Haus seiner Mutter gelebt hat. Der Täter auf einem undatierten Bild aus einem Jahrbuch der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown, Connecticut. Ryan Kraft war vor rund zehn Jahren der Babysitter von Adam Lanza. Dessen Mutter Nancy Lanza hatte den damals 14- oder 15-Jährigen vor ihrem Sohn gewarnt: «Kehre ihm bloss nie den Rücken zu.» Dieses Bild von Adam Lanza wurde von den Strafverfolgungsbehörden veröffentlicht und von NBC News verbreitet. US-Präsident Barack Obama spricht am 16. Dezember 2012 an einer Gedenkfeier für die Opfer der Sandy-Hook-Schule den Trauernden sein Beileid aus. In seiner Rede zeigt er sich auch selbstkritisch: Die USA hätten ihre Kinder nicht ausreichend geschützt und das müsste sich nun ändern, erklärte Obama. Vor seiner Rede hat Obama die Angehörigen der 26 Todesopfer (insgesamt 27, Adam Lanzas Mutter eingerechnet) getroffen und lange mit ihnen gesprochen. Es herrscht eine bedrückende Stimmung im Saal, die Trauer um die 27 Opfer ist allgegenwärtig. Überall versuchen sich die Menschen gegenseitig Trost zu spenden. Die US-Flagge vor der Sandy-Hook-Grundschule weht wie alle Flaggen im Land auf Halbmast. Die Einwohner von Newtown warten auf den Präsidenten. Alle wollen bei der Gedenkfeier dabei sein. Decken vom Roten Kreuz helfen gegen das nasskalte Wetter. Tagelang wird in Newtown um die Opfer des Amoklaufs getrauert. Die Betroffenheit ist grenzenlos. Die Mutter des Täters, Nancy Lanza, war das erste Opfer. Sie soll eine Waffennärrin gewesen sein. Waffen waren ihr Hobby, sagte ein Bekannter. Das Bild ist zur Ikone des Dramas geworden und auf zahlreichen Zeitungs- und Onlinefronten auf der ganzen Welt erschienen. Es zeigt Jillian Soto, die per Telefon über den Tod ihrer Schwester Victoria Soto informiert wird. Die 27-jährige Victoria Soto war Lehrerin an der Sandy Hook-Grundschule. Sie hat sich heldenhaft zwischen den Täter und ihre Schüler gestellt. Sie starb im Kugelhagel. Der Amokläufer Adam Lanza mit Kameraden aus dem Techclub, einer Vereinigung technikinteressierter Schüler. Das Foto stammt aus einem Jahrbuch der Newtown Highschool. Der 20-Jährige erschoss am 14. Dezember 2012 erst seine Mutter zu Hause und danach in der Schule 20 Kinder und 6 Erwachsene. Danach tötete er sich selbst. An Mahnwachen gedenken schockierte Amerikaner der Opfer, wie hier am New Yorker Times Square. Die Kirche Saint Rose of Lima in Newtown kann nicht alle Teilnehmer einer Mahnwache fassen, einige Trauernde müssen draussen bleiben. In Hoboken, New Jersey, berichten Reporter von einem zweiten Tatort. In Hoboken lebt der ältere Bruder des Täters, der erst selbst als Todesschütze bezeichnet worden war. Ryan Lanza wurde von der Polizei zur Befragung abgeführt. US-Präsident Barack Obama wandte sich noch am selben Tag aus dem Weissen Haus an die Angehörigen der Opfer. Der Präsident, der selber zwei Töchter hat, musste sich immer wieder eine Träne aus dem Auge wischen, als er sagte: «Unsere Herzen sind gebrochen.» Dannel P. Malloy (r.), der Gouverneur von Connecticut, besucht den Tatort. In der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown, US-Stadt Connecticut, hat am 14. Dezember 2012 ein bewaffneter Mann das Feuer auf Schüler und Lehrer eröffnet Newtown ist eine Stadt im US-Bundesstaat Connecticut. Sie liegt rund 125 Kilometer nordöstlich von New York. Die Zahl der Toten war lange Zeit unklar. In ersten Meldungen hiess es noch, ein Mensch sei ums Leben gekommen. Erst viel später wurde das eigentliche Ausmass der Katastrophe bekannt. Laut CNN wurde die Leiche des Täters auf dem Schulgelände entdeckt. Der Mann soll gegen 9.40 Uhr die Schule betreten haben - eine halbe Stunde nach Schulbeginn. In den Aufzeichnungen des Notrufs hat ein Augenzeuge berichtet, dass sich der Schütze zusammen mit Kindern in einem Schulzimmer eingeschlossen habe. Er soll mit zwei bis vier Waffen bewaffnet gewesen sein. Polizeibeamte führen die Kinder weg vom Schulgelände. Ein Polizist rennt mit zwei Frauen und einem Mädchen weg von der Schule. Die Polizei hat eine Besammlungsstelle eingerichtet, wo Eltern und Kinder zusammengeführt werden. Eine Luftaufnahme von der Sandy Hook Elementary School in Newtown. Besorgte Eltern sprechen mit Polizeibeamten. Die Polizei ist mit einem Grossaufgebot vor Ort. Auch die Umgebung der Schule wird überwacht. Die Beamten sperren alles ab, was noch genauer untersucht werden muss- etwa dieses parkierte Auto. Die Kinder stehen unter Schock, sie warten auf ihre Eltern. Glücklich diejenigen, die ihre Kinder in die Arme schliessen können.

