Kontroverse in Konstanz

20. April 2018 14:25; Akt: 20.04.2018 14:25 Print

Wer ein Hakenkreuz trägt, kommt gratis ins Theater

Am Konstanzer Stadttheater hat am Freitagabend das Stück «Mein Kampf» Premiere. Eine umstrittene Aktion sorgt im Vorfeld für hitzige Gemüter.

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Der Kabarettist und Autor Serdar Somuncu inszeniert am Stadttheater Konstanz George Taboris Stück «Mein Kampf», eine Farce auf Adolf Hitlers Jahre als Bewohner eines Männerwohnheims. So weit, so unspektakulär. Im Vorfeld jedoch hat sich eine hitzige Debatte über die Inszenierung entfacht, über die sogar in internationalen Medien wie etwa der «New York Times» oder BBC berichtet wird.

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Was ist geschehen? Zum einen feiert das Stück an einem symbolträchtigen Datum Premiere: Am 20. April, dem Geburtstag Hitlers. Zum anderen, und das ist der eigentliche Aufreger, promoteten die Macher ihre Inszenierung mit einer fragwürdigen Aktion. Jeder, der sich bereit erklärt, ein Hakenkreuz zu tragen, soll Freikarten bekommen. Wer hingegen normale Eintrittskarten kauft, erwirbt damit die Verpflichtung, einen Davidstern zu tragen, schreibt der «Südkurier». Das provozierte heftige Kritik.

Tragen der Symbole ist optional

Inzwischen ist das Theater zurückgerudert. Wer eine Karte zum regulären Preis gekauft hat, dem sei es «freigestellt, den Davidstern als Zeichen der Solidarität mit den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu tragen», hiess es in einer Medienmitteilung der Veranstalter vom vergangenen Freitag. Wer nicht die Premiere an Hitlers Geburtstag besuchen wolle, könne seine Karten umtauschen. Das Angebot mit der Hakenkreuz-Aktion bleibt allerdings bestehen. Mit der Idee habe das Theater zeigen wollen, wie leicht bestechlich Menschen seien, zitiert die «Huffington Post» das Theater. Vor wenigen Tagen hätten sich bereits 50 Interessenten für Freikarten gemeldet, berichtete «Spiegel Online».

Protest gegen die Aktion kam unter anderem von jüdischen Gemeinden und Verbänden sowie von den Theaterfreunden Konstanz. Auch der Bürgermeister der Stadt, Andreas Osner, verurteilte die Hakenkreuz-Idee. «Hier werden Grenzen in verantwortungsloser Weise überschritten, die auch im Namen der Kunst nicht überschritten werden dürfen«, sagte er dem «Südkurier». Die Macher spielten mit den Gefühlen jüdischer Mitbürger, so der SPD-Politiker.

Zudem gingen bei der Staatsanwaltschaft Konstanz mehrere Anzeigen ein, denn nach Paragraf 86 a des deutschen Strafgesetzbuchs ist es verboten, Kennzeichen verfassungswidriger Organe zu verwenden oder öffentlich zu verbreiten, herzustellen oder vorrätig zu halten. Konsequenzen muss das Theater allerdings nicht fürchten: Die Idee sei von der Kunstfreiheit gedeckt, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

(mlr)