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Nach jedem Massenmord, Attentat und Amoklauf in den USA kommt sie wieder auf: die Frage nach strengeren Waffengesetzen. Nach Columbine, nach Virginia Tech, nach Aurora - einigen der schlimmsten Massaker in der US-Geschichte - war die Antwort darauf immer die selbe: Nein, wir Amerikaner lassen uns unser verfassungsmässiges Grundrecht auf Waffen nicht nehmen. Doch viele Waffengegner hoffen, dass der Amoklauf von Newtown bei aller Tragik auch ein Wendepunkt in der Waffenpolitik der USA sein könnte. Vieles spricht dagegen, aber ein klein wenig auch dafür.

Zunächst war das Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule in dem beschaulichen 27.000-Einwohner-Städtchen Newtown im US-Staat Connecticut anders als alles, was die USA in ihrer schiesswütigen Vergangenheit bisher erlebt haben. 20 der insgesamt 28 Opfer waren Kinder, einige nicht älter als fünf Jahre.

Die emotionale Reaktion von Präsident Barack Obama war bezeichnend für den Schmerz und die Fassungslosigkeit, den die Nation nach der Tat fühlt, und seine Aussagen liessen Waffengegner einmal mehr darauf hoffen, dass sich ein Präsident zumindest bis zu einem gewissen Punkt der mächtigen US-Waffenlobby entgegenstellen könnte. «Wir haben das schon viel zu oft durchgemacht», sagte Obama unter Tränen. Das Land müsse nun innehalten und zusammenrücken und etwas unternehmen, um Ähnliches in der Zukunft zu verhindern.

Doch die Waffenlobby stellte sich prompt gegen jede Einschränkung. In einem Interview mit der «Huffington Post» sagte der Waffenbefürworter Steve Dulan, auch in waffenfreien Zonen wie Schulen sollten Pistolen oder Gewehre erlaubt sein. Damit hätte die Tragödie vielleicht nicht verhindert, aber die Opferzahl minimiert werden können.

Versprechungen ohne Folgen

Obama hatte bereits in der Vergangenheit mehrfach versprochen, sich für schärfere Waffengesetze einzusetzen. Nach dem tödlichen Angriff in einem Kino in Aurora in Colorado und auch nach dem Attentatsversuch auf die Abgeordnete Gabby Giffords. Doch die von Obama vorgeschlagenen «effektiven Schritte» bei den Waffengesetzen fanden nie statt. Denn den Demokraten ist seit langem klar, dass sie mit einer härteren Position bei Waffen viele Wähler vergrämen könnten. Mehr als ein Drittel der US-Haushalte besitzt eine Waffe. Nach einer Gallup-Umfrage aus dem vergangenen Jahr wollen 55 Prozent der Amerikaner keine Änderung bei den lockeren Waffengesetzen. Nach den tödlichen Schüssen an der Columbine High School 1999 hatten sich noch zwei Drittel der Amerikaner für mehr Waffenkontrolle ausgesprochen.

Auch nach Newtown könnte die Stimmung wieder mehr in diese Richtung kippen. Obama hat zudem seinen letzten Wahlkampf hinter sich und kann sich - zumindest theoretisch - kontroverseren Themen widmen, die er vor seiner Wiederwahl möglichst vermieden hatte. Die Chancen stehen gut, dass er auch am Obersten Gerichtshof einen neuen Richter benennen kann. Dieser ist derzeit beim Thema Waffenkontrolle gespalten.

Eines ist jedenfalls sicher: In den kommenden Wochen werden sowohl Demokraten als auch Republikaner im Kongress die öffentliche Meinung zu den Waffenrechten genau beobachten. Anzunehmen ist aber, dass auch 20 tote Kinder auf Dauer nichts in Washington ändern werden und nur wenige Abgeordnete für härtere Waffengesetze ihre Wiederwahl aufs Spiel stellen würden.

(bee/dapd)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • who ever am 17.12.2012 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    so ein quatsch

    Also ehrlich, alle die hier mitschreiben und diskutieren, bitte mal noch auf unabhängigen seiten informieren, der Typ war mit psychopillen voll bis oben hin, angeblich gab es mehrere attentäter (wie in Norwegen und aurora auch?) und die Waffen des Schützen wahren völlig legal! die amis wollen einfach allen bürgern die waffen wegnehmen, damit sie bei dem wechsel in ein völlig diktatorisches regime nicht vor den eigenen bürgern angst haben müssen. schliesslich hat noch jede diktatur zuerst ihre bürger entwaffnet, JEDE!! wacht auf, und glaubt bloss nicht jeden CIA organisierten mist heutzutage!

    • Baslerbebbi am 18.12.2012 17:10 Report Diesen Beitrag melden

      Nur eine Diktatur verbietet Waffen.

      @Who ever: Ich bin Ihrer Meinung. Die Nazis und die Sowjets haben folgendes getan: Zuerst musste man die Waffen registrieren lassen. In einem zweiten Schritt, als die Behörden wussten wo die Waffen waren, musste man diese abgeben. Hätten die Juden ihre Waffen noch gehabt, wären die Deportationen nicht so glimpflich abgelaufen. Im Warschauer Ghetto konnten sich die Opfer wehren, da die polnischen Juden noch Waffen hatten....

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  • Phil am 17.12.2012 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    Insofern Amerikaner...

    mittels Armee und Dollarleitwährung Weltweit Frauen und Kinder ermorden (Hunger, uranangereicherte Munition, Splitterbomben...USw. USw.) entbehrt die Mediale ausschlachtung dieses Falles nicht einer gewissen Ironie. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen, welche in Ihrer Trauer von einem totalitären Staat als wirksames mittel für die Abschaffung des zweiten Zusatzartikels ihrer Verfassung hinhalten müssen. Um eine Nation von Sklaven zu schaffen, muss man die Sicherheitskräfte im innern des Landes ausbauen und die Leute entwaffnen.

  • Mathias am 17.12.2012 01:52 Report Diesen Beitrag melden

    Und dann...

    ....? Was würde passieren wenn von heute auf Morgen Waffen verboten werden? 270+ Millionen Waffen sind in Privatem Besitz... klar doch! Die verschwinden ohne Worte... Ihr Waffengegner, überlegt mal ein wenig weiter.... Klar ist das ganze tragisch, aber die Tausenden Menschen die an Unterernährung und Krankheiten sterben werden nach solch einer "schlimmen" Tat vergessen bzw. man erwähnt diese erst gar nicht!

  • Ralf am 16.12.2012 18:05 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffnung?

    Die Geschehnisse sind zweifellos schrecklich, aber man kann nicht die unbescholtenen Bürger dafür bestrafen. Deshalb hoffe ich gerade nicht auf strengere Waffengesetze. Connecticut hat bereits eines der strengsten Waffengesetze der USA und trotzem konnte man die Tat nicht verhindern. Oder wie war es in Norwegen? Die Waffengesetze sind dort enorm streng. Hier in def Schweiz haben wir ähnlich liberale Gesetze wie in den USA und trotzdem weniger Waffenkriminalität.

  • Richard Keith am 16.12.2012 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    Waffengesetz

    In der Schweiz hat beinahe jeder der Militärdienst macht eine Waffe mit Munition zu Hause. Es ist nicht die Waffe, sondern der Mensch der dahinter steht. Wahrscheinlich haben die Amerikaner ein Problem damit !